Telekom plant Milliardenfusion in den USA: Bonner wollen das Sagen haben

Telekom plant Milliardenfusion in den USA : Bonner wollen das Sagen haben

Der Konzern strebt einen Zusammenschluss von T-Mobile US mit dem Konkurrenten Sprint per Aktientausch an. Doch viele Rahmenbedinungen sind noch unklar.

Bei der Deutschen Telekom nimmt die Vorstellung über die Zukunft des US-Geschäftes konkrete Formen an. „Natürlich“ sei man in Diskussionen zu einer Kombination mit dem Rivalen Sprint, sagte T-Mobile-US-Finanzchef Braxton Carter vor zwei Wochen auf einer Investorenveranstaltung in Colorado Springs. Er sehe bedeutende Einsparmöglichkeiten durch einen möglichen Zusammenschluss.

Der Telekom strebt offenbar einen „Paperdeal“ an, bei dem die Unternehmen lediglich Aktien tauschen, berichtet das „Handelsblatt“. Bargeld fließt in einem solchen Fall nicht. Welchen Wert die Aktien haben sollen, die getauscht würden, ist unklar. Ein Beschluss des Aufsichtsrats für das Vorgehen liege noch nicht vor, da die politischen Gespräche noch nicht abgeschlossen seien. Eine offizielle Stellungnahme von der Telekom gab es am Mittwoch nicht: „An Spekulationen beteiligen wir uns nicht“, sagte ein Sprecher.

T-Mobile US hat sich durch offensive Marketingaktionen unter der Ägide von Chef John Legere zum drittgrößten Akteur auf dem US-Mobilfunkmarkt hochgearbeitet. Wettbewerber Sprint, der zur japanischen Softbank gehört, ist nur noch das viertgrößte Unternehmen und steckt in den roten Zahlen. Ein Zusammenschluss von Sprint und T-Mobile US könnte den Wettbewerb auf dem amerikanischen Markt verändern. Bislang sind dort Verizon Wireless und AT&T Marktführer.

Vor drei Jahren wollte Sprint die Übernahme von T-Mobile US stemmen. Das scheiterte aber an einem Veto der zuständigen Behörden. Derzeit gelten die Chance für eine Konsolidierung auf dem US-Mobilfunkmarkt als besser. Nach dem Regierungswechsel zu Präsident Donald Trump hat es auch bei der Telekom-Aufsichtsbehörde FCC einen Chefwechsel gegeben. Der Republikaner Ajit Pai spricht sich für eine weniger harte Hand bei der Regulierung aus. So will er Investitionen fördern. Zuvor hatten die Aufseher noch vier große Mobilfunker im Land bevorzugt.

"Wir sind in einer Position der Stärke"

Telekom-Chef Timotheus Höttges hatte bereits auf der Hauptversammlung des Konzerns Ende Mai klar gemacht, dass man die Zukunft der US-Tochter selbst gestalten will: „Wir sind in einer Position der Stärke. Wir entscheiden jetzt: was, wann und wie.“ Für Höttges befindet sich die Telekom in einer komfortablen Situation, was das US-Geschäft betrifft: „Wir haben unser Schicksal in der eigenen Hand.“ Durch die hohen Investitionen sei T-Mobile US nicht mehr auf Frequenzen anderer Anbieter angewiesen. Gespräche mit anderen Firmen seien „erlaubt und wahrscheinlich“.

Die Telekom hält 65 Prozent der Aktien von T-Mobile US. Durch einer Fusion des US-Ablegers mit Sprint würde ein Konzern mit einem Jahresumsatz von umgerechnet 70 Milliarden Euro entstehen – worauf etwa 34 Milliarden Euro auf T-Mobile US entfallen. Gemessen am Umsatz könnte es also auch ein Zusammenschluss unter Gleichen werden. An der Börse ist Sprint allerdings deutlich weniger wert als T-Mobile US. Ob Sprint bei einer Fusion die unternehmerische Führung abgeben würde, ist offen. Eine Mehrheit wäre für die Telekom wichtig, damit sie die Erträge weiter in der Bilanz konsolidieren kann.

Lob von Aktionärsvertreter

Unter Anlegern gilt die US-Strategie als zukunftsträchtig: „Chapeau“, sagte Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, dem General-Anzeiger. Durch die strategische Weitsicht von Höttges und Legere sei T-Mobile US in eine gute Marktposition gekommen. „Die Möglichkeiten sind vom Markt noch gar nicht vollständig erkannt“, so Tüngler. T-Mobile US habe bei der jüngsten Versteigerung sehr viel Mobilfunkspektrum hinzuerworben. Das werde dem Unternehmen erlauben, im harten US-Wettbewerbs noch viel mehr Muskeln zu zeigen als bisher.

„Im Nachhinein muss man Ron Sommer dankbar sein“, meinte der Aktionärsvertreter. Während Sommer Telekom-Chef war, hatte die Telekom im Jahr 2000 angekündigt, den US-Mobilfunker Voicestream zu übernehmen. Der Kaufpreis von 39,4 Milliarden Euro stand jahrelang als überhöht in der Kritik. Die dadurch ausgelöste hohe Verschuldung des Konzerns war einer der Gründe für den Rücktritt Sommers 2002.

In den vergangenen Jahren hatte Höttges immer wieder öffentlich erklärt, sich auf das Kerngeschäft in Europa fokussieren zu wollen. Unternehmensintern sprach man über den Verkauf der amerikanischen Tochter T-Mobile US – denn die Investitionserfordernisse waren hoch, die Erträge gering.

„Jetzt muss nur noch die US-Politik mitspielen“, sagt Tüngler. Höttges hatte auf der Hauptversammlung bereits ein Hauptargument geliefert: „Wir haben in den USA 45 000 Menschen in Lohn und Brot gebracht. Das ist sicher keine schlechte Botschaft im Sinne von America first.“