Wein aus Bad Honnef und Königswinter: Traubenernte im Siebengebirge beginnt

Wein aus Bad Honnef und Königswinter : Traubenernte im Siebengebirge beginnt

Rund ein Fünftel der Trauben hat es wegen der Sonne und hohen Temperaturen nicht durch den Sommer geschafft. Trotzdem prophezeien die Siebengebirgswinzer ihrem Jahrgang 2019 eine hohe Qualität.

Gold, Silber und Bronze – Medaillen gibt es nicht nur im Sport, auch Weine werden prämiiert. Während die Siebengebirgswinzer sich derzeit auf die neue Ernte vorbereiten, unterzogen sie den Wein des Vorjahres einer Qualitätsprüfung bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Jeweils im Frühjahr und Herbst können sie dort den Wein zur Beurteilung "anstellen". Bevor ein Sachverständigengremium die sensorische Prüfung auf Geschmack, Geruch und Harmonie vornimmt, wird der Wein bereits in einem chemischen Labor auf Herz und Nieren geprüft.

Zwei Goldmedaillen gingen in diesem Jahr ins Siebengebirge – eine an das Weingut Broel in Rhöndorf. Karl-Heinz Broel erhielt sie für seine Beerenauslese Drachenfelser Ulaneneck. "Davon habe ich 850 Liter, das ist für eine Beerenauslese eine ganze Menge", sagt er. Mit seiner Süße ist er zu Gorgonzola, Pasteten oder zum Dessert genau der richtige Wein.

Das Weingut Pieper aus Königswinter darf das Etikett eines Spätburgunders mit der Goldmedaille schmücken. Allerdings stammt dieser Drachenfels-Wein bereits aus 2016. „Ich habe diesen Wein opulent in Holz ausgebaut. Er lagerte 30 Monate in neuen kleinen französischen Barriquefässern, die ordentlich Röstaromen abgegeben haben“, erzählte Felix Pieper. "Das ist ein Wein, der nur in Ausnahmejahren wie dem hocharomatischen Jahr 2016 entsteht." 600 Flaschen konnte er abfüllen. "Die lassen wir noch etwas liegen; ab November kommt dieser Wein in den Verkauf. Passt sehr gut zu Wild und Käse."

Viele Medaillen für Siebengebirgswein

Das Weingut Blöser aus Oberdollendorf holte sich zweimal Silber und zweimal Bronze. Karl-Heinz Broel kehrte neben Gold mit zwei Silbermedaillen und fünfmal Bronze zurück. Felix Pieper holte noch eine Silbermedaille sowie viermal Bronze. Und Kay Thiel, der den historischen Weinberg vor drei Jahren am Heisterberg in Niederdollendorf übernahm, erlangte im Frühjahr vier Bronzemedaillen – "das ist in Ordnung", sagte er; jetzt ging er mit einer weiteren Sorte leer aus. "Der Jahrgang 2018 hat eine extrem gute Qualität, eigentlich liegen die Weine in der Bewertung zu niedrig", fand der Bio-Winzer und sprach damit für alle Kollegen. Auch Felix Pieper machte diese Erfahrung. Seinen "Silber-Riesling" hatte er bereits bei der Prüfstelle in Koblenz vorgestellt. "Dort erhielt er eine bessere Bewertung", berichtete er.

Die Winzer aus dem Siebengebirge, die zum Weingebiet Mittelrhein gehören, dürfen ihren Wein auch in Rheinland-Pfalz anstellen, um ihn schneller in den Verkauf zu bekommen. Denn dort finden durch die große Anzahl von Betrieben sehr viel öfter Qualitätsprüfungen statt. Doch am Ende entscheide ohnehin der Kunde, sind sich Pieper und Thiel einig. Pieper: "Im Verkauf achtet kaum einer auf die Medaillen." Außerdem: "Das Produkt muss dem Menschen schmecken und nicht der Kommission." Beide Winzer haben auch an die gängigen Weinführer wie "Falstaff" Flaschen gesandt. So etwa die alte Sorte Malinger.

Erste Trauben werden am 10. September geerntet

"2018 hatten wir eine sehr gute Qualität, zwar viel Sonne, aber die Trauben waren nicht einem solchen Hitzestress ausgesetzt wie in diesem Jahr", erzählt Bernd Blöser. "2018 mussten wir bereits am 4. September loslegen, jetzt können wir den Lesebeginn sechs bis zehn Tage nach hinten schieben." Pieper: "Der Wein hat deshalb mehr Zeit zum Ausreifen, kühlere Nächte bringen mehr Säure ins Spiel." Am 10. September beginnt die Lese bei ihm. Broel startet sechs Tage später. Und Thiel fährt ab dem 15. des Monats die Ernte ein.

Die Winzer rechnen mit einem guten 2019er Jahrgang, aber mit 15 bis 20 Prozent weniger Ernte. Denn ein Teil der Trauben, vor allem an den Zeilenköpfen, hatte Sonnenbrand. "Aber nicht nur die Sonne setzte ihnen zu. Die Temperaturen waren so hoch, dass sie die Versorgungswege 'durchschmorten' wie elektrische Leitungen. Es kam keine Flüssigkeit mehr bei den Trauben an", berichtete Thiel. Und Pieper ergänzte: "Diese Trauben hängen da wie Mumien." Teilweise haben die Winzer diese "Rosinen" bereits herausgeschnitten, die anderen werden während der Lese entfernt.

Einen Wunsch haben die Winzer: Dass die Gaststätten ihre Weine stärker wahrnehmen. So kann Thiel es nicht fassen: "Auf dem Drachenfels gibt es keinen Wein vom Drachenfels!"

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