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"Kunst gegen Bares" in der Brotfabrik: Gäste zahlen, was ihnen der Auftritt des Künstlers wert ist

"Kunst gegen Bares" in der Brotfabrik : Gäste zahlen, was ihnen der Auftritt des Künstlers wert ist

Bei "Kunst gegen Bares" zahlen die Gäste, was ihnen der Auftritt des Künstlers wert ist. Am Mittwochabend fand die beliebte Kulturreihe erstmalig in der Brotfabrik in Beuel statt.

Johannes Schröder ist der Sündenbock. Ganz freiwillig. Für all jene, die in ihrer Schulzeit von fiesen Lehrern geärgert und geprüft worden sind. "Befreit euch! Ich entschuldige mich stellvertretend für meine Kollegen, die euch Leid angetan haben", sagt Schröder, selbst Deutschlehrer - so behauptet es der Nachwuchs-Comedian zumindest auf der Bühne der Brotfabrik. Seine Witze kommen beim Publikum an. Er spricht von "Kolerikum" statt "Kollegium" und zieht über den neuen Sportlehrer ("bildungsferne Spaßgurke aus der Turnhalle") her.

Viel zu lachen und zu staunen gab es am Mittwochabend bei der beliebten Kultur-Reihe "Kunst gegen Bares", die erstmalig in der Brotfabrik stattfand. "Die Brotfabrik wollte uns schon die ganze Zeit haben, und ich kenne die Leute hier auch schon lange - da fiel die Entscheidung, in die Brotfabrik zu ziehen, sehr leicht", erklärte Veranstalter Ingo Piess.

Seit Oktober 2014 veranstaltet Piess die Reihe in der Bundesstadt, die Idee kommt aber aus Köln. Das Prozedere der Veranstaltung ist sehr einfach. Es treten neun Künstler nacheinander auf, nach allen Auftritten gehen für jeden einzelnen Künstler schwarze Sparschweine durch das Publikum, welches dann für jeden Auftritt einen gewissen Betrag in das Schwein wirft.

"Ein Espresso im Bordbistro der Bahn kostet 3,60 Euro, ein Toilettenbesuch 50 Cent", erinnert Piess das Publikum, "ein Fünf-Euro-Schein passt übrigens auch gut rein". Die Künstler bekommen die Fahrtkosten erstattet, ihr Honorar übernimmt das Publikum - je besser dieses einen Auftritt findet, umso mehr Geld gibt es.

Allerdings steht der Spaß an oberster Stelle, nicht das Geldverdienen. Es treten meist nur Anfänger oder Newcomer auf. Wer von den Künstlern am Ende des Abends das meiste Geld eingesammelt hat, bekommt von Piess den ehrenvollen Titel "Kapitalistenschwein des Monats" verliehen.

Duo "Simon & Ingo" begeisterte das Publikum

Über den Titel konnte sich am Mittwoch das Duo "Simon & Ingo" freuen - und das sehr verdient. Beim Publikum konnten die beiden Jungs wahre Begeisterungsströme auslösen. Waren sie bei ihrem Bühnenauftritt eher unscheinbar, überzeugten sie später mit einer Gitarre und ihren Stimmen und nicht zuletzt mit ihren grandiosen, humorvollen Texten.

Sie widmeten sich dem Loch, das sich nach dem Studium auftut, wenn man nicht weiß, wie es weitergeht oder man merkt, dass man das Falsche studiert hat. Ingo rappte, Simon spielte Gitarre - mit ihrer Mimik und Körpersprache vergaben sie ihrem Auftritt das Tüpfelchen auf dem i. Besonders lustig war das Lied über "Absagen von Bewerbungen", denn Ingo drehte den Spieß um und antwortete auf Absagen.

Sebo Sam zog über Streber her und animierte das Publikum mehr oder minder erfolgreich zum Mitsingen, die gebürtige Neuseeländerin "Katbite" beeindruckte mit Gesang und Klavierspiel, Kati Abrahamson, Dennis Eibel und Lars Henk traten außerdem auf. Ralph Püttmann begleitete den Abend am Klavier.

"Kunst gegen Bares" gibt es wieder am Mittwoch, 10. Februar, ab 20 Uhr in der Brotfabrik, Kreuzstraße 16. Abendkasse sechs Euro.