Gespräch am Wochenende: Elisabeth Koppitz leitet den Offenen Treff der Jugendfarm

Gespräch am Wochenende : Elisabeth Koppitz leitet den Offenen Treff der Jugendfarm

Spielhütten, Musikstudio, zwei alte Eisenbahnwaggons, Spielgeräte, ein Baumhaus und ein sieben Meter hoher Kletterturm: Das und mehr hat der 2001 von der Jugendfarm Bonn eingerichtete Offene Treff am Finkenweg zu bieten. Mit der Leiterin Elisabeth Koppitz sprach Stefan Knopp.

Ist für Sie mit diesem Job ein Traum wahr geworden?

Elisabeth Koppitz: Für mich schon. Ich wollte auf jeden Fall mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Vom Grundsatz und der Ideologie bietet die Jugendfarm genau das, was ich vertreten kann und wo ich sage, das ist richtig und wichtig für das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen.

Was liegt Ihnen dabei besonders am Herzen?

Koppitz: Es geht darum, einen Akzent zu setzen gegen den Trend, dass junge Menschen immer weniger Zeit haben, dass es immer dichter wird und alles immer schneller geht. Wir finden es wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen mal wieder rauskommen, Freiraum und Zeit haben, für sich selber entscheiden zu können.

Wo kommen die jungen Besucher her?

Koppitz: Im Kinderbereich für Sechs- bis 13-Jährige sind es primär die aus der Umgebung. Die kommen überwiegend aus Holzlar, Hoholz, Pützchen, Bechlinghoven. Jugendliche sind mobiler und cliquenorientiert: Sie gehen dahin, wo die Freunde hingehen. Einige kommen zum Beispiel aus Auerberg und nutzen unser Aufnahmestudio. Und es kommen auch Jugendliche von früher, die die Waggons noch mit aufgebaut und unter anderem die Platten für die Wege gelegt haben.

Welche sind Ihre schönsten Erinnerungen?

Koppitz: Ich erinnere mich immer wieder gerne an unsere Jahresabschlussfeste und Sommerfeste, denn da kommen die Kinder und Jugendlichen auf die Bühne und führen ihre selbstgeschriebenen Lieder vor den Eltern und Freunden auf. Das finde ich schön. Denn es macht denen total viel Spaß, die sind danach sehr stolz.

Hat Sie mal ein Kind oder Jugendlicher sehr beeindruckt?

Koppitz: Grundsätzlich erfreuen die mich jeden Tag. Wir wissen alle, es ist nicht einfach, Jugendlicher zu sein. Sie haben so viel zu tun in ihrem Leben, so viel, was auf sie einprasselt, mit dem sie klar kommen müssen und teilweise gar nicht wirklich können. Das ist der Alltag, und wie sie diesen meistern, ist beeindruckend. Obwohl zum Beispiel einer total schlecht gelaunt und sauer ist, kriegt er es doch hin, einem Jüngeren bei etwas zu helfen.

Sie haben auch mal Jugendliche im Knast begleitet.

Koppitz: Diese Jungs sind regelmäßig in den Treff gekommen, mehrere Jahre, und sind aus verschiedensten Umständen ins Gefängnis gekommen. Wir haben angeboten, sie im Rahmen eines Sonderprojektes regelmäßig zu besuchen, weil schon eine Beziehung aufgebaut war und wir für die emotionale und charakterliche Entwicklung weiterhin da sein wollten, wenn sie das möchten. Die Jungs haben zugesagt, und das waren auch sehr interessante Gespräche. Wir haben sehr wertgeschätzt, dass ihnen das wichtig war. Man hat gemerkt, dass sie ganz anders zur Ruhe gekommen sind. Es waren immer Einzelgespräche, es gab keine Ablenkungen, man saß da und hatte einfach eine Stunde Zeit zu reden, was beidseitig sehr geschätzt wurde. Es war sehr spannend, und als sie rauskamen, waren sie wieder hier.

Wird auch etwas für Flüchtlinge gemacht?

Koppitz: Wir haben noch kein spezielles Projekt, weil noch nicht der konkrete Bedarf bei uns da war. Aber wir sind offen für alle, sehr gerne. Hier in Holzlar sind jetzt auch Flüchtlinge eingezogen in der Turnhalle, das sind aber relativ wenige Kinder und Jugendliche. Aber da ist der Kontakt da.

Gibt es besondere Wünsche für die Zukunft?

Koppitz: Ein Anliegen ist Licht für den Weg zum Jugendbereich. Das ganze Gelände ist abends vollkommen dunkel. Seit acht Jahren wünschen sich die Jugendlichen Licht für diesen Weg, da es natürlich äußerst unangenehm ist, im Stockdunklen da lang laufen zu müssen. Wir haben schon auf unserem Gelände Strahler aufgestellt, die in Richtung Weg leuchten. Das ist aber alles zu weit weg, um eine adäquate Beleuchtung für die Jugendlichen zu haben.

Eltern können sich am Freitag, 22. Januar, ab 17 Uhr am Finkenweg 31 über das Programm des Offenen Treffs informieren.

Zur Person

Elisabeth Koppitz ist 31 Jahre alt und wuchs in Leverkusen auf. Zum Sozialpädagogik-Studium zog sie nach Bamberg. Danach führte sie die Jobsuche letztlich nach Bonn. Im Sommer 2008 wurde sie von der Jugendfarm als Betreuerin beim Offenen Treff am Finkenberg eingestellt, den sie seit Sommer 2009 leitet.