GA-Kolumne „Notizen aus Bonn“: Sie stritten nie alleine, der Zieten und der Fritz

GA-Kolumne „Notizen aus Bonn“ : Sie stritten nie alleine, der Zieten und der Fritz

Am Anfang der karnevalistischen Neuzeit standen die Preußen, ohne deren Besetzung des Rheinlands Anfang des 19. Jahrhunderts eine Reformierung der Jeckenzeit (auch im schönen Bonn) kaum möglich gewesen wäre.

An dieser Stelle sei der große Husarengeneral Hans Joachim von Zieten erwähnt, den der Alte Fritz, Preußenkönig im 18. Jahrhundert, sehr bewunderte. Sie nannten ihn „Zieten aus dem Busche“. Wer dabei an Narren in preußischen Soldatenuniformen denkt, die dieser Tage ihre Notdurft in Dornenhecken verrichten, liegt falsch. Zieten wurde wegen seiner überraschenden Schlachtstrategien so genannt, was Theodor Fontane mit den schönen Worten umschrieb: „Sie stritten nie alleine, der Zieten und der Fritz. Der Donner war der eine, der andre war der Blitz.“

An Weiberfastnacht war es nun ein Sturm oder vielmehr zunächst eine Sturmwarnung, die die Jecken bis zuletzt bange werden ließ, ob der Straßenkarneval auf die bewährte Art und Weise wird stattfinden können. Mit Blick auf mieses Wetter wirkt es sinnig, wenn der Philosophische Salon sich in Wohnzimmeratmosphäre passend zur Jahreszeit mit dem Thema „Das Lächerliche und das Komische“ beschäftigt.

Auf diesem schmalen Grat balancierte – um nicht zu sagen trampelte – der Verkehrsverbund Rhein-Sieg herum, als er verkündete, das vergleichsweise günstige Karnevalsticket für die tollen Tage sei nur für Internet- und Smartphonenutzer und nicht mehr am Automaten zu kaufen. Diese neue Form der Inklusion steht unter dem Motto „Jeck und weg“. Solch einen knackigen Titel braucht es heute aus marketingtechnischen Gründen zwingend, denn – nun selbst gedichtet in Manier eines Büttenredners: „Ohne Motto kauft es noch nicht mal ein Otto.“

Eine erfreuliche Nachricht verkündeten IHK und Einzelhandelsverband Anfang der Woche. Bei einer Befragung kam heraus, dass die Kunden die bönnsche City durchschnittlich mit der Note 2,2 bewerteten. Was wohl der alte Zieten dazu sagen würde? Nichts vermutlich, weil es ihm wurscht gewesen wäre. Aber der Rathaussturm an diesem Sonntag, der könnte das Schlitzohr schon reizen. Geduld hatte er ebenso viel wie die Stadtsoldaten. Bei Fontane heißt es dazu: „Joachim Hans von Zieten, Husarengeneral. Dem Feind die Stirne bieten, er tat’s wohl hundertmal.“

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