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Drogenschulden als Motiv: Bonner Supermarkträuber zu Haftstrafen verurteilt

Drogenschulden als Motiv : Bonner Supermarkträuber zu Haftstrafen verurteilt

Teils lange Haftstrafen müssen drei junge Räuber verbüßen, die Supermärkte in Königswinter und Bad Godesberg überfielen. Zwei weitere Täter sollen zunächst psychiatrisch begutachtet werden.

Wegen zweier Überfälle auf Edeka-Märkte in Königswinter-Oberdollendorf und Bad Godesberg sind drei Beteiligte am Mittwoch vor der Bonner Jugendstrafkammer verurteilt worden. Damit ging der erste Teil des Verfahrens zu Ende. Den Prozess der beiden 23- und 29-jährigen Mitangeklagten hatte die Kammer abgetrennt: Hier soll zunächst ein psychiatrisches Gutachten angefertigt werden, mit dem eine mögliche verminderte Schuldfähigkeit geprüft werden soll.

Wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung und besonders schweren Raubes wurden die drei 20 Jahre alten Angeklagten zu Jugendstrafen von zweieinhalb, anderthalb sowie dreieinhalb Jahren verurteilt; die anderthalbjährige Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Das relativ hohe Strafmaß von dreieinhalb Jahren resultiere daraus, dass der Angeklagte „grandios rückfällig geworden“ sei, sagte der Vorsitzende Richter Volker Kunkel bei der Urteilsbegründung. In das Urteil sei eine weitgehend abgesessene Jugendstrafe von einem Jahr und sieben Monaten für ein anderes Vergehen bereits eingerechnet.

Dealer ging leer aus: Duo konsumierte Kokain selbst

Alles hatte im Februar damit angefangen, dass die beiden Älteren Kokain für 2000 Euro von einem Dealer gekauft hatten. Das Rauschgift sollte eigentlich weiterverkauft und mit dem Erlös auch der Verkäufer bezahlt werden. Da die zwei den Stoff aber selbst konsumierten, fehlte ihnen das Geld, ihren Lieferanten zu bezahlen. Kurzerhand entschloss sich das Duo, das Geld durch einen Überfall zu beschaffen. Zwei weitere Mittäter waren schnell akquiriert: Einer schuldete einem der beiden verhinderten Dealer Geld und sollte mit Schuldenerlass belohnt werden, dem anderen versprach man einen Teil der Beute.

Den Tatort wählte das Quartett dann eher nach dem Zufallsprinzip aus. Da der ursprünglich avisierte Supermarkt in Bad Godesberg schon geschlossen hatte, recherchierten die Täter Öffnungszeiten und wählten den Markt in Oberdollendorf aus. Dort bedrohten die beiden 23- und 29-Jährigen die Kassiererin mit einem Revolver und einer Axt und flüchteten mit einer Beute von 2390 Euro. Der bereits straffällig gewordene 20-Jährige wartete im Eingangsbereich mit einem Messer, das er allerdings unter seiner Kleidung verbarg. Der nun auf Bewährung Verurteilte sicherte die Aktion derweil aus dem Fluchtwagen.

Neuer Komplize stürmte Markt mit Machete

Nach der Tat zahlten die Initiatoren zunächst ihren Dealer aus, den Rest der Beute von 390 Euro behielt der 29-Jährige. Der Bekannte, dem man einen Anteil versprochen hatte, ging zunächst leer aus. Nach einer wilden Nacht mit Alkohol, Drogen und einem Bordellbesuch wurde ein weiterer Überfall geplant, an dem sich der Bekannte, dem man den Schuldenerlass versprochen hatte, aber nicht mehr beteiligen wollte.

Er wartete beim Überfall in Godesberg zwar im Wagen, wurde aber wegen Nichtbeteiligung in diesem Teil der Anklage freigesprochen. Dafür war aber ein weiterer Mann zu der Gruppe gestoßen: Mit ihm raubten sie gerade einmal 13 Stunden nach dem ersten Überfall den am Vorabend geschlossenen Markt in Bad Godesberg aus. Als Größter der Gruppe bewaffnete sich der neue Komplize mit einer Machete, wofür ihn die Kammer nun zu zweieinhalb Jahren Jugendstrafe verurteilte.