Wie Hunde ihr Herrchen entlarven: Hundetrainer Martin Rütter besucht die Uni Bonn

Wie Hunde ihr Herrchen entlarven : Hundetrainer Martin Rütter besucht die Uni Bonn

Der Tiertrainer Martin Rütter diskutiert an der Uni Bonn mit Experten über die kognitiven Fähigkeiten von Tieren. Unter anderem, ob sie zählen können.

Der Name zieht: Martin Rütter sorgte wieder einmal für einen vollen Saal. Diesmal war es die Aula der Bonner Uni, in der der bundesweit bekannte Hundetrainer an einer von der TV-Moderatorin Diana Eichhorn geleiteten Diskussionsrunde über die kognitiven Fähigkeiten von Tieren teilnahm. Während die Uni im dritten Quartal ihres Jubiläumsjahres zum 200-jährigen Bestehen die Welt der Zahlen aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, lenkte auch die Diskussionsrunde den Fokus auf die Welt der Zahlen und ging unter anderem der Frage nach, ob Tiere rechnen können.

Vor mehr als 100 Jahren war man sich dessen sicher, als auf einem Jahrmarkt ein Pferd präsentiert wurde, das anscheinend den Umgang mit Zahlen beherrschte. Bei der Fragestellung „Was ist 2+2?“ scharrte das Pferd viermal mit den Hufen. Die Aufgabe 10:5 löste das Pferd, indem es zweimal scharrte. Konnte das Pferd rechnen? Nein, sagt Professor Horst Bleckmann vom Institut für Zoologie der Uni Bonn. „Rechenfähigkeiten von Tieren sind eher bescheiden.“ Statt zu rechnen hatte das trainierte Pferd lediglich anhand des Gesichtsausdrucks des Fragestellers erkannt, wie oft es mit den Hufen scharren sollte. Das zeige, dass die Kommunikation zwischen Mensch und Tier über Gesichtsausdrücke sehr gut funktionieren könne.

Hunde können Mimik gut interpretieren

Hunde können Rütter zufolge Mimik und Körpersprache besonders gut interpretieren. „Ich saß im Büro und griff in Richtung einer Schublade, in der ich alles Mögliche liegen habe. Ich dachte darüber nach, ein Leckerchen für meinen Hund herauszuholen. Und obwohl ich ständig verschiedene Sachen aus der Schublade nahm, hatte mein Hund schon beim Griff zur Schublade an meinem Gesichtsausdruck erkannt, was ich herausholen wollte“, erzählte er. Hunde könnten durch Beobachtung wesentlich bessere Schlüsse ziehen als Menschen, die nach Ansicht Rütters verlernt hätten, genau hinzuschauen. Dabei sei die erste Form der Kommunikation immer visuell. „Menschen sind heute so sehr mit WhatsApp beschäftigt, dass sie verlernt haben, sich auf die wesentliche Kommunikation zu konzentrieren.“

Bei der Kommunikation mit Tieren spiele die Gesichtsmimik eine große Rolle. „95 Prozent der Kommunikation läuft über Körpersprache“, sagt Rütter. Doch nicht bei allen Tieren gehe das so gut wie bei Hunden. „Affen können dem Blick des Menschen folgen, aber nichts damit anfangen“, erklärte Vanessa Schmitt, die im Zoo Heidelberg an Affen kognitive Fähigkeiten testet. „Dabei arbeiten wir mit einem Touchscreen-System.“ Neben tierischer Intelligenz und Kommunikation hatten sich die Podiumsteilnehmer auch des Themas Empathie angenommen. Dabei kamen sie zu der Erkenntnis, dass Tiere nicht wirklich hilfsbereit sind, sondern nur dann einschreiten, wenn es zum eigenen Vorteil ist.

„Tiere helfen grundsätzlich nur nahe verwandten Tieren, denn es zahlt sich für die Gene aus, wenn Verwandte sich unterstützen“, erklärte Bleckmann. Rütter hingegen zweifelte daran, dass es tatsächlich immer nur um den biologischen Vorteil geht: „Mein Hund vertreibt Katzen, aber die Katze, die bei uns am Hof lebt, hat mein Hund schon verteidigt. Das ist doch artenübergreifende Empathie!“

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