Stellwerkhäuschen an der B 9: Bonner Verkehrsturm zieht nach Bornheim

Stellwerkhäuschen an der B 9 : Bonner Verkehrsturm zieht nach Bornheim

Das Stellwerkhäuschen an der B 9, das bis 1977 als Verkehrsturm der Polizei am Bundeskanzlerplatz stand, ist abgebaut. Seine Geschichte führt zurück in die Anfänge der Bundesrepublik.

Am Dienstagmittag scheint die Sonne auf die Grünfläche vor dem Maritim-Hotel, wo bislang noch das alte Stellwerkhäuschen steht. Um Punkt 13 Uhr ist der Kranwagen vorgefahren. Wenig später machen sich zwei Arbeiter daran, Gurte am Dach der Kanzel zu befestigen.

Die Säule, auf der sie steht, durchtrennen sie mit dem Schweißbrenner. Das Verladen verzögert sich, denn es ist nicht so leicht, die Kanzel von ihrem Pfahl zu lösen.

In der Nacht wird man das historische Häuschen dann ins Bornheimer Gewerbegebiet transportieren. Dort will der neue Besitzer es wieder aufbauen und restaurieren.

Das kleine Bauwerk hat historischen Wert: Seine Geschichte führt zurück in die Anfänge der Bundesrepublik. Gleich nach ihrer Gründung trat der erste Polizist an der Kreuzung des Bundeskanzlerplatzes seinen Dienst an.

Denn mit dem Umzug Konrad Adenauers ins Palais Schaumburg war auch das Verkehrsaufkommen an dieser Stelle gestiegen.

Zitat Verkehrsturm

Mitte der 50er Jahre musste der Posten ausgebaut werden, die Polizisten behalfen sich mit einem kleinen Podest, das jeden Abend wieder ins Palais Schaumburg getragen wurde. 1964 hatte das endlich ein Ende: Der Polizeipräsident konnte den „Beobachtungsturm“ einweihen.

Von hier aus nahmen die Beamten bei Bedarf Ampelschaltungen für die freie Fahrt von Regierungskolonnen vor. 13 Jahre später, im November 1977 schloss man Ampeln an den neuen Verkehrscomputer an – der Beobachtungsturm war obsolet geworden.

Daraufhin fand das Häuschen seinen neuen Platz an der B9 vor dem heutigen Maritim-Hotel. „Nach 1979 haben die Stadtwerke den Bau als Stellwerkhäuschen zur Bundesgartenschau in Betrieb genommen. Die Sonderzüge fuhren damals nur bis zur Rheinaue“, erinnert sich SWB-Fahrer Michael Much, der auch im historischen Verein der Stadtwerke aktiv ist.

Heutzutage sei ein solches Häuschen dank moderner Technik nicht mehr notwendig, erklärt SWB-Sprecher Michael Henseler. So verlor das Häuschen 2010 durch umfangreiche Stellwerkerneuerungen auch seine zweite Funktion.

Nun aber bekommt es wieder eine Daseinsberechtigung: Käufer Wilfried Wirtz ist ein Freund von Bahnnostalgie. Er hat bereits einen restaurierten Bahnwaggon Baujahr 1940 auf dem Gelände seiner Firma in Bornheim stehen. „Ich kann mich auch noch daran erinnern, dass ich als Junge mit meinem Vater an dieser Kanzel vorbeigefahren bin.“

Sein Nachtwächter hatte den Vorschlag gemacht, ein Objekt zu installieren, von dem aus das Firmengeländer besser zu übersehen sei. Er habe recherchiert und sei schließlich auf das alte Stellwerkhäuschen der SWB gestoßen.

Über den Kaufpreis will man lieber nicht sprechen. Aber sowohl Wirtz als auch die SWB-Vertreter versichern, dass „beide Seiten sehr zufrieden mit der Lösung sind“. Die SWB hätten das Häuschen sonst mittelfristig sanieren lassen müssen. „Außerdem“, so Wirtz, „ist es doch schön, dass ein Bau, der an die historischen Anfänge der Bundesrepublik erinnert, der Nachwelt erhalten bleibt.“