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Zwei der neun Gebäude verfallen völlig: So geht es mit den ehemaligen Botschaften in Bonn weiter

Zwei der neun Gebäude verfallen völlig : So geht es mit den ehemaligen Botschaften in Bonn weiter

Die internationalen Diplomaten sind schon lange in Berlin, aber neun ehemalige Botschaften in Bad Godesberg stehen immer noch leer. Besonders schlimm sehen die ehemaligen Vertretungen von Somalia und Nepal aus. Sie verfallen völlig.

Nur im Schneckentempo nimmt die Zahl ehemaliger Botschaften in Bad Godesberg ab, die seit mehr als zwei Jahrzehnten leer stehen. Aktuelles Beispiel ist die frühere Vertretung von Jugoslawien an der Mehlemer Schlossallee, die in den vergangenen Wochen abgerissen wurde. Auf dem 5400 Quadratmeter großen Grundstück der früheren Botschaft entstehen in naher Zukunft die „Schlosshöfe Mehlem“ nebst Vollsortimenter. Fleißig saniert beziehungsweise neu gebaut wird in den beiden ehemals indonesischen Immobilien in Friesdorf und Mehlem. Kurz vor der Fertigstellung befindet sich die Ex-Botschaft Indonesiens in der Bernkasteler Straße 2, die nach einer Komplettsanierung künftig für Büros genutzt werden soll.

In der früheren indonesischen Residenz, Im Hag 24, die abgerissen wurde, entsteht zurzeit der Neubau eines Wohnhauses mit acht Eigentumswohnungen, Keller und Parkgarage – das so genannte Palais Rodderberg. Die einstigen diplomatischen Immobilien des Inselstaates Indonesien waren vor knapp drei Jahren im Rahmen einer Versteigerung in Köln von der Westdeutschen  Grundstücksauktionen AG erfolgreich verkauft worden. Die Versteigerung der ehemaligen Botschaft in Friesdorf brachte einen Erlös von 1,05 Millionen Euro ein, der Verkauf der früheren Residenz rund 1,1 Millionen Euro.

Immobilienmakler: "Ich hab's einfach aufgegeben"

An diesen Beispielen zeigt sich einmal mehr, dass es sich bei den Grundstücken ehemaliger Botschaften geradezu um Filetgrundstücke im Stadtbezirk Bad Godesberg handelt. Jemand, der sich in diesem Metier besonders gut auskennt, ist der Bonner Immobilienmakler Wieland Münch, der in den vergangen 20 Jahren so manche Botschaft vermarkten konnte. Für diese Tätigkeit benötigt man einen langen Atem und sehr gute Kontakte. Doch es gibt auch Fälle, wo selbst Münch das Handtuch werfen musste. Vor drei Jahren stellte er beispielsweise seine Bemühungen für eine Vermarktung der Ex-Botschaft von Somalia im Villenviertel ein. „Ich hab’s einfach aufgegeben“, berichtet er resigniert. Das Problem: Ein afrikanischer Staat, der eigentlich nur noch auf dem Papier steht. Seriöse Ansprechpartner: Fehlanzeige. Ergebnis: Das Haus verfällt, Schimmel ist von außen sichtbar, fehlende Fenster wurden verbarrikadiert.

Ähnlich verwahrlost ist auch die frühere Residenz Nepals, die sich übrigens direkt gegenüber dem gerade entstehenden „Palais Rodderberg“ Im Hag befindet. Der einstige Swimmingpool im Garten ist kaum noch zu erkennen, das Gebäude mit Traumblick aufs Rheintal nur noch ein Schatten einstigen Glanzes. „Zu den ehemaligen Botschaften der Länder Somalia und Nepal liegen aktuell weder dem Stadtordnungsdienst noch dem Bauordnungsamt Beschwerden vor.“ Auch zur Zukunft der Liegenschaften hat die Stadt keine aktuellen Informationen. „Bisher gab es keine Anzeichen, dass die Gebäude verkauft oder vermietet werden sollen“, teilt das Presseamt der Stadt Bonn mit.

Verfällt zusehends: Ex-Botschaft von Somalia in der Hohenzollernstraße12. Foto: Michael Wenzel

Es tut sich nichts

Die Probleme beim Verkauf ehemaliger Botschaften sind komplex wie die Beispiele von Syrien, Ungarn und Südafrika zeigen. Mal ist es ein jahrelanges Hin und Her von Zuständigkeiten verschiedener Behörden wie im Falle Ungarns. Oder aber aktuelle politische Entwicklungen wie der Krieg in Syrien, verbunden mit entsprechenden EU-Sanktionen, ziehen einen möglichen Verkauf der Ex-Botschaft in der Rheinaue stark in die Länge. Drei Fälle übrigens, wo eigentlich die Käufer bereits feststehen. „Die potentiellen Käufer sind in diesen Fällen den Ländern bekannt“, konstatiert Münch. Doch es tut sich – nichts.

Derweil stehen noch weitere diplomatische Immobilien leer. So dämmern die ehemaligen Vertretungen von Algerien, Kamerun und Nigeria weiterhin im Dornröschenschlaf. Am Rande sei noch bemerkt, dass die frühere Residenz Finnlands in der Rüngsdorfer Fasanenstraße 22 kürzlich abgerissen wurde, um Platz zu machen für einen freistehenden Neubau mit acht Luxuswohnungen mit Wohnflächen von 103 bis 161 Quadratmetern und insgesamt 16 Tiefgaragen-Stellplätzen. Und rund 20 Jahre nach dem Verkauf der Villa Schorlemmer an der Rheinallee 24 an ein Bonner Ehepaar, einst die Botschaft von Pakistan, steht die herrliche Gründerzeit-Villa aktuell wieder zum Verkauf. Nur wenige Meter weiter, Rheinallee/Ecke Kronprinzenstraße, schimmeln und verwahrlosen seit sieben Jahren die beiden miteinander verbundenen Villen der einstigen algerischen Botschaft vor sich hin. Interessenten für diese Millionenobjekte können sich an das Generalkonsulat von Algerien in Frankfurt am Main wenden.