Verein sagt Ja zum Erpeler Tunnel

Verein sagt Ja zum Erpeler Tunnel

Mit einer gewichtigen Entscheidung konfrontierte der Vorstand des Erperler Kunst- und Kulturvereins "ad erpelle" kurz vor Weihnachten seine Mitglieder auf einer Sondersitzung.

Entweder der Verein kauft den Eisenbahntunnel unter der Erpeler Ley von der Bahn AG für einen Euro oder diese schließt das Bauwerk, in dem seit 2006 das Schauspiel "Die Brücke" aufgeführt wird, für alle Zeiten mit einem massiven Zaun.

Was sich zunächst wie eine lukrative Sache anhört, hat natürlich einen Pferdefuß. "Bei einer Begehung vor einigen Wochen konnte zwar kein akuter Sanierungsbedarf im Tunnel festgestellt werden, aber Mängel waren schon augenscheinlich", so der stellvertretende Vorsitzende, Gregor Noll, nachdem der Vorsitzende Edgar Neustein die "unendliche Geschichte" der Verhandlungen mit der Bahn hatte Revue passieren lassen.

Abplatzungen im Bereich des großen Eingangsportals, die durch Grünbewuchs noch gefördert werden, müssten über kurz oder lang beseitigt werden. Auch Arbeiten am Baumbestand über dem Tunnel stünden in einem zweiten Schritt an, um Nässe im Foyer zu vermeiden. Auf weitere Risiken machte der Baufachmann Werner Henneker aufmerksam. "Die Mörtelfugen der Tonnenwölbung sind rund 100 Jahre alt.

Da muss man mit Einbrüchen rechnen, wenn die Fugen nicht ausgebessert werden", warnte er. Außerdem sei bei so genannten "Ingenieur-Bauwerken" wie dem Tunnel alle sechs Jahre eine Haupt- und alle drei Jahre eine Sichtprüfung vorgeschrieben. "Alleine die Grundsanierung durch professionelle Kräfte wäre bei Kosten von rund 100 000 Euro für uns ohne Eigenleistungen nicht machbar", gestand Noll ein.

Allerdings käme der Verein auch bei einem Kaufverzicht nicht ganz ohne Kosten weg. "Wir haben ja schon 26 000 Euro in den Tunnel investiert. Nicht nur diese Summe wäre verloren, die Bahn besteht auch auf einen Rückbau der von uns erstellten Teile für die Aufführungen", so Kassierer Günter Marx. Die Frage, warum die Gemeinde, der die Bahn dieses Angebot Mitte des Jahres gemacht hatte, den Tunnel nicht gekauft hatte, konnten Bürgermeisterin Cilly Adenauer schnell erklären.

"Den einen Euro hätten wir ja noch aufbringen können. Aber für jede Sanierung müssten wir einen Kredit beantragen und der würde der hoch verschuldeten Gemeinde von der Kommunalaufsicht nie genehmigt", so die Orts-Chefin.

Für den symbolischen Kaufpreis bekäme der Verein auch das Gelände vor dem Tunneleingang von der Unterführung im Süden bis zur Bergstraße. Außerdem hat sich die Bahn AG bereit erklärt, für den Tunnelbesitzer ein Geh-, Fahr- und Leitungsrecht für das Grundstück am rückwärtigen Tunnelausgang in das Grundbuch eintragen zu lassen, so dass die Frage des Notausgangs bei Veranstaltungen problemlos geregelt wäre. Auch eine letzte Sicherheitsüberprüfung würde die Bahn AG durchführen lassen, die zudem Kosten für Vermessung und Grundbucheintragung tragen würde.

"Man darf den Kauf dieser geschichtsträchtigen Stätte zudem nicht allein unter dem Aspekt der Kosten sehen", so Marx. In den vergangenen fünf Jahren hätten allein 15 000 Theatergäste den Tunnel besucht, die Besucher, die bei Führungen in dem historischen Bauwerk waren, gar nicht eingerechnet.

Eine solche kulturelle Nutzung bekäme man eben nicht zum Null-Tarif und schon gar nicht ohne jegliches Risiko. Dieses, so der Vorsitzende Edgar Neustein, sei im Grunde relativ gering. Mit dem Kauf habe man die Chance, den über die Grenzen der Region bekannten Tunnel weiter für kulturelle und Veranstaltungen ohne die bisherigen Beeinträchtigungen hinsichtlich der in letzter Minute erteilten Erlaubnis zu nutzen. "Wenn wir dann irgendwann tatsächlich erkennen müssten, dass die Sanierungskosten nicht mehr zu stemmen sind, können wir den Tunnel immer noch mit einem massiven Zaun unzugänglich machen", führte der Vorsitzende aus. Die Mitglieder stimmten dann bei nur zwei Gegenstimmen und vier Enthaltungen für den Kauf des Eisenbahntunnels.

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