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Waldschäden in Bad Neuenahr-Ahrweiler: Mehr als jede zehnte Fichte im Stadtwald muss weg

Waldschäden in Bad Neuenahr-Ahrweiler : Mehr als jede zehnte Fichte im Stadtwald muss weg

Seit dem nationalen Waldgipfel in Berlin vor wenigen Tagen ist klar: Der deutsche Wald leidet extrem unter Hitze und Dürre der beiden vergangenen Sommer. In Bad Neuenahr-Ahrweiler reißen die Schäden ein Loch in die Kasse.

Die Schäden sind immens, sodass die Regierung kurzfristige Hilfen von bis zu 800 Millionen Euro für die Rettung des Waldes in Aussicht stellte. Auch die Wälder in Bad Neuenahr-Ahrweiler sind von den Schäden und dem damit einhergehenden Befall mit einigen der bis zu 60 Borkenkäfer-Sorten nicht verschont geblieben. Im Landschaftspflegeausschuss der Kreisstadt wurde die Problematik jetzt erläutert.

Die SPD-Stadtratsfraktion hatte einen aktuellen Sachstandsbericht zur Situation und den Überlegungen zur Gegensteuerung beantragt.Neben den Fragen der zeitnahen Aufarbeitung und der zukünftigen Wiederbewaldung stellt die Vermarktung des anfallenden Schadholzes in einem von großen Unsicherheiten geprägten Markt eine große Herausforderung für die Verwaltung dar. "Die Preise sind auf Dauer-Talfahrt. So konnten für Fichtenholz Ende 2017 noch 66 Euro pro Festmeter erzielt werden, aktuell ist es noch die Hälfte", berichtete Forstamtsleiter Bolko Haase.

Somit seien Einnahmeeinbußen im Holzverkauf unvermeidlich. "Heimisches Holz wird derzeit bis nach Südostasien verkauft oder trockengelagert. Dabei spielt auch die übermäßige Auslastung der nur noch wenigen zertifizierten Unternehmen insoweit eine Rolle, als dass nicht nur die Umsetzung von planmäßigen Laubholzdurchforstungen, sondern auch die zeitnahe Aufarbeitung künftiger Schadholzmengen problematisch ist", sagt Haase.

Neben der Fichte würden landesweit auch Schäden an Buchen gemeldet. Im Stadtwald zeige die Buche momentan aber nur vereinzelt Schäden. Die Auswirkungen der landesweiten Schäden auf das Preisgefüge führe aber auch hier zu einer eher vorsichtigen Erlöseinschätzung. Eklatanter sei die Schadenssituation bei der Fichte: Derzeit seien im Stadtwald rund 40 Hektar Fichtenbestände bereits geräumt oder stünden kurz vor der Räumung. "Das sind elf Prozent des Fichtenbestandes. In erster Linie ist Stammholz von der Käferkalamität betroffen. Im Jahr 2018 wurden 2500 Festmeter Schadholz eingeschlagen, in 2019 sind es bereits 3400 Festmeter und es werden nach derzeitiger Schätzung weitere 4000 Festmeter folgen", so Haase.

Was tun?

Waldbaulich gibt es kein grundsätzliches Schema zur Wiederbewaldung. Jede Fläche hat ihre eigenen standörtlichen Gegebenheiten, die sowohl die künftige Baumartenwahl als auch den Zeitpunkt der Pflanzung beeinflussen. Darüber hinaus ist es in einigen Fällen sinnvoll, vorhandene oder künftige Naturverjüngung zu nutzen, unter anderem auch um Lieferengpässen der Baumschulen mit jetzt verstärkt nachgefragtem klimatauglichen Pflanzmaterial zu begegnen. Die vom Land durchgeführten Förderungen beschränken sich derzeit auf die Entfernung der Fichten aus den Gefahrenzonen und finanzielle Unterstützung bei der Aufarbeitung. Dies bedeutet für die Kreisstadt ein Fördervolumen von maximal 18 000 Euro. Eine Zusage weiterer Fördermittel, beispielsweise zur Wiederbewaldung, ist noch nicht konkret.

Die Situation führt beinahe zwangsläufig auch zu einem hohen Defizit im Forstwirtschaftsplan. Für das Jahr 2020 ergibt sich ein geplantes Defizit in Höhe von 67 515 Euro, wobei der Absatz von Nadelholz, allen voran Fichte und Kiefer, sowohl in der Menge als auch im Erlös nicht präzise abschätzbar ist. Aktuell stehen einer Ertragsplanung für 2019 von 295 000 Euro Einnahmen von 140 000 Euro gegenüber, die noch auf 225 000 bis Jahresende ansteigen könnten. Zudem müssen Durchforstungen zur Stabilisierung der Wälder durchgeführt sowie anfallende Schadhölzer ungeachtet ihres Preisverfalls geerntet werden. Letzteres dient in erster Linie dem Versuch der Eindämmung der weiteren Ausbreitung der Borkenkäfer.

Unter den genannten Voraussetzungen empfahl der Landschaftspflegeausschuss den übergeordneten weiteren Gremien einstimmig den Beschluss, den Forstwirtschaftsplan für das Jahr 2020 in der vorgelegten Form zu verabschieden und die Kommunale Holzvermarktungsorganisation Eifel GmbH zu ermächtigen, kurzfristige Änderungen im Holzeinschlag vorzunehmen, wenn damit Konjunkturschwankungen bei den Holzpreisen besser ausgenutzt werden können.