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Alternatives Wohnkonzept: Wohngemeinschaft will Haus in der Nordstadt kaufen

Alternatives Wohnkonzept : Wohngemeinschaft will Haus in der Nordstadt kaufen

Eine Wohngemeinschaft in der Nordstadt möchte gemeinsam Eigentümer werden und drastische Kostensteigerungen verhindern. Sie orientieren sich an einem Projekt, das in Freiburg seinen Ursprung hat.

In Bonn herrscht, so wie in vielen Städten in Deutschland, großer Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Immer wieder kursieren neue Ideen, um das Problem zu beheben. In Berlin entspann sich daraus sogar eine Debatte um mögliche Enteignungen. Eine Bonner Wohngemeinschaft hat einen anderen Plan. Sie will das Haus in der Altstadt, in dem ihre neun Mitglieder derzeit zur Miete wohnen, kaufen und entprivatisieren. Dahinter steht ein Modell, das dafür sorgen soll, dass der Wohnraum langfristig günstig bleibt.

„Am Anfang waren wir größtenteils Studenten“, erzählt Rebecca Heinz, eine der Bewohner des Hauses in der Straße „Im Krausfeld“. Nun sind die meisten der neun Bewohner Berufseinsteiger. Was sie an der aktuellen Situation stört: „Veränderungen sind im normalen Mietverhältnis nicht möglich“, erklärt Mitbewohner Dennis Steinsik. Auch bestehe immer die latente Gefahr, dass das Haus an einen Investor verkauft werde, der dann die Mieten drastisch erhöhe. Deswegen recherchierten sie und stießen auf das Modell „Mietshäuser Syndikat“. Ihm wollen sie sich nun anschließen und dadurch entprivatisierten Wohnraum schaffen. Doch wie soll das gehen? Zumindest die Idee ist relativ einfach: Die Mieter eines Hauses gründen einen Hausverein. Dieser wiederum ruft eine GmbH ins Leben, deren Gesellschafter der Verein ist. Dann stößt ein zweiter Gesellschafter hinzu – das Syndikat, in welchem alle anderen Projekte, die nach diesem Modell arbeiten, organisiert sind.

So bleibt zwar alle Verantwortung beim Hausverein, also den Bewohnern; doch kann das Syndikat verhindern, dass die Mieten stark erhöht werden oder das Haus verkauft wird. Als Gesellschafter hat es in diesen Fragen ein Vetorecht.

Finanzierung über Direktkredite

Bleibt die Frage nach der Finanzierung. Hierzu trägt ein Bankkredit den größten Teil bei. Der Eigenanteil wird über Direktkredite finanziert, also über Geld, welches Menschen den Bewohnern leihen, die das Projekt unterstützen wollen. Getilgt werden die Kredite über die Mieteinnahmen, die nun aber eben nicht mehr an den Eigentümer, sondern an den Hausverein gezahlt werden. Sobald die Kredite abbezahlt sind, muss das Wohnprojekt einen erhöhten Solidarbeitrag an das Syndikat zahlen, welches damit neu entstehende Wohnprojekte unterstützt. Die Miete bleibt dadurch stabil und soll konstant 20 Prozent unter Mietspiegelniveau liegen.

Obwohl die Bonner WG noch nicht Mitglied im Syndikat ist, bekommt sie bereits Unterstützung in Form von Know-how, das ihm bereits etablierte Häuser liefern. Klappt alles, hofft die WG, so einen Mietraum geschaffen zu haben, der sich am Gemeinwohl orientiert.

Auch wollen sie das Haus energetisch sanieren. „Wir wollen bis 2025 emissionsneutral werden“, sagt Rebecca Heinz. Noch fehlt allerdings ein Teil des erforderlichen Eigenkapitals für das Projekt, dem der jetzige Eigentümer übrigens aufgeschlossen gegenübersteht, wie er dem General-Anzeiger auf Nachfrage bestätigte. Die WG hat sich selbst eine Frist gesetzt: Bis Sommer 2020 wollen sie die nötigen Direktkredite beisammen haben. Dann stünde dem alternativen Wohnprojekt in der Bonner Nordstadt zumindest rechnerisch kein Hindernis mehr im Wege.