Respektrente ist Wort des Jahres

Kommentar zum Wort des Jahres : Vernebelungssprache aus der Politik

Das Wort des Jahres heißt „Respektrente“. Ein politischer Kampfbegriff macht eine kleine Karriere und erinnert an die Vernebelungssprache unserer Politiker.

Hat das Wort des Jahres „Respektrente“ die politische Debatte 2019 besonders geprägt? Eher nicht. Es ist eines dieser Wörter, die von parteigebundenen Kommunikationsexperten absichtsvoll geprägt werden, um etwaige Widerstände der Gegenseite schon im Keim zu ersticken. Was bitte soll denn irgendjemand gegen eine Rente haben, die auf einer respektheischenden Lebensleistung beruht? Und mit welchem Wort will er dagegen antreten?

Das macht man derzeit gern so im vom Bürgerfrust geplagten Regierungs-Berlin. Vor allem die Sozialdemokraten sind da ziemlich kreativ. Gute-Kita-Gesetz heißt das dann, und ob das alles so gut ist,  darf und muss sich jeder selbst zusammenreimen. So lullt die Politik auf ihre Weise das Wahlvolk ein und spart sich schwierige Debatten. Wer weggepennt ist, stellt ja keine Fragen mehr. Wer weggepennt ist, wählt aber auch leider nicht mehr die traditionsreiche SPD.

Wenn es der Gesellschaft für Deutsche Sprache darum gegangen wäre, mit der Wahl diese um sich greifende sprachliche Vernebelungstaktik zu beleuchten, ginge der Begriff in Ordnung. Aber zur Ironie neigt man bei Sprachwahrern ja eher nicht.

Wörter des Jahres hat es schon viele gegeben. Die meisten sind Jahre später vergessen und nicht mehr der Rede wert. So wird es der Respektrente voraussichtlich auch gehen. Das Wort hat in der Debatte um die Grundrente seine Schuldigkeit getan, jetzt haben seine Erfinder noch einen kleinen Orden bekommen. Dann dürfen wir das Wort auch  schon vergessen. Die Respektrente geht, die Kosten für die Grundrente bleiben. Und wer Politikersprech für tendenziell unehrlich hält, hat hier eine schöne Bestätigung. Danke, Gesellschaft für Deutsche Sprache, für diesen  freundlichen Hinweis.

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