Reichsstraße in Ückesdorf: Blitzer lassen die Kasse klingeln

Reichsstraße in Ückesdorf : Blitzer lassen die Kasse klingeln

Ein richtiger Goldesel ist die moderne Blitzanlage an der Reichsstraße in Ückesdorf. Seit der Inbetriebnahme der beiden modernen Lasermessgeräte mit LIDAR-Technik (Light Detection und Ranging) im April 2015 wurden bis jetzt 20 117 Fahrzeuge geblitzt und ein entsprechendes Bußgeldverfahren gegen die Fahrer eingeleitet.

Dabei gaben Autofahrer, die aus Richtung Lengsdorf kamen, häufiger zu viel Gas: 10 450 Verkehrsteilnehmer mit Ziel Röttgen waren in diesem Zeitraum zu schnell unterwegs, während sich in entgegengesetzter Richtung 9 667 Fahrer nicht an die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 60 Stundenkilometer in diesem Bereich hielten. Auf der Basis eines durchschnittlichen Verwarnungsgeldes von 20 Euro pro Foto hat die Stadt hochgerechnet bisher rund 402 000 Euro eingenommen.

Allerdings verringern mittlerweile immer mehr Autofahrer ihre Geschwindigkeit in Höhe der Bushaltestelle an der Reichsstraße. Denn die Stadt verzeichnet mittlerweile einen deutlichen Rückgang: Wurden im Mai 2015 an beiden Anlagen noch zusammen 2 082 Raser ertappt, so waren es im Dezember 2015 nur noch insgesamt 1 030. Bis Ende Dezember 2016 ging die Zahl sogar auf 580 zurück. Allerdings wurden in den ersten Monaten nach der Inbetriebnahme einige Bußgeldbescheide mit Fahrverbot erlassen, weil Geschwindigkeitsüberschreitungen von 31 Stundenkilometern oder mehr gemessen wurden. So wurde in den ersten sechs Wochen ein Autofahrer ertappt, der nach Toleranzabzug immer noch mit Tempo 115 unterwegs war. Der Tacho eines anderen zeigte 108 Stundenkilometer an.

Die Landstraße ist jedoch auch der schnellste Weg zu Uniklinik und Marienhospital. Im Einsatz müssen sich Notarzt- und Rettungsfahrzeuge aber nicht an das vorgeschriebene Tempolimit halten. So befanden sich von April 2015 bis heute 571 Notarzt-, Kranken- und Rettungsfahrzeuge im Einsatz unter den Geblitzten. Sie sind nicht in der Gesamtzahl von 20 117 enthalten und Bußgeldverfahren wurde natürlich nicht eingeleitet.

„Die Zahlen verdeutlichen, dass die stationären Anlagen in diesem Bereich notwendig sind“, erklärt Andrea Schulte vom Presseamt. Die Reichsstraße zwischen Röttgen und Lengsdorf verführt seit Jahrzehnten zum Rasen. Schon seit langem beobachteten Polizei und Ordnungsamt, dass die L 261 von vielen als „Rennstrecke“ genutzt wird. Dabei wird die Landstraße bei dichtem Verkehr nicht nur als Ausweich- und Umgehungsstrecke der nahe gelegenen Autobahn genutzt. Vielmehr passieren täglich Hunderte Schüler des benachbarten Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums, die mit dem Bus aus Meckenheim oder aus anderen Bonner Stadtteilen kommen, die Fahrbahn.

„Durch die Anlagen hat die Zahl der Raser inzwischen deutlich abgenommen und die Unfallgefahr konnte verringert werden. Somit ist der Bereich für alle schwächeren Verkehrsteilnehmer sicherer geworden. Das Ziel, das mit der Errichtung dieser stationären Anlagen verbunden war, wurde erreicht“, zieht die Sprecherin der Stadt Bilanz.

Die Stadt unterhält die zwei „Starenkästen“ allerdings nicht in Eigenregie. Das übernimmt ein externer Dienstleister. Auf eigene Kosten hat er die Lasermessgeräte aufgestellt und wartet sie. Regelmäßig übermittelt er verschlüsselt und unter Einhaltung der Datenschutzbestimmungen die Aufnahmen an die Bußgeldstelle. Dort werden sie gesichtet, ausgewertet und bei Bedarf entsprechende Bußgeldbescheide verschickt.