Museum für Angewandte Kunst in Köln: So kommt Ordnung ins Chaos

Museum für Angewandte Kunst in Köln : So kommt Ordnung ins Chaos

Auf den ersten Blick wirkt's banal: eine Burgerverpackung, Hocker, Stühle und Regale bekannter Marken, blecherne Rollcontainer oder eine Colaflasche - und mittendrin ein Smart mit dem Emblem der Firma car2go, wie man sie allerorten im Straßenverkehr sieht.

Doch all diese Alltagsgegenstände, die das Kölner Museum für Angewandte Kunst präsentiert, verbindet ein Plan: Unter dem Motto "System Design" zeigt Kurator René Spitz, wie seit mehr als 100 Jahren dem Chaos, dem Ungeordneten Tag für Tag beigekommen wird.

Wie dem nächtlichen Sternenhimmel, den Astronomen durch Verbindungslinien und den so entstehenden Sternbildern zu ordnen versuchten. Und während Kinder beim Spielen mit Bauklötzen immer wieder die Erfahrung machen, dass ihre Gebäude instabil bleiben, verleiht der "Noppen" der Lego-Steine dem Ganzen nicht nur Halt, sondern erweitert die Möglichkeiten der kleinen Baumeister. "Die Elemente werden temporär zusammengefügt", erklärt Spitz, "und können wieder auseinandergenommen werden." Ein Prinzip, dass sich so unter anderem auch bei Möbeln findet.

"Autonomes Objekt", "Reihe" und "Programm" sind dabei Kategorien, mit denen Spitz dem Wust begegnet. So ist die Colaflasche "autonom": Es gibt sie zwar millionenfach, aber sie funktioniert ganz allein, auch ohne den Inhalt, selbst in Scherben zersprungen repräsentiert sie die Marke. Ein Objekt in verschiedenen Größen anzufertigen, ergibt eine "Reihe", so bei den von Marcel Breuer für Thonet entworfenen Beistelltischen, die, einer kleiner als der andere, übereinanderstapelbar sind. Zum "Programm" wird die "Reihe", wenn zum Beispiel, wie bei Thonet geschehen, mit erkennbar gleichem Design andere Möbelstücke hergestellt werden.

Die Anordnung der Ausstellung über drei Ebenen wirkt manchmal etwas beliebig - warum werden Lego und Fischer-Technik meilenweit entfernt voneinander präsentiert - und bisweilen sogar etwas platt, etwa wenn ein Maschinengewehr der Marke Heckler & Koch direkt neben den "Richtlinien und Normen für die visuelle Gestaltung" der von Attentaten geprägten Olympischen Spiele von 1972 steht. Aber der Parcours durch unseren gegenwärtigen und gestrigen Alltag birgt jede Menge Überraschungen: U-Bahnpläne in aller Welt sehen heute gleich aus - und basieren auf Henry C. Becks Entwurf für die Londoner Tube aus dem Jahr 1931. Und Designer Hans Gugelot ist genauso mit seinen ikonenhaften Braun-Geräten wie dem Elektrorasierer im typischen Schwarz-Silber-Look vertreten wie mit den einheitlichen Getränkekästen. Das ist das System, Design mal wiedererkennbar, mal stapelbar. Aber: "Jedes neue System ist ein weiterer Beitrag zur Vergrößerung des Chaos", weiß René Spitz. Das kann jeder nachvollziehen, der schon mal versucht hat, Komponenten verschiedener Systeme miteinander zu kombinieren...

Bis 7. Juni, Di bis So, 11-17 Uhr, 1. So im Monat 10?17 Uhr, 1. Do im Monat 11?22 Uhr. Sonderöffnung bis Sonntag: 11?21 Uhr, in dieser Zeit ist der Eintritt frei. Katalog: 24,90 Euro.

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