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"Rhingdöchter" und ihre "Prachtkerle": Musik mit zwei Töchtern vom Rhein

"Rhingdöchter" und ihre "Prachtkerle" : Musik mit zwei Töchtern vom Rhein

Eigentlich ist ja "Himmel un Ääd" (Himmel und Erde) ein traditionelles, deftig-rheinisches Gericht, bestehend aus frischen gewürfelten und gekochten Kartoffeln und Äpfeln, das bereits seit dem 18. Jahrhundert bekannt ist. Deftig-rheinisch war dann auch das, was die "Rhingdöchter" (Rheintöchter) am Donnerstagabend dem Publikum im Haus Menden unter dem Titel "Himmel un Ääd" boten.

Allerdings nicht kulinarisch, sondern musikalisch - und vor allem textlich. Elke Schlimbach und Ruth Schiffer kredenzten den zahlreichen Zuhörern kölsche Lieder, die mal sentimental und mal komödiantisch daherkamen. Musikalische Unterstützung erhielten die "Rhingdöchter" von den "Prachtkerlen": Frank Hocker (Gitarre), Pete Haaser (Akkordeon, Keyboard) und Thomas Falke (Kontrabass).

Dabei dürfte vor allem Frank Hocker bekannt sein, der seit mehr als 30 Jahren zusammen mit Gerd Köster musiziert und für den Kölner Mick Jagger, wie Köster öfters genannt wird, bereits bei "Schroeders Roadshow" und "Piano has been drinking" in die Saiten griff. Am Donnerstagabend sorgte Hocker zusammen mit Haaser und Falke eindrucksvoll dafür, dass die "Rhingdöchter" für ihre gesanglichen Darbietungen auch die passende Musik geliefert bekamen. Mit kleinem Besteck, also nur mit Gitarre, Kontrabass und Keyboard, veredelten die Prachtkerle Schiffers und Schlimbachs Stücke und schufen eine wohlige akustische Atmosphäre für die Songs der beiden Damen.

"Es sind Lieder, die nicht nur das Leben feiern, sondern auch die dunklen Seiten beleuchten, die zum "Lachen und Weinen, aber auch zum Jammern und Träumen anregen", wie Ruth Schiffer sagt. Ob selbstverfasste Stücke oder Songs von Gerd Köster, Brings, LSE sowie kölsche Versionen von Burt Bacharachs Evergreens wie "Close to you" ("Noh bei Dir") - die "Rhingdöchter" erzeugten Atmosphäre und entführten die Zuhörer musikalisch und textlich in eine kölsche Gefühlswelt, die von Mundart und einer angenehmen Sentimentalität dominiert wurde, der man sich kaum entziehen konnte.

Für den einen oder anderen Gänsehaut-Moment dürften die "Rhingdöchter" allein mit den mit kölschen Texten versehenen Versionen von Klassikern wie "Nothing compares to you" von Sinead O'Connor oder Leonard Cohens "Hallelujah" gesorgt haben. Aber auch Humor gehört zu den "Rhingdöchtern". Mit "Dollgepoppt" nahmen sie zur Musik des 50er Jahre Pop-Ohrwurms "Lollipop" der US-amerikanischen A-capella-Girlgroup "The Chordettes" die sexuellen Verhaltensweisen mancher Frauen aus Nippes aufs Korn oder setzten sich später mit dem Sexismus auseinander, der sich nach Meinung der "Rhingdöchter" vor allem in der Gastronomie manifestiere, weil es dort weniger Toiletten für Frauen als für Männer gebe.

Zwar hatten sich die Wege der beiden Kölnerinnen Ruth Schiffer und Elke Schlimbach in den vergangenen Jahren bereits öfters gekreuzt, und zwar immer mit dem Hintergedanken: "Man müsste mal etwas zusammen machen." Es dauerte allerdings bis zum Frühjahr 2013, bis die beiden Frauen endlich Nägel mit Köpfen machten und zusammen mit den "Prachtkerlen" im Kölner Eltzhof erstmalig ihr "Himmel un Ääd"-Programm präsentierten. Nun bringen sie bereits die zweite Version ihres rheinischen Liederbands auf die Bühne und bleiben sich selbst dabei treu. Zwei Stunden lang unterhielten sie das Publikum vom Allerfeinsten. Dafür gab es dann am Ende vom Publikum auch reichlich Applaus.