Buddeln im Herzen Bonns: So sieht es auf der Baustelle am Bonner Loch aus

Buddeln im Herzen Bonns : So sieht es auf der Baustelle am Bonner Loch aus

Die Neubauten am Bonner Hauptbahnhof nehmen langsam Form an: Unter dem Nordfeld reißen Bauarbeiter für das Bauprojekt "Urban Soul" alte Bunkerwände ein. Die Stahltore bereiten ihnen dabei allerdings Probleme.

Den Baustaub durchdringen nur wenige Sonnenstrahlen. Das Atmen fällt schwer. Arbeiter klemmen Stützen zwischen Boden und Decke, um die Last des Bonner Lochs abzufangen. Oder eher dem, was davon übrig ist. Denn das Projekt Urban Soul, das am Bonner Hauptbahnhof entsteht, nimmt Formen an. Hinter dem Holzzaun, der die mehrere Tausend Quadratmeter große Baustelle vor Blicken und die Passanten vor Gefahren schützt, gibt es mittlerweile mehrere Bonner Löcher. An vielen Stellen ist die bis zu einen Meter dicke Betondecke aufgebrochen, um Platz für Treppenhäuser und Aufzüge zu schaffen.

„Wir begegnen ständig neuen Herausforderungen“, sagt der stellvertretende Bauleiter Alexander Schonert, der für Zechbau arbeitet und von den Projektentwicklern „die developer“ beauftragt wurde. Vom weißen Containerdorf, auf dessen Gelände später das Parkhaus entstehen soll, hat der 38-Jährige alles im Blick. Das tiefe Loch, aus dem das Hotel in Richtung Thomas-Mann-Straße herausragen wird, das gesamte Nordfeld bis hin zur Südüberbauung.

Schonert hat schon viele Großbaustellen betreut. Die in Bonn gilt unter Experten aber als besonders anspruchsvoll, was mehrere Gründe hat. „Einmal geht es hier natürlich um die Lage“, erklärt Schonert. Fünf Kräne schwenken mitten in der Stadt aus, während nur wenige Zentimeter vom Zaun entfernt der Verkehr fließt und Fußgänger mit ihren Einkäufen vorbeigehen. „Dann bauen wir auch noch im Bestand.“ Was nichts anderes heißt, als dass nicht einfach alles abgerissen und neu gebaut, sondern mit alten Bauten kombiniert wird. „Und schließlich ist da noch der Bunker.“ Der sei zwar ein gutes Fundament, müsse aber auch an die drei neuen Gebäude von Urban Soul und das künftige Maximilian-Center des Investors Ten Brinke angepasst werden.

Roboter sprengt den Beton

Dafür reißen Bagger mit speziellen Greifzangen die Betonwände ein, die U-Bahn-Station, Geschäfte und Tiefgarage jahrzehntelang vom Bonner Loch abgetrennt haben. Vom ehemaligen Parkplatz aus kann man durch mehrere Löcher hinunter in die Tiefgarage blicken. An den Rändern sprengt ein Roboter mit einem Höchstdruck-Wasserstrahl den Beton von den Stahlarmierungen. „So können wir sie ertüchtigen und neue anbringen“, erklärt Schonert.

260 Liter Wasser verbraucht die Maschine pro Minute, die permanent aus der Baugrube herausgepumpt werden müssen. Ein aufwendiges Verfahren, das allerdings einen entscheidenden Vorteil hat. „Vorher haben wir das weggestemmt, die Schläge hat man bis in die Nachbargebäude gespürt“, sagt Schonert. Der Wasserstrahl macht zwar auch Lärm – aber größtenteils auf der Baustelle.

Doch nicht nur der Bunkerbeton birgt Probleme. Auch die tonnenschweren Stahltore, die dazu gedacht waren, ihn zur Außenwelt abzuschirmen. Zwei von ihnen können auf keinen Fall unter der Erde bleiben, weil dort ein Aufzug entlangführen soll. „Wir wissen derzeit noch nicht genau, wie wir sie herausbekommen“, berichtet Schonert. Laut alten Bauplänen sollen die sechs mal vier Meter großen, mit Beton gefüllten Stahlkästen jeweils 21 Tonnen wiegen. Die Bauleitung rechnet vorsichtshalber mit 30 Tonnen, um keine „bösen Überraschungen“ zu erleben. Der bisherige Plan: Die Kolosse von oben freilegen und mit einem Autokran herausheben. Dafür müssen Experten aber erst Halterungen bauen, an denen die Tore befestigt werden können. Wenn alles gut geht, schweben sie im September über die Baustelle.

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