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Aufhebung der Reisewarnung: Vom Flughafen Köln/Bonn heben wieder mehr Maschinen ab

Aufhebung der Reisewarnung : Vom Flughafen Köln/Bonn heben wieder mehr Maschinen ab

Rund 1000 Passagiere sind am Sonntag und Montag von der Wahner Heide aus gestartet. Flughafen-Geschäftsführer: Die Reiselust kommt zurück.

Von Massenandrang konnte am Flughafen Köln/Bonn keine Rede sein. Am Sonntag waren es rund tausend Fluggäste, und am Montag nicht wesentlich mehr, teilte Flughafensprecher Alexander Weise mit. Vor der Corona-Zeit wurden 30 000 bis 40 000 Fluggäste am Tag durch die Gates geschleust. Am Montag standen wieder sieben Flugziele auf der Abflugliste: unter anderem Hamburg, Zürich, Wien und Mallorca. Erste Sonnenziele in Spanien, Kroatien, Bulgarien, Portugal und Griechenland kommen nun auch wieder dazu. An diesem Dienstag etwa geht ein Flug ins türkische Izmir. Besonders im innerdeutschen Verkehr steigt die Anzahl an Flügen langsam wieder an.

„Nach und nach kehrt Leben zurück in unseren Airport. Wir freuen uns über jede Maschine, die über unser Vorfeld rollt, und jeden Passagier, der ab Köln/Bonn wieder auf Reisen geht. Es ist unverkennbar, dass die Reiselust der Passagiere zurückkommt. Die Airlines reagieren darauf – die Wiederaufnahme beginnt im Juni zunächst im kleinen Rahmen, bereits im Juli rechnen wir dann sukzessive mit mehr Betrieb“, sagte Johan Vanneste, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Köln/Bonn GmbH.

Am Check-in im Terminal 1, B01-B03, für den Flug nach Mallorca herrschte gespenstische Ruhe. Hektik verbreitete nur ein britisches TV-Team. Die Reporter waren am Airport gestrandet. „Sie nehmen heute nur Geschäftsreisende oder Einwohner der Insel mit“, monierte die Reporterin, während sie energisch mit dem Personal der Fluggesellschaft diskutierte. In der einen Hand ihre Buchungsbestätigung, in der anderen ihr Handy mit dem Chef in London in der Leitung. Ihr Kameramann erklärte: „Wir haben den Flug als Privatreise gebucht – ein kleiner Fehler, sehr unangenehm.“

Auf dem Weg nach Mallorca: Der Immobilienunternehmer Joachim Reuter (links) und sein Mitarbeiter Wolfgang Baumann. Foto: Thomas Heinemann/Thomas Heinemann, TH@Thomas-Hein

Keine Buchungsprobleme hatte der aus Bonn stammende Unternehmer Joachim Reuter, Inhaber eines Immobilienunternehmens. Reuter und sein Mitarbeiter Wolfgang Baumann standen zuletzt nur noch per Telefon und E-Mail mit dem Mitarbeiter vor Ort in Kontakt. „Für unsere Inselträume brauchen wir Termine und Besichtigungen vor Ort. Wir hoffen, dass jetzt auch die Kunden aus Deutschland schnellstmöglich kommen können“, so Reuter: Die Coronakrise habe das Angebot an Immobilien verändert: „In ihrer Not versuchen die Menschen, möglichst schnell zum Beispiel ihr geerbtes Haus zu verkaufen, weil sie das Geld brauchen.“

Verhaltene Freude über den Flug signalisierten auch vier Handwerker. „Die Baustelle ruht derzeit, wir waren in Kurzarbeit. Jetzt soll es langsam wieder losgehen“, sagte einer von ihnen beim Check-in. Sehen, wie es auf der Arbeit weitergeht, wollte auch ein Pärchen, das in Deutschland und auf Mallorca in der Hotelbranche tätig ist. Sie hatten es eilig. Warteschlagen oder Gedränge auf den Gängen brauchte das Paar nicht zu fürchten. Auch keine Ablenkung durch verlockende Angebote der Geschäfte. Die Airport-Shops für Mode und Accessoires sind weitgehend geschlossen. Statt Koffergepolter hallen nur die Bandansagen mit Hinweisen zum Schutz vor dem Coronavirus durch die langen Gänge.

Die Airlines selbst haben ebenfalls mit umfassenden Hygieneschutzmaßnahmen auf die Lage reagiert. Auf allen Reisen mit Eurowings müssen die Fluggäste einen Mund-Nasen-Schutz tragen, und zwar sowohl am Flughafen als auch an Bord, teilte Eurowings-Sprecher Florian Gränzdörffer mit. Die Prozesse sind genau definiert: An der Sicherheitskontrolle müssen Abstände von mindestens zwei Armlängen zu anderen Passagieren eingehalten werden. Das Boarding erfolgt kontaktlos, die Passagiere halten den Barcode ihres Tickets an das Lesegerät. Die Reinigungszyklen in den Kabinen seien zwar erhöht, dennoch erhält jeder Passagier beim Einsteigen ein Desinfektionstuch zum Reinigen der Oberflächen im Bereich des Sitzes.

Zu Buchungszahlen machte der Unternehmenssprecher „grundsätzlich aus Wettbewerbsgründen“ keine Angaben. „Aber wir spüren eine anziehende Nachfrage nach touristischen Flügen, insbesondere nach Mallorca“, so Gränzdörffer. Von Köln aus fliegt Eurowings nächste Woche elfmal nach Palma de Mallorca, in der Woche darauf 28 Mal.

Der Flughafen hat sich ebenfalls darauf vorbereitet, dass wieder mehr Fluggäste kommen. Wie Weise berichtete, gilt im Terminal eine Maskenpflicht, es wurden flächendeckend Abstandsmarkierungen angebracht, Sitzgelegenheiten entzerrt, Schutzwände an den Check-in-Schaltern errichtet und vieles mehr. „Auch Prozesse wurden optimiert, um das Infektionsrisiko am Flughafen auf ein Minimum zu reduzieren“, so Weise. Außerdem werden nach wie vor alle Abflüge und Ankünfte in Terminal 1 abgefertigt.

45 Ziele von zwölf Airlines sind Weise zufolge derzeit geplant: Das sind rund 250 wöchentliche Starts und Landungen. Eurowings fliegt neben mehreren innerdeutschen Zielen auch Zagreb, Sarajevo, Lissabon, Edinburgh, Wien und Zürich an. Die ungarische Wizz Air verbindet Köln/Bonn mit Tuzla (Bosnien und Herzegowina), Varna am Schwarzen Meer und Skopje in Mazedonien. Ryanair plant für Juli die Wiederaufnahme touristischer Ziele wie Palma, Barcelona, Malaga, Madrid, Sevilla und Porto. Auch Tuifly hat einige Ziele angekündigt: Fuerteventura, Las Palmas, Teneriffa sowie Heraklion, Kos und Rhodos.