Tempo 30 auf der Reuterstraße: Die wichtigsten Fragen zum Luftreinhalteplan für Bonn

Tempo 30 auf der Reuterstraße : Die wichtigsten Fragen zum Luftreinhalteplan für Bonn

Es tobt ein munteres Für und Wider zum geplanten Tempolimit auf der Reuterstraße. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, weitere Maßnahmen sind geplant. Ein Überblick.

Die Wogen schlagen hoch, nachdem die Bezirksregierung Köln am Mittwochabend die überarbeitete Fassung des Luftreinhalteplans für Bonn vorgelegt hat: Ohne Fahrverbote, aber mit Einschränkungen für alle Autofahrer auf der Reuterstraße.

Auf der Reuterstraße zwischen der Autobahn 565/Botanischer Garten bis zum Bonner Talweg soll künftig Tempo 30 gelten. Das Tempolimit gehört zu einem Bündel an Maßnahmen, um die Grenzwerte für Stickstoffdioxid in Bonn künftig einzuhalten und damit Fahrverbote zu umgehen. Die hatte das Verwaltungsgericht Köln im April auf eine Klage der Deutschen Umwelthilfe für die Reuterstraße und die Straße Belderberg verhängt.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, weil das Land NRW Berufung eingelegt hat. Das Oberverwaltungsgericht Münster wird nun befinden müssen, ob die überarbeitete Fassung des Luftreinhalteplans ohne Fahrverbote auskommt.

Zu den Maßnahmen, zu denen auch neue Hinweisschilder auf der A 565, die Umrüstung von 77 SWB-Bussen mit SCRT-Filtern bis Ende 2019 sowie der Austausch der Flotte durch E-Busse zählen, stellen sich einige Fragen:

Warum gilt trotz Inkrafttretens des neuen Luftreinhalteplans am Donnerstag noch kein Tempo 30 auf der Reuterstraße?

Laut Vanessa Nolte von der Bezirksregierung ist es nicht zwingend vorgeschrieben, umgehend die Beschilderung aufzustellen. Diese Maßnahme ist Teil einer Gesamtpakets, zu dem auch eine neue Beschilderung auf der Autobahn 565 gehört – für den Autoverkehr sowohl aus Richtung Norden und auch aus Süden kommend. Hierzu finden, so Nolte, aktuell letzte klärende Gespräche zwischen dem Verkehrsministerium, Straßen.NRW und der Stadt Bonn statt.

Wie soll die neue Beschilderung auf der Autobahn 565 aussehen?

Der Verkehr auf der A565 aus Köln kommend soll ab dem Kreuz Bonn-Nord-Ost auf die A 59 Richtung Königswinter und über die Südbrücke (A562) in Richtung Bad Godesberg gelenkt werden. Der auf der A 555 aus Norden kommende Verkehr wird ebenfalls über die Nordbrücke zum Kreuz Nord-Ost und dann über die Südbrücke gen Bad Godesberg geführt.

Wer aus Richtung Koblenz über die A565 nach Bad Godesberg will, soll entsprechend der neuen Beschilderung nicht mehr über die Abfahrt Poppelsdorf zur Reuterstraße, sondern den Weg über Nordbrücke und Südbrücke nehmen. Es geht vor allem darum, Ortsunkundige großräumig umzuleiten. Das soll den Verkehr auf der Reuterstraße reduziert, um dort einen gleichmäßigen Verkehrsfluss bei Tempo 30 möglich zu machen.

Führt Tempo 30 nicht zu einem höheren Schadstoffausstoß, weil die Fahrzeuge mit höheren Drehzahlen und häufigeren Beschleunigungen unterwegs sind?

Laut Umweltbundesamt besagen allgemeine Erkenntnisse, dass Schadstoffbelastungen bei gleichmäßigem Verkehrsfluss sinken. Die wenigen, empirischen Untersuchungen zeigten insgesamt eine leichte Abnahme der Luftschadstoffbelastung nach der Einführung von Tempo 30. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass auch die Qualität des Verkehrsflusses einen großen Einfluss auf die Luftschadstoffbelastung hat.

Das Fazit des Umweltbundesamtes lautet: Tempo 30 reduziert die Luftschadstoffbelastung, wenn es gelingt, die Qualität des Verkehrsflusses beizubehalten oder zu verbessern.

Im Luftreinhalteplan ist auch die Rede von einer Zuflussdosierung des Verkehrs zur Reuterstraße über eine sogenannte Pförtnerung. Was ist damit gemeint?

Für den Verkehr aus Richtung Norden soll an der Autobahnabfahrt Poppelsdorf in Richtung Reuterstraße geprüft werden, ob eine Pförtnerung durch eine verkehrsabhängige Ampel eingerichtet. Nach Angaben von Vanessa Nolte werde diese Maßnahme aktuell geprüft und sei daher noch nicht verbindlich.

Sind die Stadtwerke Bonn in der Lage, 77 Dieselbusse bis Ende des Jahres umzurüsten?

SWB-Sprecherin Veronika John zufolge werden die Stadtwerke das Ziel erreichen und 77 Dieselbusse bis Ende 2019 nachrüsten. Hinsichtlich der Umstellung der Flotte auf E-Busse sind bisher sieben Fahrzeuge ausgeschrieben; die Auftragsvergabe erfolgt voraussichtlich in diesem Herbst.

Von den im Zuge von Lead-City eingeführten Fahrscheinen für 365 Euro im Jahr (gültig nur im Bonner Stadtgebiet) wurden mit Stand August 5535 verkauft.

Was sagt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) zum Luftreinhalteplan?

Dorothee Saar ist bei der DUH zuständig für Verkehr und Luftreinhaltung und ist skeptisch, dass die Reduzierung der Stickstoffdioxide vor allem an der Reuterstraße ohne Fahrverbot überhaupt möglich ist. Die DUH hat für die Straße eine Umweltspur gefordert, sagt sie. Die DHU will aber zunächst das OVG-Urteil abwarten. Ein Termin steht noch nicht fest.

(Dieses Video gehört zu einer Kooperation von GA und WDR.)

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