"Fit machen für den Beruf": Neue Schulleiterin am Robert-Wetzlar-Berufskolleg

"Fit machen für den Beruf" : Neue Schulleiterin am Robert-Wetzlar-Berufskolleg

Das haben nicht viele neue Schulleiter, dass sie ihr Kollegium bereits bestens kennen. Bei Birgit Hufnagel war das aber der Fall, als sie Anfang des Schuljahres die Leitung des Robert-Wetzlar-Berufskollegs an der Kölnstraße übernahm.

Denn die 56-Jährige ist bereits seit 1999 an dem Kolleg mit gut 2600 Schülern und 150 Lehrkräften tätig. Ihr Vorgänger Michael Petz hatte Hufnagel schon längst als seine Nachfolgerin im Blick, als er sie vor drei Jahren zur Stellvertreterin machte. "Das Thema Schulentwicklung hat mich immer sehr interessiert", erklärt die Lehrerin, die in Gießen Ökotrophologie und Biologie studiert hat und als Diplom-Berufsschullehrerin aufgrund eines Stellenwechsels ihres Mannes, einem Arzt, nach Bonn kam. Sie unterrichtete zunächst am Heinrich-Hertz-Berufskolleg und wechselte dann an das RWB.

Ihre Vision: "Ich wünsche mir eine Schule, wo das Lernen und Lehren Spaß macht. Wo wir vor allem mit neuen Methoden und Medien unterrichten können." Letzteres ist allerdings zurzeit noch ein Problem an ihrer Schule: "Wir haben in 22 Klassen keinen Internetanschluss", bedauert sie, "das ist natürlich hinderlich". Ob und wann die benötigten Anschlüsse gelegt werden, das hängt mit der Frage zusammen, wann die Gebäude grundsaniert werden können. Und da stehen die Chancen mit Blick auf die städtische Haushaltslage im Moment ganz und gar nicht gut, ist sich Hufnagel bewusst.

Ein weiteres Ziel ist für sie, dass die Schülerinnen und Schüler am RWB lernen, ihr Lernen selbst zu organisieren. "Das können viele nicht, wenn sie zu uns kommen", sagt sie. Und: "Ich will die Jugendlichen und jungen Erwachsenen fit machen für den Beruf und ihre sozialen Kompetenzen stärken." Dass sie bei dieser Aufgabe viel Unterstützung braucht, ist ihr klar. "Ich habe ein Kollegium, auf das ich bauen kann", sagt sie.

Wie an anderen Schulen auch, so lernen zurzeit auch viele Flüchtlingskinder am RWB. Sie kommen vorwiegend aus Syrien, anderen afrikanischen Ländern und dem Irak und sprechen meistens kein Deutsch. In drei sogenannten internationalen Förderklassen werden sie auf den normalen Schulbesuch vorbereitet, dafür bräuchte das RWB aber auch einen zusätzlichen Sozialarbeiter.

Bisher ist am RWB ein Sozialarbeiter auf einer Lehrerstelle in Vollzeit tätig. "Wir benötigen aber dringend einen zweiten, wir werden diesen Schülern mit all ihren Problemen sonst kaum gerecht", sagt die Schulleiterin, die ursprünglich Entwicklungshelferin werden wollte, seit vielen Jahren aber schon mit Leib und Seele als Pädagogin arbeitet. Die Mutter von drei inzwischen erwachsenen Töchtern lebt mit ihrer Familie in Meckenheim.