Derletalsee in Duisdorf: "Der See ist ein riesiges Hundeklo"

Derletalsee in Duisdorf : "Der See ist ein riesiges Hundeklo"

Eine Idylle direkt vor der Haustür: Das Laub präsentiert sich in den schönsten Herbstfarben, zahlreiche Hundehalter gehen mit ihren Vierbeinern im Derletal spazieren. "Genau das ist das Problem", erklärt Rolf Toonen, Lehrer am Helmholtz-Gymnasium.

Gemeinsam mit den 17 Schülern seines Biologie-Leistungskurses nimmt er seit Monaten Wasserproben aus dem See im Derletal, vergleicht die aktuellen Sauerstoff- sowie Nitrat-, Nitrit-, Ammonium- und Phosphatwerte des Gewässers mit denen aus der Vergangenheit. Mit alarmierenden Ergebnissen: "Der See ist mittlerweile ein riesiges Hundeklo. Es muss dringend etwas getan werden, sonst wird aus diesem Idyll eine tote, stinkende Kloake." Um das zu verhindern, müsse zunächst der Sauerstoffgehalt des Gewässers wieder erhöht werden.

Bereits seit 2010 nehmen Oberstufenschüler des Helmholtz-Gymnasiums regelmäßig Wasserproben. Alle Untersuchungsergebnisse sind seit dieser Zeit dokumentiert. Mit dem Ergebnis: "Die Werte werden von Mal zu Mal schlechter", so Rolf Toonen. Auch am Mittwoch zapften die 16- bis 18-Jährigen erneut Wasser ab und bestimmten die Werte. "Wieder weniger geworden", ruft Franka ihrem Lehrer nach dem ersten Test zu. Im Rahmen des Unterrichtsschwerpunkts "Ökologie" hat sich der Kurs mit den Gewässern im Derletal beschäftigt. "Wir sind eine Stadtteilschule und wollen den Unterrichtsstoff nicht nur theoretisch abarbeiten, sondern uns in unserer Umgebung auch praktisch mit dem Thema auseinandersetzen", erklärt der Pädagoge.

Noch kann ein "Umkippen" des Sees verhindert werden, doch nach Meinung der jungen Wissenschaftler ist es bereits fünf vor zwölf. Dabei sei die Rettung des Gewässers noch nicht einmal mit großem Aufwand verbunden. "Wenn die Hundebesitzer die Hinterlassenschaften ihrer Tiere stets entsorgen würden und die Vierbeiner nicht oberhalb des Sees ihr Bein heben würden, dann würde mit dem Regen nicht so viel Biomasse in das Wasser gespült", appelliert die 16-jährige Anna Ohm. Denn der Rückgang des Sauerstoffgehalts sei eine Folge der Belastung mit organischen Stoffen.

"Ein Schilfgürtel würde ebenfalls für einen höheren Sauerstoffgehalt sorgen, denn die Pflanzen wirken wie eine biologische Kläranlage", ergänzt Franka. Selbst ein Springbrunnen, der beispielsweise mit Solarenergie angetrieben wird, könnte für Abhilfe sorgen.

Zwar würde sich der Tümpel im Winter ein wenig erholen, doch "im Herbst fallen viele Blätter ins Wasser. Wieder Biomasse, die erst einmal zersetzt werden muss und den Sauerstoffgehalt weiter reduziert", so Rolf Toonen. Deshalb sei auch ein großzügiger Rückschnitt von Büschen und Sträuchern sinnvoll. Um das Gewässer kurzfristig zu retten, würden die Schüler zudem einen Zaun entlang des Ufers ziehen. "Bei unseren Untersuchungen haben wir Reste von Grillfesten gefunden. Nicht nur, dass Müll liegen bleibt, Essensreste oder Kohle im bedeuten eine enorme Belastung für das ökologische System", sagt Anna.

Gelungene Renaturierung

Beispiel für eine gelungene Renaturierung ist für die Helmholtz-Schüler der Heilsbach am Eingang zum Derletal, vis á vis des Wilhelmine-Lübke-Heims. Noch vor wenigen Jahren war das ein totes, stinkendes Gewässer. Nachdem zunächst der Boden abgetragen und Schilf entlang des Ufers gepflanzt wurde, hat sich der Sauerstoffwert deutlich verbessert. Auch dort nehmen die Biologieschüler regelmäßig Gewässerproben.