Theater im Amos: Wer spielt mit einem fremden Kind?

Theater im Amos : Wer spielt mit einem fremden Kind?

Am Holocaust-Gedenktag führt das Amos-Comenius-Gymnasium Myron Levoys „Der gelbe Vogel“ auf. Es erzählt von der Freundschaft des jüdischen Jungen Alan mit dem traumatisierten Nachbarsmädchen Naomi.

Warum sollte man als einheimisches Kind bloß mit einem so befremdlichen Mädchen spielen? Das noch nicht mal die eigene Sprache spricht und bestimmt nichts von Flugzeugen hält? „Ihr zwingt mich nicht dazu!“, fährt Alan Silverman (Katharina Höbbel/Joris Loewe) in der neuen Theaterproduktion des Amos-Comenius-Gymnasiums seine Eltern an.

Der Zuschauer ist sofort mitten drin im Stück „Der gelbe Vogel“ des US-amerikanischen Autors Myron Levoy, das Anette Niefindt-Umlauff und ihr junges Team am Mittwoch, 27. Januar, also genau am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, auf die Bühne bringt.

Das neue Nachbarsmädchen Naomi (Lena Cornelissen/Kaya Loewe) habe vor ihrer Flucht aus Europa blutbesudelt miterleben müssen, wie die Nazi-Schergen ihren Vater totschlugen, versucht Alans Mutter (Corinna Chlebek/Miriam Daub) dem Sohn klarzumachen. „Vielleicht findet dich ja Gott, wenn du mit ihr spielst“, meint der behutsame Vater (Anna Liebetrau/Alexander von Stein).

„Irgendwie kommt sie mir vor wie eine Geisteskranke“, wehrt sich Alan. Er hat diese komische Gestalt schreckhaft schreiend im Treppenhaus gesehen. Warum sollte also Gott wollen, dass gerade er, Alan, sich auf sie einlässt? „Vielleicht weil du Glück hast“, antwortet der Vater. Und genau dieser Satz geht dem Jungen, der selbst auf der Straße „mieser kleiner Jude“ beschimpft wird, in dieser eindrücklichen Inszenierung nicht mehr aus dem Kopf. Aber was, wenn die „Geisteskranke“ seine einzige Freundschaft mit Shaun (Sarah Weber Martin/Leonie Wehnert) zerstört?

„Wir halten dieses Stück gerade heute für sehr aktuell“, meint Niefindt-Umlauff. Heutigen jungen Menschen, aber wahrscheinlich auch ihren Eltern, falle es schwer, sich in die Lage eines traumatisierten Menschen zu versetzen. „Und genau diese Empathie brauchen wir doch heute umso mehr“, sagt die Regisseurin, die im Off Jazzmusik der 1940er Jahre einspielen lässt.

Alan und Naomi tasten sich gerade über ihre Plüschtiere ganz zaghaft aneinander heran. „Sie hat zurückgewunken“, flüstert Alan seinem Bären ins Ohr. Es ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Naomi wird sogar Flugzeuge, die „gelben Vögel“, mögen. Eine intensive Aufführung lang werden beide immerhin versuchen, gegen das Trauma anzugehen.

Aufführungen im Amos-Comenius-Gymnasium, Behringstraße 27, sind am Mittwoch, 27. Januar, Freitag, 29. Januar, und Dienstag, 2. Februar, jeweils um 19 Uhr. Sonntag, 31. Januar, fängt die Vorstellung um 17 Uhr an.

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