Zukunft des Vereins: Bogenschützen bangen um Platz am Wasserland

Zukunft des Vereins : Bogenschützen bangen um Platz am Wasserland

Die Stadtwerke Bonn wollen das Wasserland-Grundstück, auf dem der Bonner Bogenschützenclub trainiert, weiterhin vermarkten. Die Sportler suchen nach Alternativen.

Ein Idyll – treffender kann man das Areal, das die Bonner Bogenschützen seit den 1980er Jahren gepachtet haben, kaum beschreiben. Eine Sportlerin hebt die Arme, spannt die Sehne ihres Bogens und mit einem Surren schnellt der Pfeil durch die Luft und findet sein Ziel. Hinter den fest installierten Zielscheiben verlaufen dichte Büsche. Mehrere hundert Meter von den Bogenschützen entfernt tangieren Züge der Deutschen Bahn den Ortsteil Dottendorf. Parallel führt ein Radweg. „Aber hier muss sich niemand sorgen machen. Unsere Sportart ist an strenge Auflagen gebunden. Selbst wenn einer der Schützen das Ziel verfehlt, kommen die Pfeile spätestens in den Büschen runter“, sagt Ralf Weller. Zumal die Sportschützen vor ihren Trainingseinheiten freitags und samstags den gesamten Platz abgehen, um sicher zu gehen, dass sich dort keine Unbefugten befinden. Der Vorsitzende des Bonner Bogenschützenclubs 1965 hat andere Sorgen. Die Pachtverträge mit den Stadtwerken Bonn (SWB) und der Stadt, deren Grundstücke die Bogenschützen nutzen, waren bereits gekündigt, weil das neue Wasserlandbad dort entstehen sollte. Von der Kündigung haben beide Verpächter nach dem erfolgreichen Bürgerentscheid Abstand genommen. Aber die Ungewissheit, ob es nahe dem Heizkraftwerk Süd für den Verein weitergehen kann, liegt weiterhin in der Luft.

Denn im Grundsatz hatten die SWB stets betont, dass sie Grundstücke, die sie auf lange Sicht nicht benötigen, wirtschaftlich nutzen wollen oder wirtschaftlich nutzbar machen wollen. „Wir haben einen grundsätzlichen Auftrag, unsere nicht betriebsnotwendigen Grundstücke in Wert zu setzen. Derzeit gibt es noch keine konkreten Überlegungen hinsichtlich des Areals. Wir prüfen in den nächsten Wochen die Sachlage“, erklärt SWB-Sprecher Michael Henseler auf Nachfrage. Bis zum Abschluss dieser Prüfungen und je nach Anschlussnutzung darüber hinaus könnten die Bogenschützen bleiben. Die Stadt habe nach dem Bürgerentscheid zum jetzigen Zeitpunkt ebenfalls keine konkreten Pläne mit ihrem Teil des Grundstücks, teilte Isabel Klotz aus dem Presseamt mit.

Im Raum steht auch die Frage, ob das Idyll in Dottendorf mit seinem Naturraum nicht weiterhin bestehen kann. Bei der Planung am Wasserland hatten Gutachter keinerlei Bedenken, dass die Auswirkungen von Rodungen einerseits und dem Bau des Bades andererseits vertretbar gewesen wären. Ralf Euskirchen aus dem Vorstand der Bogenschützen sieht das anders: „Es ist schon eine erstaunliche Vielfalt an Flora und Fauna, die hier zusammen trifft.“ Und er betont die Bedeutung als Frischluftschneise für die Stadt. Alleine ist er mit dieser Einschätzung nicht.

Die Kreisgruppe Bonn des BUND forderte im August, dass das Wasserland-Baugebiet nicht bebaut wird, damit das Gebiet am Heizkraftwerk Süd ein „wertvoller Lebensraum“ bleibt. Aus Sicht des BUND sei der Baumbestand Teil eines „unbedingt erhaltenswerten Grünzuges“. Im Norden des Plangebiets sei viel Totholz und Unterwuchs im laubwaldähnlichen Baumbestand zu finden – bedeutsam als Lebensraum für Kleintiere. Die Umweltorganisation spricht von „22 nachgewiesenen und in einer hohen Dichte vorkommenden Brutvogelarten auf einer Gehölzfläche von knapp drei Hektar“, das bedeute eine hohe Artenvielfalt.

Den Bogenschützen, von deren rund 170 Mitgliedern einige bei internationalen Turnieren antreten, hatte die Stadt mal einen Aschenplatz im Ennert angeboten. Aber die Ansprüche an die Sicherheit sind hoch und die Bedenken entsprechend. „Dafür wären sicher einige Zäune notwendig“, sagt Weller. Die Erreichbarkeit für Mitglieder aus dem Linksrheinischen würde schwieriger. In Roleber gibt es ein zweites Freigelände des Clubs, auf dem die Ursprünge des Vereins liegen. Es ist allerdings sehr schmal, die Bedingungen deutlich schlechter. Am liebsten würden sie im Wasserland bleiben und dort ihrem Sport nachgehen.