Kommentar zur Reuterstraße: Die Zeit wird knapp

Kommentar zur Reuterstraße : Die Zeit wird knapp

Die Luftbelastung muss schnell sinken. Ob das bis 2020 gelingt, daran darf man Zweifel haben, kommentiert GA-Redakteur Andreas Baumann.

Ob das reicht? Um das drohende Fahrverbot für Diesel und alte Benziner auf der Reuterstraße zu verhindern, hat die Stadt zusammen mit der Bezirksregierung ein Maßnahmenpaket geschnürt, das den Ausstoß von Stickstoffdioxid unter den zulässigen Grenzwert drücken soll. Die Kölner Aufsichtsbehörde hält ein Fahrverbot deshalb für unnötig. Entscheidend wird aber sein, ob die Maßnahmen die Richter am Oberverwaltungsgericht in Münster überzeugen. Dort ist die Klage der Deutschen Umwelthilfe anhängig, die am Kölner Verwaltungsgericht bereits gesiegt hat.

Für die Richter der zweiten Instanz spielt jetzt der Zeitfaktor eine große Rolle: Denn die Luftbelastung muss schnell sinken – bis 2020. Und genau daran darf man Zweifel haben. Schön und gut, dass Ortsunkundige mit neuen Autobahnschildern weiträumig umgeleitet und von der Reuterstraße ferngehalten werden sollen. Die Frage ist allerdings, wie lange es dauert, bis das zuständige Land NRW diese Schilder aufgestellt hat – und wie viele Autofahrer sich davon wirklich lenken lassen. Die meisten, die im stauträchtigen Berufsverkehr auf der Reuterstraße unterwegs sind, dürften keine Ortsunkundigen, sondern Pendler, Lieferanten und hiesige Handwerker sein.

Pförtnerampeln, die den Zufluss von der Autobahn auf Bonns wichtigste Innenstadtachse drosseln, sind am Ende das einzige Mittel, den Verkehr auf der Reuterstraße wirksam zu reduzieren. Nur dann – wenn die Autos ohne Stau rollen – kann das geplante Tempolimit von 30 Stundenkilometer nach Einschätzung von Experten einen positiven Effekt auf den Schadstoffausstoß haben. Der Nachteil von Pförtnerampeln: Sie könnten Staus auf der A 565 verursachen, auf der wegen der anstehenden Bauarbeiten sowieso schon Chaos droht.

Ein weiterer Punkt im neuen Luftreinhalteplan, den Bonn den Richtern vorzulegen hat, ist die Umrüstung der Stadtwerke-Busse auf Elektroantrieb. Auch da ist die Zeit ein kritischer Faktor. Auf dem Anbietermarkt sind solche Busse in ausreichender Qualität gar nicht so leicht zu bekommen. Dass die Stadtwerke in diesem Jahr nur sieben E-Busse ausschreiben, lässt erahnen, wie viel Wasser noch den Rhein hinunterfließt, bevor die ganze SWB-Flotte ökologisch sauber durch Bonn fährt.

(Dieses Video gehört zu einer Kooperation von GA und WDR.)

Mehr von GA BONN