Modellprojekt: Suchtkranke sollen in Bonn bei Straßenreinigung helfen

Modellprojekt : Suchtkranke sollen in Bonn bei Straßenreinigung helfen

Die Stadt startet mit dem Verein für Gefährdetenhilfe ein Modellprojekt zur Straßenreinigung. Drogensüchtige bekommen dabei für ihre Arbeit eine Aufwandsentschädigung und etwas zu Essen.

Die Finanzierung steht seit der letzten Ratssitzung: 2019 geht in Bonn das auf zwei Jahre geplante Modellprojekt „Bonner Feger“ an den Start. Der Rat der Stadt stellt für die Jahre 2019 und 2020 jeweils 45 900 Euro zur Verfügung. Träger des Projekts ist der Verein für Gefährdetenhilfe (VfG) Bonn. „Wir freuen uns sehr, dieses Herzensprojekt in Bonn angehen zu können“, erklärt VfG-Geschäftsführerin Nelly Grunwald. Ähnlich dem in der Stadt Essen bereits laufenden Programm „Pick-Up“ und dem „Kölner Feger“ sollen auch beim „Bonner Feger“ Drogensüchtige im fußläufigen Innenstadtbereich die bekannten Aufenthaltsorte der Drogen- und Obdachlosenszene sowie weitere belastete Orte säubern.

Möglichst sechs Projektteilnehmer sollen inklusive Vor- und Nachbesprechung werktags vier Stunden von 9 bis 13 Uhr tätig sein – allerdings auf freiwilliger Basis. Dafür sollen die „Bonner Feger“ eine Aufwandsentschädigung von einem Euro pro Stunde erhalten. „Jeder kann mitmachen. Wir planen, ihnen zu Beginn ein Frühstück und hernach ein Mittagessen zu bieten“, erläutert Grunwald. Der VfG stellt auf halber Stelle eine sozialpädagogisch anleitende Fachkraft, die das Projekt in der Bundesstadt begleitet.

Wer wiederum beim „Bonner Feger“ teilnehmen will, könne sich entweder selbst bei dessen Projektleiter bewerben oder aber von den Sozialarbeitern des Betreuungszentrums Quantiusstraße vorgeschlagen werden, erklärt Markus Schmitz vom Presseamt. Vor einer Aufnahme erfolge ein niedrigschwelliges Vorstellungsgespräch. Im Gegensatz zum „Kölner Feger“-Projekt müssen die Projektteilnehmer in Bonn nicht zum Klientel des Jobcenters gehören.

Arbeit beinhaltet die Reinigung von Plätzen

Die Beschäftigung besteht aus der Reinigung und Entmüllung öffentlicher Plätze. Die Teilnehmer werden vom Organisationsleiter sozialarbeiterisch betreut, und zwar mit dem Ziel, sie an das Suchthilfesystem anzubinden und ihnen weiterführende Hilfen anzubieten. Das Projekt wird zudem in Kooperation mit Bonnorange umgesetzt. Details der Kooperation wurden abgestimmt, so Schmitz. Zuletzt ging es um Fragen, welche Reinigungsutensilien bereitgestellt werden und wie der gesammelte Müll entsorgt wird. Außerdem musste regensichere Bekleidung zur Verfügung gestellt werden, ergänzt Grunwald und erklärt: „Die Leute sind ja bei Wind und Wetter unterwegs.“

Das Projekt biete Menschen, die bislang ihren Lebensalltag vorrangig auf der offenen Bonner Drogenszene verbringen, eine Tagesstruktur durch Beschäftigung, so Schmitz. Außerdem würden sie eine Qualifikation erhalten, die sie vielleicht später bei einem Reinigungsunternehmen vermittelbar mache, betont Nelly Grundwald vom VfG. So würden die Teilnehmer im Projekt auch Hygienestandards kennenlernen – wie sie zum Beispiel verantwortungsvoll mit herumliegenden Spritzen umgehen müssten und diese zu entsorgen seien. Gleichzeitig hoffe man mit dem Angebot, zu einer höheren Akzeptanz von Drogen konsumierenden Menschen im Stadtgebiet beitragen zu können, so Schmitz.

Mit dem Projekt werde sichtbar, dass Drogensüchtige es selbst in die Hand nehmen, Plätze, an denen sich in Bonn Randgruppen aufhalten, in Ordnung zu halten. Das könne das friedliche Miteinander zwischen Bürgern und Angehörigen von eben diesen Randgruppen fördern und zu mehr Sauberkeit und Ordnung an öffentlichen Orten führen. „Wir würden uns freuen, wenn sich dieser Einsatz in der Stadt herumspricht: Die Szene säubert selbst ihre Treffpunkte“, meint Grunwald.