Arp Museum im Bahnhof Rolandseck: Ein Jahr voller Freiräume

Arp Museum im Bahnhof Rolandseck : Ein Jahr voller Freiräume

Es soll das Jahr der Freiräume werden im Arp Museum. Direktor Oliver Kornhoff, der das Jahresprogramm am Donnerstag vorstellte, verbreitet mit gewohnt enthusiastischer Art Aufbruchstimmung, und zwar gleich in mehrerer Hinsicht.

Nach dem Themenjahr 2014, in dem sich das Ausstellungsangebot um "menschliche Dimensionen" drehte, wird der Blick nun geweitet und auf die Möglichkeiten statt auf die Begrenzungen scharf gestellt.

Noch gut vier Wochen läuft die sehenswerte Ausstellung der Kunstkammer Rau "Leibhaftig" mit Darstellungen des menschlichen Körpers zwischen Lust und Schmerz. Das Thema, zu dem auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit gehört, sei schwierig gewesen, sagt Kornhoff. Das machte sich auch in den Zahlen bemerkbar.

Mit 60.000 Besuchern insgesamt lag das Museum hinter den letzten Jahren zurück, aber das habe man bereits vorher einkalkuliert, sagte Kornhoff. Gleichzeitig sei die pädagogische Abteilung ausgebaut worden und habe mit rund 900 Führungen und museumspädagogischen Veranstaltungen, an denen 12 000 Besucher teilnahmen, einen neuen Spitzenwert erreicht.

Hieran wolle man auch im neuen Jahr anknüpfen und die Rolle des Museums als Bildungsinstitution ausbauen. Das passe außerdem wunderbar in das Themenjahr der Freiräume, findet Kornhoff. Denn im Museum könne man Fragen stellen, hier könnten Schüler "dumm sein ohne Angst vor Noten". Ein Beispiel für die neuen Freiräume 2015 ist aktuell bereits in der Ausstellung mit dem brasilianischen Künstler Ernesto Neto zu sehen und zu erleben. Bevor dann im März zwei Höhepunkte im Ausstellungsjahr des Arp Museums geplant sind, werden zum ersten Mal die 15 Stipendiaten des Künstlerhauses Schloss Balmoral ihre Arbeiten im Bahnhof Rolandseck zeigen.

Das Motto "o.T. (ohne Titel)" lässt größtmögliche Freiräume zu. Dann zeigt die Kunstkammer Rau mit der "Revolution der Bilder", wie sich die französische Malerei zwischen dem 17. und dem 20. Jahrhundert ihren Weg in die Moderne erkämpfte. Rund 50 Gemälde und Skulpturen belegen die Entwicklung hin zu einem neuen künstlerischen Selbstbewusstsein, das auch mit gesellschaftlichen Freiräumen einhergeht.

Die Ausstellung taugt zum Publikumsliebling, denn an großen Namen - von Poussin, Courbet und Dégas bis zu Renoir, van Gogh und Sisley - mangelt es nicht. Freuen darf man sich auch auf Mitte März, wenn das Museum den Blick auf seine beiden Hauspatrone und ein besonderes Jubiläum richtet.

1915 lernten sich Hans Arp und Sophie Taeuber in Zürich kennen und standen von nun an in engem künstlerischem Austausch, schließlich wurden sie auch ein Liebespaar. "Zweiklang" wird sowohl die Gemeinsamkeiten als auch die Unterschiede der beiden Künstler erkunden. Im April erinnert die Ausstellung "Des Königs Traum" an ein weiteres Jubiläum. Dann nämlich jährt sich die Inbesitznahme des Rheinlandes durch die Preußenkönige zum 200. Mal. König Friedrich Wilhelm IV., der die preußische Denkmalpflege im Rheinland entscheidend mitbestimmte, sowie die allgemeine romantische Begeisterung für das Mittelalter, stehen im Zentrum.

Nach den Preußen holt sich das Arp Museum ab Mitte Juni mit Bernard Schultze einen Meister des Informel ins Haus. Schultze wäre, schon wieder ein Jubiläum, 2015 einhundert Jahre alt geworden. Neben den wilden "Migofs" werden auch seine großformatigen, bis zu acht Meter langen Ölgemälde einen spektakulären Auftritt bekommen. Im Herbst folgt dann mit einer neuerlichen, der zehnten Präsentation der Kunstkammer Rau noch ein runder Geburtstag. Die Ausstellung "Liebenswürdig. Kinderleben zwischen Spiel und Realität" wird von behüteten Familien, vom Kriegsalltag vieler Kinder und sich verändernden Spielräumen erzählen.

Die Präsentation ist auch eine Hommage an den Humanisten und Kunstsammler Gustav Rau, der im ehemaligen Zaire, der heutigen Republik Kongo, ein Krankenhaus und eine Schule baute und dort als Arzt arbeitete.

Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Hans-Arp-Allee 1, Remagen, Di-So und an Feiertagen 11-18 Uhr. Am 18. Januar berichtet der Forensiker Mark Benecke um 16 Uhr in einer Dialogführung zur Ausstellung "Leibhaftig" über historische Folter- und Hinrichtungsmethoden.