IS-Kämpfer aus Bonn

So wahrscheinlich ist die Rückkehr von Fared Saal

IS-Kampfgefährten in Syrien: Fared Saal (r.) auf einem Foto mit dem Ex-Rapper Denis Cuspert, der seit Januar 2018 als tot gilt.

IS-Kampfgefährten in Syrien: Fared Saal (r.) auf einem Foto mit dem Ex-Rapper Denis Cuspert, der seit Januar 2018 als tot gilt.

Bonn. Ob der in Syrien inhaftierte Bonner Islamist Fared Saal nach Deutschland zurückkehren könnte, bleibt offen. Der 29-Jährige war 2012 an den Ausschreitungen in Lannesdorf beteiligt.

In einer seiner Grußbotschaften posierte er stolz vor Leichenbergen, brüstete sich mit Massakern und half dabei, Unterstützer der Terrormiliz Islamischer Staat in deren Kampf gegen „Ungläubige“ zu rekrutieren. Jetzt sehnt sich Fared Saal, der seit einem Jahr im Norden Syriens von Kampfeinheiten der kurdischen YPG festgehalten wird, offenbar in die Obhut der deutschen Rechtsstaatlichkeit zurück. Das äußerte Saal, der lange in Bad Godesberg lebte, jetzt in einem Gespräch mit deutschen Fernsehreportern, die ihn im Gefängnis befragten.

In dem Gespräch konfrontieren die Fernsehreporter der Sendung „Weltspiegel“ den 29-jährigen Islamisten mit seinen menschenverachtenden Taten, die teilweise in Propagandavideos dokumentiert sind. In dem Beitrag räumt Saal ein, überzeugt und aus freien Stücken gehandelt zu haben. Heute geht er auf Distanz zum IS, schildert die Verrohung in dessen Reihen und gibt an, seine Taten zu bereuen.

Gegen ihn wird wegen Kriegsverbrechen ermittelt

Dass gegen ihn wegen Kriegsverbrechen ermittelt wird, könne er nachvollziehen, sagt er im Film. Nun wünscht er sich eine Rückkehr nach Deutschland. Wenn es ein Gefängnis sein müsse, bevorzuge er ein „Land mit gewissen Rechten“, so der 29-Jährige. Nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden sind im Irak und Syrien derzeit rund 100 mutmaßliche IS-Kämpfer aus Deutschland samt Angehörigen inhaftiert. Im Falle eines Schuldspruchs droht ihnen dort theoretisch die Todesstrafe.

Ob Saals Wunsch Aussicht auf Erfüllung hat, ist dennoch weiter unklar, wie am Montag Anfragen des General-Anzeigers bei deutschen Strafverfolgungsbehörden ergaben. So liegt gegen Saal zwar ein Haftbefehl vor; auch gibt in dem „Weltspiegel“-Beitrag ein Vertreter der kurdischen Führung an, diese würde Leute wie Fared Saal gern an ihre Herkunftsländer loswerden. Dennoch verweist das Auswärtige Amt darauf, dass Kurdistan kein anerkannter, souveräner Staat ist. Selbst für den Fall, dass syrische Regierungskräfte des algerischstämmigen Bonners habhaft würden, besteht mit Syrien kein Rechtshilfeabkommen.

2013 hatte der Salafist Bonn Richtung Syrien verlassen

Die Rückholung mutmaßlicher Terroristen mit deutschen Pässen gilt aus naheliegenden Gründen als politisch unpopulär. Von den zuständigen Ministern ist davon wenig zu hören. Als exponiertes Mitglied der deutschen Salafistenszene war Fared Saal im Mai 2012 aufgefallen, als er sich in Lannesdorf an den Ausschreitungen mehrerer Hundert Salafisten gegen Polizisten beteiligte, bei denen mehrere Beamte schwer verletzt wurden.

Gemeinsam mit seiner Frau und dem einjährigen Sohn hatte Saal Bonn 2013 in Richtung Syrien verlassen. Seine ebenfalls aus Bad Godesberg stammende Frau war nach ihrer Rückkehr ins Rheinland zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden.