Teilnehmer sollen Diplomatie verstehen: Arbeit des Sicherheitsrates wird in Bonn simuliert

Teilnehmer sollen Diplomatie verstehen : Arbeit des Sicherheitsrates wird in Bonn simuliert

Eine Simulation sollte den Teilnehmern eines Workshops in Bonn zeigen, wie schwierig es ist, auf internationaler Ebene Kompromisse zu finden. Die Veranstaltung wird von einem Bonner Verein initiiert.

Die Atmosphäre ist gespannt und konzentriert, schließlich geht es um Krieg oder Frieden. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN) tagt, auf der Tagesordnung steht die Situation in der Straße von Hormus, der Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman, in welcher sich momentan der Konflikt zwischen dem Iran und den USA und ihren Verbündeten zuspitzt. Eine Lösung muss dringend gefunden werden.

Doch glücklicherweise ist der Druck am vergangenen Samstagnachmittag nicht ganz so groß, es handelt sich lediglich um eine Simulation des Sicherheitsrates, durchgeführt vom Verein „Bonn International Model United Nations“ (BIMUN). Die zehn Teilnehmer sollen lernen, wie schwer es ist, auf internationaler Ebene Kompromisse zu schließen.

„Wir wollen den Teilnehmern zeigen, wie die UN arbeitet“, erklärt Katja Schneiders, Vorsitzende des Vereins. Schließlich hätten viele Menschen ein negatives Bild der Organisation, sie werde als zu starr wahrgenommen, um wirklich handlungsfähig zu sein. „Mit dem Workshop demonstrieren wir, wie schwierig es ist, Lösungen alleine schon in dieser kleinen Runde zu finden.“

Im Gegensatz zum Original wird auf Deutsch debattiert

Um möglichst realitätsnah arbeiten zu können, wird versucht, den echten Sicherheitsrat möglichst genau abzubilden: Die wichtigsten Staaten sind vertreten, es gibt einen Debattenleiter und festgelegte Redezeiten. Jeder Teilnehmer bekam im Vorfeld eine Rolle, also einen Staat, zugewiesen, und wurde über dessen Positionen im Konflikt informiert. In der Debatte musste er diese Position dann vertreten. Auf ein paar Regeln verzichtete die Simulation jedoch, zum Beispiel wurde auf Deutsch debattiert. „Wir haben heute schließlich viele Anfänger dabei“, so Schneiders.

Anfänger im Bereich der Diplomatie ist auch Friedrich Hautkapp. Der Jura-Student aus Bonn interessiert sich für internationale Beziehungen und die UN, besonders für die Bereiche der Sicherheits-, Wirtschafts- und Handelspolitik. Von BIMUN hatte er schon länger gehört, der Workshop stellt für ihn einen guten Einstieg dar: „Ich wollte so eine Simulation einfach mal ausprobieren.“ Er hofft, so ein Gespür für die Arbeit der UN zu bekommen. Diese kommt ihm in der Realität teilweise zu zurückhaltend vor; sie werde von ihrer eigenen Organisationsstruktur gelähmt: „So kann die UN ihrer eigentlichen Rolle als Vermittlerin in Konflikten nicht nachkommen.“ Genau das sei es aber, was sie so wichtig mache: „Sie sichert die dauerhafte Kommunikation zwischen Staaten, auch zwischen solchen, die verfeindet sind.“

Gerade in der heutigen Zeit erscheint diese Rolle zunehmend wichtig. Für Hautkapp sind neben dem Brexit vor allem der Nahostkonflikt und der Klimawandel die drängendsten politischen Probleme. „Diese Dinge werden uns noch in zehn Jahren beschäftigen. Um dauerhaft den Frieden auf der Welt zu sichern, müssen sie gelöst unbedingt gelöst werden.“ Dass es schwer ist, Lösungen zu finden, mit denen alle einverstanden sind, zeigte der Workshop.

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