Forschung in Bonn: Museum Koenig untersucht Artenvielfalt

Forschung in Bonn : Museum Koenig untersucht Artenvielfalt

Das Museum Koenig setzt sich für den Artenreichtum ein. Ein Forschungsprojekt untersucht die Vielfalt der Fische in fünf Millionen Jahre alten Seen auf der indonesischen Insel Sulawesi.

Einmal Professor zu werden, ist Benjamin Wasiljews größter Wunsch. Mit fünf Jahren war bereits klar, dass er eines Tages Biologe wird. „Im Familienurlaub lief ich damals mit Kescher und Eimer von Stein zu Stein und sammelte kleine Tiere ein“, erzählt er heute. Nach der Schule studierte er Biologie im Bachelor und Master an der Universität Bonn; seit 2017 ist er Doktorand am Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig – und erforscht Fische in einem uralten See.

Wasiljew sitzt in seinem Büro in der sogenannten „Sonnenvilla“ gegenüber vom Museum. Auf den drei Bildschirmen vor ihm sind eine Excel-Tabelle, ein Artikel und der 3D-Scan eines Fisches zu sehen. Es ist ein Sonnenstrahlfisch. An diesen Fischen forscht er. Sie leben im Malili-Seen-System auf der indonesischen Insel Sulawesi.

Wasiljew zeigt auf eine Karte an der Wand. Das System besteht aus fünf miteinander verbundenen Seen. „Der Matano-See, an dem wir forschen, ist mit fünf Millionen Jahren der Älteste“, erklärt er. Seit ihrer Entstehung sind die Seen von jeglichen anderen Gewässern isoliert. Deshalb konnten keine Tiere heraus oder hinein geraten.

Der Matano-See: Ein Labor in freier Wildbahn

Ohne den Einfluss von außen ist der See quasi „ein Labor in freier Wildbahn“ sagt der Biologe. Geleitet wird das Forschungsprojekt von Fabian Herder, Kurator für Ichthyologie am Museum Koenig und Abteilungsleiter. Wasiljew wird durch ein Stipendium der Heinrich-Böll-Stiftung gefördert.

Am PC öffnet er eine Abbildung von neun Fischen: Im Matano-See allein haben sich neun verschiedene Arten von Sonnenstrahlfischen entwickelt. Die Frage ist: Wie konnten in einem See so viele Arten entstehen? Die Forscher vermuten, dass die Arten durch die Anpassung an die Lebensbedingungen in den sehr unterschiedlichen Bereichen des Sees entstanden sind. Daher besitzen die verschiedenen Arten spezifische Körperformen, die an die jeweilige Lebensweise angepasst sind.

Wasiljew soll untersuchen, welche Faktoren diese Aufspaltung bewirkt haben. Dazu betrachtet er die Körperformen der Fische und deren Funktionen. Ein normaler Arbeitstag beginnt beispielsweise mit dem Scan der Fische mittels CT. Am PC erstellt er dann 3D-Modelle. „Mein persönliches Highlight wird eine Reise zu den Seen“ erzählt er. Diese ist für nächsten Januar geplant.

Auf dem Bildschirm dreht Wasiljew das 3D-Modell. So ist der Fischkopf aus allen Richtungen zu sehen. „Ursprüngliche“ Biologie mit moderner Technik zu verbinden, reizt Wasiljew besonders an seiner Arbeit. „Die 3D-Modelle sind für die Öffentlichkeit sehr anschaulich“, sagt er. Es liegt ihm am Herzen, sich mit der Öffentlichkeit auszutauschen. „Nur so können wir den Artenreichtum der Erde nachhaltig schützen.“

Derselben Meinung ist auch Professor J. Wolfgang Wägele, scheidender Direktor des Museums. Er lädt die Öffentlichkeit am 31. August und 1. September zur zweiten „Konferenz der Arten“ ins Bonner Hotel Maritim ein (der GA berichtete). Dieses Jahr stehen die Bürger im Vordergrund.

Das detailreiche Wissen kommt von ehrenamtlichen Kennern

„Das detailreiche Wissen über die Artenvielfalt kommt vor allem von ehrenamtlichen Artenkennern“, sagt Wägele. Deshalb werden Vertreter der Bürgerwissenschaften sowie der akademischen Forschung ihre Arbeit vorstellen und miteinander diskutieren. Über 200 Teilnehmer haben sich bereits angemeldet, doch auch ohne Anmeldung ist jeder willkommen.

Wenn das Wissen der Öffentlichkeit nicht in die Forschung eingebunden wird, geht es verloren, darüber sind sich Direktor und Doktorand einig. Wasiljew ist sich sicher: „Von der Kooperation profitieren beide Seiten und letztlich auch der Artenschutz.“

In der Region ist das Museum Koenig seiner Meinung nach die Institution für Artenvielfalt und deren Schutz, mit dem größten Fachwissen auf diesem Gebiet. Die Konferenz biete deshalb eine einzigartige Gelegenheit des Austauschs.

Am Museum arbeitet Wasiljew nicht nur als Wissenschaftler, sondern auch in der Museumspädagogik, ist für die Organisation und Konzeption von Forscherclubs für Kinder und Jugendliche zuständig. Die Arbeit mit Jugendlichen macht ihm auch in der Freizeit Spaß. Im Tischtennisverein SSF Bonn spielt er in der ersten Mannschaft und ist seit über zehn Jahren Jugendtrainer und -wart.

Wissenschaft betreiben und an jüngere Generationen weitergeben, das ist Wasiljews Wunsch für die Zukunft. Als Evolutionsbiologe möchte er Artenvielfalt erklären und so zeigen, welche Bereiche der Erde besonders schützenswert sind. „Die vielen Arten unserer Erde sind eines der größten Wunder, die wir haben“, sagt er. „Sie entstanden über Millionen von Jahren. Wir haben nicht das Recht dazu, sie innerhalb von Jahrzehnten zu vernichten.“

Mehr Infos zur „Konferenz der Arten“ finden Sie hier.

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