Baumfällung auf dem Rodderberg: Mehr Sonne für die Zauneidechse

Baumfällung auf dem Rodderberg : Mehr Sonne für die Zauneidechse

Helfer der Biologischen Station entfernen Büsche und Bäume in einer alten Tuffgrube im Naturschutzgebiet. Seltene Tier und Pflanzenarten sollen so mehr Lebensraum bekommen.

Gestern haben mehrere Mitarbeiter der Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft mit ihren Pflegearbeiten im Naturschutzgebiet Rodderberg begonnen. In der alten Tuffgrube an der Nordspitze des Naturschutzgebietes werden Gehölze aufgelichtet und einige Bäume entfernt. „Maßnahmen, die von uns alle zwei, drei Jahre hier durchgeführt werden“, sagte Einsatzleiter Christian Chmela von der Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft mit Sitz in Dransdorf.

Die Pflege ist Bestandteil des Arbeits- und Maßnahmenplans der Station und mit der Unteren Landschaftsbehörde der Stadt abgestimmt. In diesem Jahr handelt es sich allerdings um „eine größere Aktion zugunsten der Fauna, seltenen Pflanzenarten – und der sogenannten Zauneidechse“, sagte der Biologe am Rande der Arbeiten.

Jetzt im Winter sei die beste Zeit für solche Arbeiten, da keine Vögel brüteten, viele Tiere im Winterschlaf seien und die Störung daher am geringsten sei. Von der Maßnahme profitieren die besondere Flora und Fauna, da der Rodderberg als trockene und sonnige Wärmeinsel ein überregional wichtiger Rückzugsraum für wärmeliebende Tier- und Pflanzenarten ist.

Eine wichtige Zielart ist dabei die europaweit streng geschützte Zauneidechse, die dort besonders häufig vorkommt. Die Tiere benötigen unbeschattete Plätze für die Eiablage, „damit die Eier von der Sonne ausgebrütet werden können“, so Chmela.

Die Arbeiten dienen in diesem Jahr aber auch der besseren Erlebbarkeit der geologischen Besonderheiten des Vulkans Rodderberg: So werden der markante Basaltschlot in der Mitte der alten Tuffgrube und die geschichteten Schlackentypen im geologischen Aufschluss freigestellt.

„Hier kann man deutlich die Auswurfschichten erkennen, und wenn man den Pfaden weiter folgt, findet man auch den fingerartigen Basaltgang, der beim Abbau freigelegt wurde. Hier stieg die Lava als Schmelzfluss gegen Ende der Schlackenwurftätigkeit auf und erhärtete“, erläuterte Chmela. Das Gelände rund um dieses „geologische Denkmal“ wurde vor einigen Jahren wegen der Verkehrssicherheit umzäunt. Auf dem Gelände befanden sich auch zwei große Bäume, von denen einer, die Eiche, nun gefällt wurde.

Die Anregung, grundsätzlich an dieser Stelle für eine bessere Sichtbarkeit zu sorgen, kam von Professor Wilhelm Meyer, einst Geologe an der Universität Bonn. Sein Spezialgebiet ist die „Geologie der Eifel“, Chmela bezeichnete ihn als „Geologie-Papst in Sachen Vulkaneifel“. „Auch den heutigen Geologiestudenten kann man dieses Gelände demnächst besser präsentieren“, sagte der Einsatzleiter und freute sich.

Ziel der Unterschutzstellung des Rodderbergs ist die Erhaltung der Lebensstätten und Lebensgemeinschaften besonders typischer und ansonsten im Rheinland seltener Tuffflächen (vulkanisches Gestein) mit ihren rheinischen Trockenrasen und seltenen Pioniergesellschaften.

Auf dem Rodderberg wechseln sich entsprechend arten- und blütenreiche Halbtrockenrasen und flachgründige Trockenrasen ab mit trockenen Felsen und Geröllhalden. Allein mehr als 40 Arten der Roten Liste Nordrhein-Westfalens sind dort zu Hause, darunter Purpur-Sommerwurz, Aufrechter Ziest, Karthäusernelke und Sonnenröschen. Die Arbeiten in der Tuffgrube werden übrigens spätestens morgen schon wieder beendet sein.

Nähere Informationen über die Arbeit der Station erhalten Interessenten unter www.biostation-bonn-rheinerft.de. Die Adresse: Biologische Station Bonn/Rhein-Erft, Auf dem Dransdorfer Berg 76, Bonn, 02 28/2 49 57 99; E-Mail an info@ biostation-bonn-rheinerft.de.

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