Weinernte an der Ahr: Experten rechnen mit einem Drittel Ernteverlust

Viele Trauben haben Sonnenbrand : Etwa ein Drittel Verlust bei Weinernte an der Ahr

So schön die vielen Sonnentage diesen Sommer auch waren, aber die Dagernova-Genossenschaft verzeichnet bei der Weinernte an der Ahr große Einbußen. Dafür ist aber mit einem exzellenten Jahrgang zu rechnen.

Weinfreunde kennen sie, die Novinophobie - die Angst, dass der Wein ausgeht. Damit die gar nicht erst aufkommt, stehen Winzer und Mitarbeiter der Dagernova Ahr Weinmanufaktur in der heißesten Phase des Jahres derzeit ihren Mann: bei der Lese auf 150 Hektar in steilsten Lagen zwischen Heimersheim und Altenahr, bei der Traubenannahme, bei der die Traktoren an der Heerstraße Schlange stehen, um in einem fünfstündigen Zeitfenster knapp 90.000 Kilogramm Trauben anzuliefern sowie im Keller, wo Kellermeister Günter Schüller mit seinem Team den Überblick behält, welche Beeren er zu welchem Wein verarbeiten möchte.

Wie seine Kollegen der Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr schätzt er den Verlust durch Sonnenbrand bei allen Rebsorten und in allen Lagen auf gut ein Drittel der Ernte. "Unsere Winzer, die sauber entblättert haben, sind leider dadurch diesmal die Leidtragenden", so Vorstandsmitglied Schüller. Nach elf Lesetagen mit Schwerpunkt Frühburgunder, Müller-Thurgau und Portugieser, zieht Schüller im GA-Gespräch eine erste Bilanz. "Bis kommenden Samstag hoffen wir, das Gros der Ernte mit einem 70-prozentigem Anteil Spätburgunder eingefahren zu haben", so der 55-jährige Dernauer, der vor 40 Jahren seine Ausbildung bei der damals noch Vereinigten Ahrwinzergenossenschaft begann.

Zur Kontrolle der Qualität der handverlesenen Trauben, die rund 400 Winzer einbringen, pendelt er zwischen Bad Neuenahr und der Annahmestelle in Dernau hin und her.Um den angegriffenen Trauben nicht den Todesstoß zu versetzen, muss jetzt vermieden werden, dass sich durch relativ warme und feuchte Nächte Fäulnis bilden kann und damit der Ausschuss noch größer wird. "Der Verlust durch die Kirschessigfliege ist vernachlässigbar. Doch die Trauben halten nun nicht mehr länger durch.

Kellermeister Günter Schüller bei der Annahme. Die Trauben werden in der Abbeermaschine entrappt. Foto: Martin Gausmann

Weinernte an der Ahr: Gute Qualität beim 2019er-Jahrgang

Der Sonnenbrand, die Hitze, hat ihre Kapillaren so geschädigt, auch die der gesunden Früchte, dass die Zuckerzufuhr abgebrochen ist. Das heißt, dass wir keine Öchslegrade gewinnen, wenn wir warten und auf Sonne hoffen", so der Experte. Dabei ist der seit 1998 hauptverantwortliche Kellermeister der 600 Mitglieder zählenden Winzergenossenschaft mit dem hohen Mostgewicht von 90 Grad beim Spätburgunder, ähnlich wie 2018, sehr zufrieden. "Qualitativ schätze ich den 2019er-Jahrgang als grandios ein. Auch wenn am Stock nicht viel dran hing, haben wir eine dunkle Farbe erhalten, die Maischegärung läuft gut, was derzeit passiert, sieht in allen Bereichen vielversprechend aus.

"Qualität ist oberste Prämisse für die Weinmacher der Dagernova, wenn es um ihre "Pyramide" geht: vom Basiswein über Weine mit der Handschrift des Ahrtals, den Kultweinen aus alten Reblagen und im Barrique gereiften Weinen aus großen Einzellagen an der Spitze. "Daher haben wir auch die Zeiten der Traubenannahme begrenzt. 250.000 Kilogramm pro Tag könnten wir entgegennehmen, auf jeweils rund 90.000 sowohl in Bad Neuenahr als auch in Dernau kommen wir." Sieht auch die gesetzliche Mengenregulierung vor, dass ein Hektar Wingert maximal 10.000 Liter Wein erbringen darf, reduziert die Dagernova das auf rund 7000 Liter pro Hektar.

Somit kommt Schüller auf rund eine Million Liter Wein, denen er in den kommenden Monaten den perfekten Schliff verpassen möchte. Der erste Wein des neuen Jahrgangs wird übrigens schon in der letzten Oktoberwoche abgefüllt: ein 2019er Frühburgunder Blanc de Noir, der dann zeitnah Anfang November, zum Beispiel beim Dernauer Martinsmarkt, erhältlich ist.

Rotwein im Verbrauchertrend: Apropos Blanc de Noir

Dem Trend des Verbrauchers Rechnung tragend, wird Schüller allein 190.000 Liter dieses aus Rotweinsorten gekelterten weißen Weins in zwei Geschmacksrichtungen produzieren. "Das sind 40 Prozent mehr als 2018, weil wir so gut wie ausverkauft sind." Drei eigenen Weinen wollen die 25 Jungwinzer der "Mission Steillage" erneut ihren Stempel aufdrücken: einem Spätburgunder, einem Spätburgunder Blanc der Noir und einem im Barrique ausgebauten Frühburgunder.

"Die Nachwuchssorge wird ein Thema der Zukunft sein", erklärt Schüller, der daher über das Engagement des hoch motivierten Dagernova-Nachwuchses froh ist. Denn durch die Überalterung der Winzer zeichnet sich ab, dass die nächste Generation nicht alle frei werdenden Flächen künftig auffangen kann, so dass weniger Mitglieder mehr Hektar zu bearbeiten haben. "Doch die Vielfalt der Lagen durch unterschiedliche Böden, die kein anderes Anbaugebiet bieten kann, wollen wir unbedingt erhalten", betont der Kellermeister.

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