Versorgung für Menschen mit Behinderung: Jubiläum im Therapiezentrum in Pützchen

Versorgung für Menschen mit Behinderung : Jubiläum im Therapiezentrum in Pützchen

Vor knapp 30 Jahren wurde das TZ von Professor Klaus-Ulrich Heyland als gemeinnützige Gesellschaft gegründet und das Haupthaus vis-à-vis der Beueler Gesamtschule errichtet.

Sabine Rickes, Leiterin des Therapiezentrums Bonn (TZ) muss ihrer Nachbarschaft ein großes Kompliment machen. „Wir fühlen uns hier in Pützchen rundum wohl. Wir haben ein tolles Verhältnis zu den Ortsvereinen, die uns ganz selbstverständlich in ihr Leben einbeziehen.“ Ob am Fußballplatz oder bei großen Festen, „wir sind stets dabei und immer willkommen“.

Dabei ist das Leben für die Bewohner und Betreuten des TZ nicht einfach. Manche sind körperlich und geistig so stark eingeschränkt, dass sie eine 24-stündige Versorgung benötigen, andere haben ein halbwegs eigenständiges Leben in einer ambulanten Wohngruppe oder der eigenen Wohnung. Lebensmut und Lebensfreude lasse sich keiner streitig machen, so Rickes, „auch wenn das angesichts der individuellen Schicksale alles andere als leicht ist“.

Vor knapp 30 Jahren wurde das TZ von Professor Klaus-Ulrich Heyland als gemeinnützige Gesellschaft gegründet und das Haupthaus vis-à-vis der Beueler Gesamtschule errichtet. Gesellschafter sind neben dem DRK-Kreisverband Bonn der Verein für Körper-Mehrfachbehinderte Bonn (VKM) sowie der Verein für spastische Gelähmte Troisdorf. „Die Initiative hatte damals Eltern im Blick, die sich um die Betreuung ihrer Kinder im Erwachsenenalter Sorge machten“, berichtet Rickes.

„Heute sind wir eine pädagogische Einrichtung mit dem Ziel, die Selbstständigkeit unserer Bewohner zu fördern und zu unterstützen. Dafür arbeite man eng mit den Angehörigen zusammen. „Wir sind eine Entlastung für sie. Unser Auftrag ist, die Patienten zu befähigen, eigene Entscheidungen zu treffen“, erklärt sie.

Derzeit betreut das TZ 56 Patienten stationär – sie wohnen im Haupthaus an der Siegburger Straße – sowie 46 ambulant. Diese Menschen leben entweder in kleinen Wohnungen oder als Gemeinschaften. Ambulante Wohngruppen gibt es derzeit in Pützchen (zwei), in Sankt Augustin sowie in Auerberg. 150 Mitarbeiter, viele davon in Teilzeit, kümmern sich um das Wohl der TZ-Bewohner. Der Großteil der Patienten ist von Geburt an behindert, einige leben nach einem Unfall oder aufgrund einer Erkrankung mit einem Handicap.

Die Mitarbeiter kümmern sich jedoch nicht nur um das körperliche Wohl, sondern sie unternehmen viel mit den Patienten, um sie am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen. „Wir wünschen uns, dass sie in allen Bereichen des öffentlichen Lebens dabei sind“, betont die Einrichtungsleiterin. Um das zu gewährleisten, brauche man allerdings viele Helfer. „Wir könnten Inklusion und Teilhabe noch besser umsetzen, wenn wir mehr Personal hätten“, sagt Rickes. Ehrenamtliche Helfer seien immer willkommen.

Einmal im Monat gibt es beispielsweise im TZ ein Nachtcafé sowie Themenabende wie Singletreff oder Oktoberfest. Ein besonderer Höhepunkt sind die „Sing Sing“-Konzerte mit Gregor Kess. Das nächste ist für Sonntag, 16. Dezember, ab 13 Uhr in der Gesamtschule geplant. Eintrittskarten gibt es über das TZ. Auf dem Programm stehen Weihnachtslieder. „Das ist für uns immer ein besonders schönes Ereignis“, freut sich Rickes schon auf das Konzert. Freunde und Bewohner werden nicht nur einen schönen Nachmittag erleben. Vielmehr wird mit dem Erlös des Konzerts die Arbeit des Therapiezentrums unterstützt.

Auch wenn eigentlich alles „rund läuft“ hat Sabine Rickes einen „Geburtstagswunsch“ zum 30-jährigen Bestehen der Einrichtung. „Wenn wir mehr Personal hätten, dann könnten wir an weit mehr schönen Dingen teilnehmen damit Inklusion alltäglich wird.“ Wie gut das gelebte Miteinander schon jetzt funktioniert, das will das Therapiezentrum Bonn im kommenden Sommer beweisen. Denn am 7. Juli 2019 feiert die Einrichtung ihr 30-jähriges Bestehen auf der Pützchens Markt-Wiese gemeinsam mit Kirchengemeinschaften und Ortsvereinen.

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