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Ausstellung im Museum Koenig: Bonner Fotograf zeigt Bilder von Afrikas wildem Süden

Ausstellung im Museum Koenig : Bonner Fotograf zeigt Bilder von Afrikas wildem Süden

Der ausgezeichnete Naturfotograf Paul Kornacker zeigt im Museum Koenig „Afrikas wilder Süden“. Dabei sind spektakuläre Aufnahmen zu sehen.

„Wenn man sich mit Tieren beschäftigt, dann muss man eins mit der Natur werden“, sagt Naturfotograf Paul Kornacker. Man müsse geduldig sein, um Tiere in ihrem realen Umfeld beobachten zu können. Wenn man dann noch die Begegnung fotografisch festhalten will, dann brauche man viel Zeit und Ruhe. „Und man sollte vor allem einiges über die Tiere wissen.“ Man müsse auch die Natur um sie herum hören, riechen und schmecken können. „Das erfährt man natürlich nur, wenn man selber in sich ruht“, so der gelernte Biotechniker, Forscher und Weltenbummler.

Mit aufmerksamer Entspanntheit sitzt Kornacker inmitten der 22 großformatigen Fotografien seiner Ausstellung „Afrikas wilder Süden“, die nun in der Cafeteria des Museums Koenig eröffnet wurde. „Mir ist es wichtig, den Tieren auf Augenhöhe zu begegnen“, sagt er. Das trifft für Kornacker bei den Geparden oder Elefanten genauso zu, wie auch bei dem auf dem Wüstenboden lebenden Palmatogecko, dem sich Kornacker in Namibia bäuchlings auf nur wenige Zentimeter nähern konnte. Elf Monate hatte der Fotograf in dem südwestafrikanischen Land gelebt, um dort als Herpetologe für eine wissenschaftliche Untersuchung die Population von Amphibien und Reptilien zu erfassen. Seit 40 Jahren beschäftigt sich der heute 66-Jährige damit.

„Reptilien sind eine große Leidenschaft von mir“, sagt er. Eine Leidenschaft, die im Alter von etwa elf Jahren bei ihm begann. Da sammelte er Frösche und Blindschleichen, um sie im heimischen Terrarium beobachten zu können. Eine Liebe, die er von seinem Vater geerbt zu haben scheint, der seinem einzigen Sohn nicht nur die Fern- und Abenteuerlust, sondern auch seine spezielle Beziehung zu den exotischen Tieren vorgelebt hat. Während der Vater, der schon früh nach Argentinien auswanderte und für Hagenbeck, den Hamburger Zoo, seltene Tiere besorgte, tat der Sohn es später für das Museum Koenig.

Als seine Eltern Anfang der 1950er Jahre nach Bonn umsiedelten, seine Mutter war Argentinierin, wurde bald Paul Kornacker geboren. Nach seiner Schulzeit stellte er fest, dass die Entscheidung für den Beruf des Speditionskaufmanns nicht fürs ganze Leben reichen konnte. Er sattelte zum Biotechniker um und begann bei der Bundesforschungsanstalt für Naturschutz und Landschaftsökologie (BfNL).

„Auch wenn ich mit meinen Reisen nicht gerade den besten ökologischen Fußabdruck habe“, so Kornacker, sei es ihm wichtig, mit seiner Arbeit auf die Schönheit und die Verletzlichkeit der Natur hinzuweisen. „Ich bin immer wieder sehr erschrocken, wenn ich nach Jahren an einen Ort zurückkehre und sehe, wie sich dort die Natur verändert hat.“ Es sei nicht nur der Klimawandel, sondern oft auch unmittelbar der Mensch, der in den letzten Winkeln und Reservaten seine Spuren hinterlässt. Es sind die fortschreitende Urbanisierung und die Industrialisierung der Landwirtschaft, mit der die Menschen in seinen Augen die Natur zerstören. „Und ihr Müll, der überall hinterlassen wird“, erklärt Kornacker, freier Mitarbeiter des Museums Koenig.

Zunächst war der Fotoapparat lediglich ein Werkzeug, das Bilder zu seinen Beschreibungen lieferte. 2003 fing es an, dass er sich von der dokumentarischen zur künstlerischen Fotografie entwickelte. Das pure Abbild reichte ihm nicht mehr. Er wollte mit seinen Bildern Überzeugungsarbeit leisten. Während Kornacker in unseren Gefilden Biber und Füchse fotografiert und eines seiner Lieblingsbilder zwei Raben zeigt – für die er von der Gesellschaft für Naturfotografie (GDT) 2014 zum Naturfotografen des Jahres ausgezeichnet wurde –, gehören in der Ausstellung die Bilder eines Löwenpaars und einer Geparden-Bruderschaft zu seinen Favoriten.

„Afrikas wilder Süden“ ist voraussichtlich bis Mitte Juli im Museum Koenig an der Adenauerallee 160 in der Cafeteria zu sehen. Drei weitere Ausstellungen wurden verlängert: „Groß, größer, Dinosaurier – Aus dem Labor der Gigantismus-Forscher“ (bis 18. April 2021); „Objektwelten als Kosmos – von  Alexander von Humboldt zum Netzwerk Bonner Wissenschaftssammlungen“ sowie „Die Küste – Trennlinie und Lebensraum“ (beide bis 23. August).