"Das Buch hat Zukunft": Bonner Buchhändler kämpfen gegen Amazon & Co.

"Das Buch hat Zukunft" : Bonner Buchhändler kämpfen gegen Amazon & Co.

Es ist kuschlig in der Leseecke der Buchhandlung "Büchergilde" in der Bonner Altstadt. Tee steht bereit, ein Ohrensessel lädt zum Schmökern ein. Inhaber Hartmut Löschcke steht mittendrin und sagt selbstbewusst: "Das Buch hat Zukunft."

Erstmals seit vielen Jahren gewinnt der stationäre Buchhandel, wenn auch nur leicht, gegen den Online-Handel. Woran liegt das? "In der Medienwelt gibt es viele Hypes. Im Moment scheinen sich die Kunden wieder neu zu orientieren", vermutet Löschcke. Er führt diese Veränderung auf verschiedene Dinge zurück. "Viele Leute sind Amazon gegenüber skeptisch geworden, weil sie über die Arbeitsbedingungen und Steuervorwürfe lesen", sagt Löschcke. Dass Amazon bis zum Morgen direkt nach Hause liefert, bringe immer selten einen Vorteil: Zu Hause sei man meist eh nicht, wenn die Post kommt. Abholstationen würden immer weiter ausgelagert - von der Altstadt etwa müsse man bis nach Endenich, um ein Paket abzuholen. "Wer bis sechs Uhr bei uns ein Buch bestellt, kann es am nächsten Morgen um zehn Uhr im Laden abholen", so Löschcke.

Zentraler Grund, der den lokalen Buchhändlern einen Vorteil bringt: Der wachsende Wunsch nach individueller Beratung. "Wir kennen die Kunden und fragen, ob das letzte Buch gefallen hat oder das Geschenk gut angekommen ist", sagt Marianne Giese von "Bücher Bosch" in Bad Godesberg. Neben der Pflege dieser Stammkundschaft, nutzt Löschcke die Gelegenheit, über Lesungen ein neues Publikum anzuziehen. Außerdem schaffe er kleine Produktnischen: "Ich biete zum Beispiel anspruchsvolle, künstlerisch-grafische Neuauflagen von Klassikern, die es bei Amazon nicht gibt."

Dem Internet ganz fern bleiben wollen die kleinen Buchhandlungen aber nicht. Online bestellen, im Buchladen abholen: Dieses Konzept verfolgen kleine Buchhandlungen wie "Bücher Bosch", aber auch Marktführer Thalia. "Wir hoffen, dass es noch mehr wird", sagt Marianne Giese. Bisher macht der Online-Verkauf nur einen marginalen Teil des Umsatzes aus. Auch Innovationen sind auf dem Markt. So ist die "Büchergilde" Teil des Internetportals "geniallokal". Das Prinzip der Internetseite für lokale Buchhändler: Buchtitel eingeben, Buchhandlungen in der Nähe finden, über die Seite das Buch reservieren und später abholen. "Das könnte eine Kleinkonkurrenz zu Amazon werden", sagt Löschcke.

Auch E-Books spielen für die kleineren Buchhandlungen eine Rolle - auch wenn es "bei mir nicht forciert" wird, so Löschcke. Großbuchhandlung Thalia dagegen setze den Schwerpunkt zwar auf den stationären Handel, hat im Bereich der E-Reader aber ein eigenes Modell herausgebracht. "Kunden schätzen es, die tolino-Geräte im Laden ausprobieren zu können", sagt Thalia-Pressesprecherin Julia Hattrup. Der persönliche Kontakt - er scheint Quelle der steigenden Umsätze zu sein, die Thalia nach eigenen Angaben "deutlich steigern" konnte, und genutzt hat, um die "marktführende Position" auszubauen. Obwohl 90 Prozent der Buchhandlungen kleine, inhabergeführte Läden sind, generieren Thalia, Hugendubel und Co. zwei Drittel des Umsatzes im Buchhandel.

Wenn Löschcke in die Zukunft blickt, dann sieht er dort weiterhin das gedruckte Buch. "Eine völlige Digitalisierung kann ich mir einfach nicht vorstellen", sagt er. Diesen Eindruck bestätigt auch Thalia: "Ein E-Reader bietet sich zum Beispiel im Urlaub an - aber zu Hause auf dem Sofa ist neben dem E-Reader weiter das analoge Buch gefragt."