Kommentar zur Bildung in Deutschland: Mehr Miteinander

Kommentar zur Bildung in Deutschland : Mehr Miteinander

Zum zweiten Mal in Folge gehen die Leistungen deutscher Schüler beim Pisa-Test zurück. Wenn die Entwicklung gedreht werden soll, braucht es mehr Miteinander, kommentiert GA-Redakteur Bernd Eyermann.

Vom Pisa-Schock war 2001 die Rede, nachdem die Schüler in Deutschland im internationalen Leistungsvergleich auf Platz 22 von 32 gekommen waren. Angesichts der nach unten zeigenden Leistungskurve wieder von einem Schock zu sprechen, wäre fehl am Platz. Dafür ist das Bildungsniveau noch hoch genug. Dennoch: Dass die Leistungen der Schüler beim Lesen, bei der Mathematik und den Naturwissenschaften zurückgegangen sind, muss Anlass zur Sorge sein.

Vor allem die negative Tendenz beim Lesen, das gern als Kernkompetenz für die gesamte Schulbildung bezeichnet wird, ist bedenklich. Wenn 34 Prozent der 15-Jährigen Lesen für Zeitverschwendung halten und nur 25 Prozent der Befragten Lesen als Hobby nennen, sagt das viel über eine Gesellschaft aus, in der die Freude am Lesen abgenommen hat. Dabei gibt es beim Lesen so viel zu entdecken. Bilder, die im Kopf entstehen, sind auch Jahrzehnte später noch abrufbar – und helfen zuweilen beim Verständnis komplexer Zusammenhänge.

Sigmar Gabriel hat dieser Tage gesagt, es werde zu wenig über Inhalte diskutiert. Recht hat er – nicht nur in der Politik, sondern in der ganzen Gesellschaft. Eine dieser Fragen liegt auf der Hand: Wie kann die Leselust wieder geweckt werden? Ob digital oder analog, ist da zweitrangig. Gute Ansätze gibt es: Das Käpt’n-Book-Lesefest in Bonn, ehrenamtliche Lesepaten in den Schulen, vorlesende Eltern und Großeltern. Aber erleben Kinder die Eltern auch einmal als Menschen, die die Zeitung oder ein Buch lesen? Vielleicht ist es ja auch dieses Vorbild, das wieder Schule machen kann.

Auch der politische Streit über die richtige Förderung jener Kinder und Jugendlichen, die aus sozial benachteiligten Elternhäusern kommen, ist nötig – angesichts der Tatsache, dass gerade in Deutschland die Herkunft immer noch viel zu sehr über den Bildungserfolg entscheidet. Wie können die Schüler außerhalb der wohlhabenderen Stadtteile besser gefördert werden? Wie gelingt es, Schüler aus bildungsferneren Familien besser mit jenen aus bildungsnäheren zu mischen, um gemeinsam zum Bildungserfolg zu kommen?

Natürlich muss auch die Diskussion erlaubt sein, wie die Bildung deutschlandweit besser verzahnt werden kann. Da ist die Absage zweier Länder an den nationalen Bildungsrat nicht hilfreich. Wenn die Entwicklung bei Pisa gedreht werden soll, braucht es die Erfahrung aus allen Ländern und vor allem mehr Mit- als Gegeneinander.

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