BKA kennt Anschlagsdrohung: Behörde überprüft mutmaßlichen Plan eines Bonner Dschihadisten

BKA kennt Anschlagsdrohung : Behörde überprüft mutmaßlichen Plan eines Bonner Dschihadisten

Auch dem Bundeskriminalamt liegt ein Hinweis vor, dass ein aus dem Bonner Raum stammender Syrien-Dschihadist damit gedroht haben soll, in Bonn einen Anschlag zu verüben.

Die Bestätigung für die Anschlagsdrohung gab am Donnerstag ein Sprecher des Bundesinnenministeriums auf Anfrage des General-Anzeigers. Dies gelte auch für eine auf Twitter verbreitete Anschlagsdrohung des sogenannten Islamischen Staates (IS) gegen den Flughafen Köln/Bonn und das Bundeskanzleramt in Berlin.

Beide Sachverhalte – der mutmaßliche Anschlagsplan in Bonn und die Anschlagsdrohungen gegen den Flughafen und das Kanzleramt – seien in der Überprüfung, so der Sprecher des Bundesinnenministeriums. Der Hinweis werde, „wie in all diesen Fällen, sorgfältig ausgewertet“. Daran, dass Deutschland ebenso wie andere europäische Staaten „im Fadenkreuz des islamistischen Terrorismus“ stehe und die Behörden weiterhin von einer hohen Gefährdung durch den internationalen Terrorismus ausgehen müssten, ändere der Hinweis nichts, sagte der Sprecher.

Wie berichtet, hatte der GA aus gut unterrichteten Sicherheitskreisen erfahren, dass ein Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Syrien-Rückkehrer aus dem Bonner Raum vorliegen soll. Dieser Haftbefehl sei von der Bundesanwaltschaft ausgestellt worden, hieß es gestern. Eine Sprecherin der Behörde in Karlsruhe sagte auf Anfrage des GA aber: „Wir äußern uns grundsätzlich nicht zu Personen.“

NRW-Innenministerium: Keine konkreten Hinweise auf Anschläge

Im Fall der IS-Drohung gegen den Köln/Bonner Flughafen warnen die Sicherheitsbehörden vor Panik. „Es gibt keine Veränderung in der Gefährdungsbewertung. Deutschland ist weiterhin im Fadenkreuz des islamistischen Terrors. Die Fotomontagen belegen dies erneut“, sagte eine Sprecherin des Bundeskriminalamtes in Wiesbaden. Die Fotomontagen würden zurzeit geprüft, auch auf die Frage hin, ob sie tatsächlich vom IS stammten. Nach GA-Informationen bestätigte sich aber die Meldung, dass die Fotomontagen auf dem Internetkanal einer bekannten Medienstelle der IS-Terrormiliz veröffentlicht wurden.

Ein Sprecher des Flughafens Köln/Bonn wollte sich zu der Drohung im Internet nicht äußern. Er verwies an die für den Flughafen zuständige Bundespolizei, die gestern auf Anfrage keine Erklärung abgab. Das nordrhein-westfälische Innenministerium hingegen teilte mit, die Drohung ernst zu nehmen. Man verfüge aber über keine konkreten Hinweise auf Anschläge in Nordrhein-Westfalen.

Zwar tauchen schon seit zehn Jahren gewaltverherrlichende Videos der Terrormiliz „Islamischer Staat“ im Netz auf. „Seit sich der IS in Syrien und Irak aber in einer zunehmend schwierigen Lage befindet, soll durch Terrordrohungen in Europa die eigene Schlagkraft unter Beweis gestellt werden“, heißt es in einem aktuellen Lagebild. Das Ziel: Angst in der Bevölkerung zu schüren und weitere Unterstützer in Europa zu mobilisieren.

Sicherheitsmaßnahmen in NRW auf hohem Niveau

Allein für Bonn geht der Landesverfassungsschutz von mehr als 200 extremistischen Muslimen aus. 2700 Salafisten gibt es nach Erkenntnissen der Behörde NRW-weit. 600 von den 2700 seien gewaltorientiert, 150 „besonders risikobehaftet“. Ein Teil dieser Islamisten sitze in Haft oder habe sich in Krisengebiete abgesetzt.

Seit Beginn des Krieges in Syrien und im Irak sind nach Erkenntnissen der NRW-Sicherheitsbehörden mehr als 200 Fanatiker aus NRW ausgereist, um die dortigen Terrororganisationen zu unterstützen. Seit Langem seien die Sicherheitsmaßnahmen in NRW auf einem „hohen Niveau“, hieß es. Die Behörden in Bund und Land stehen im ständigen Austausch von Informationen über Tatverdächtige und mögliche Anschläge. NRW-Verfassungsschutzchef Burkhard Freier befürchtet auch in Deutschland Gewaltakte. „Es gibt eine zunehmende Zahl von Veranstaltungen von Salafisten, bei denen sie versuchen, junge Menschen zu rekrutieren und zu radikalisieren. Das alles nimmt zu“, klagte Freier in einer Dokumentation der Sicherheitsdienste.

NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) beobachtet mit Sorge die „aggressive und hochprofessionelle Propaganda“ des IS, der weltweit über das Internet und die sozialen Medien bis in die Kinder- und Jugendzimmer hinein agiere. Die Terrormiliz nutze neueste Medienkanäle und teure Technik, um junge Menschen zu einem extremistischen Weltbild zu verführen. „Die bedrückenden Propagandabilder zeigen die grausame Realität: Dschihadisten aus Deutschland begehen Gräueltaten und werden gleichzeitig als Kanonenfutter missbraucht“, warnte Jäger.

Ähnliche Propagandabilder wie die Fotomontage von einem virtuellen Anschlag auf den Flughafen Köln/Bonn (plus Kommentar: „Was deine Brüder in Belgien schaffen, schaffst du auch!“) hatte der IS über das Kanzleramt in Berlin und den Petersplatz in Rom verbreitet. Die dahintersteckende Drohung: Europa soll zum Schlachtfeld des Heiligen Krieges werden. (ga)

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