Interkulturelle Wochen: Gemeinsames Gebet für den Frieden

Interkulturelle Wochen : Gemeinsames Gebet für den Frieden

Vertreter verschiedenster Religionsgemeinschaften treffen sich im Rathaus

Die Vielfalt der Religionen als einen Reichtum unserer Kultur erlebbar zu machen, war das Ziel der Veranstaltung "Gebet(e) der Religionen", die im Rahmen der bundesweiten Interkulturellen Wochen unter dem Motto "Friede sei mit Dir" im Gobelinsaal des Alten Rathauses stattfand.

Bürgermeister Reinhard Limbach unterstrich in seiner Begrüßung, dass angesichts einer immer stärker werdenden Abgrenzungstendenz in unserer Gesellschaft und eines "zum Teil ausufernden Hasses auf alles Fremde" das Leitmotiv "Friede sei mit Dir" gut gewählt sei.

Paul Köppler vom Rat der Religionen sah in der Veranstaltung auch eine Unterstützung des Bürgermeisters in seiner "wichtigen Arbeit der Zusammenführung der Religionen".

Michael Schmiedel, in Bonn studierter und in Bielefeld lehrender Religionswissenschaftler, bat die rund 100 angemeldeten Besucher in dem festlichen Repräsentationsraum, die auf den Stühlen verteilten Gebetstexte möglichst liegen und die Gebete und Texte der Vortragenden auf sich wirken zu lassen.

"Alle mir bekannten Religionen haben gemeinsam", so Schmiedel am Rande des Treffens zum GA, "dass sie eine Beziehung zu einem höheren Wert darstellen." Religion sei vor allem auch die Möglichkeit, für die eigene Sterblichkeit einen Weg zu finden.

Und dieser Weg sei bei allen Religionen unterschiedlich. Die meisten Religionsgemeinschaften beharrten jedoch darauf, den einzig richtigen Weg zu kennen. "Und dann gibt es Streit", so der in Bonn promovierte Moderator der Veranstaltung.

Mit dem Anstimmen des Friedensliedes "Hevenu Shalom Alechem" (Wir wollen Frieden für alle) eröffnete Marina Fedorava von der Bonner Synagogengemeinde den Reigen der Religionsgemeinschaften mit der ältesten bekannten Religion, dem Judentum.

"Wir müssen uns mit unseren Mitmenschen und sogar mit unseren Feinden versöhnen, um den gelobten Frieden zu erreichen", erklärte sie den Hintergrund des gemeinsam gesungenen jüdischen Volkslieds, das die Sehnsucht nach Frieden ausdrückt.

Weniger als Gebet, vielmehr als eine Betrachtung zitierte der Buddhist Werner Wiegmann den Zen-Meister Thich Nhat Hanh: "Frieden wird nur dann Realität werden, wenn die Führer der Welt in Verhandlungen eintreten mit der Fähigkeit, das Leiden und die Schwierigkeiten ihres Gegenübers wahrzunehmen und anzuhören."

Christliche Ökumene demonstrierten die Katholikin Brigitte Schmidt und der evangelische Pfarrer Dirk Voss mit einem responsorisch vorgetragenen Friedensgebet: "Gott gib uns ein reines Herz, das versteht, was Frieden bedeutet."

Aziz Fooladvand zitierte auf Arabisch und Deutsch aus dem Koran (2:256): "Oh Herr, lass uns fest daran glauben: Es gibt keinen Zwang in der Religion. Und gib uns die Kraft, uns für Religions- und Meinungsfreiheit einzusetzen (...)." Dass Gott die Menschen zum Werkzeug des Friedens machen solle, betete Lioba von Lovenberg von den Quäkern, "denn in uns allen ist etwas von Gott".

Ganz und gar nicht selbstverständlich sei das Zusammentreffen der Religionen im Alten Rathaus, freute sich Helia Daubach von der jüngsten Religionsgemeinschaft, der Bonner Bahá'í-Gemeinde. So hatte auch ihr Gebet zum Inhalt, dass alle Religionen in Einklang kommen und die Völker sich vereinen sollten.

Bevor Vortragende und Besucher miteinander ins Gespräch kamen, sprach Christina Partuschke von Universal Peace Federation (UPF) ein "Gebet für alle nicht anwesenden Religionen" in dem sie die Antwort dafür suchte, warum "es uns trotz allen Fortschritts in Wissenschaft und Technologie und allen Reichtums auf der Erde nicht gelingt, in Frieden miteinander zu leben."