Jazz in Bonn: Tipps und Tricks für Bandleader

Jazz in Bonn : Tipps und Tricks für Bandleader

Jazzposaunist Jiggs Whigham und der Deutsche Musikrat geben beim Workshop für Big-Band-Dirigenten ein Heimspiel in Bonn. Zuerst gibt es Trockenübungen, dann Proben mit dem Orchester.

Posaunen, Saxofone und Trompeten ertönen gedämpft über den Schulhof des Amos-Comenius-Gymnasiums. Mit jedem Schritt in Richtung Aula werden die schmissig gespielten Tonfolgen lauter – und kaum öffnet man die Tür zum Schulgebäude, begrüßen einen live gespielte Melodien von Jazzlegenden wie Glenn Miller, Count Basie und Artie Shaw. Doch ab und zu werden die Musiker unsanft ausgebremst und das Orchester verstummt. Nicht etwa, weil die Instrumentalisten Fehler begehen, sondern weil es an der Arbeit des Dirigenten noch etwas zu feilen gibt.

Beim siebten Big-Band-Leiter-Workshop des Deutschen Orchesterwettbewerbs, der in diesem Jahr in der Aula des Gymnasiums gastiert, dreht sich seit Dienstag alles um die fachkundige Beratung von Orchesterleitern. „Die Dirigenten sollen lernen, wie sie eine Big Band richtig steuern und motivieren können“, erklärt Jiggs Whigham, der den Workshop leitet.

Whigham blickt auf jahrelange Erfahrung auf diesem Gebiet zurück. Nach der Highschool spielte der 1943 in Cleveland geborene Musiker Posaune im Orchester Glenn Millers und später bei Count Basie sowie der WDR Big Band. Hinzu kamen zahlreiche Posten als Orchesterleiter. Zurzeit leitet er die BBC Big Band in London und ist seit 2011 einer der künstlerischen Leiter des Bundesjazzorchesters. Whigham wohnt, wenn er nicht gerade musikalisch unterwegs ist, in Mehlem.

„Wir starten jeden Tag mit Theorie, danach gibt es Trockenübungen mit Musik vom Band, bevor nachmittags mit echten Musikern geprobt wird“, so Whigham. Dabei achten der Altmeister des Jazz und sein Assistent Martin Gerwig zum Beispiel auf die Körpersprache, das Timing und die Dynamik der Workshop-Teilnehmer.

Organisiert wird der Workshop vom Deutschen Musikrat im Zuge des alle vier Jahre stattfindenden Deutschen Orchesterwettbewerbs, bei dem Amateurorchester aus fünfzehn verschiedenen Kategorien jeweils in ihrer Gruppe gegeneinander antreten. „Wir freuen uns, dass der Workshop in diesem Jahr in Bonn ein Heimspiel gibt. Hier haben fast alle unsere Projekte ihren Sitz“, sagt Helmut Schubach vom Musikrat. „Letztes Mal war der Workshop in Ulm.“

Den zwölf Teilnehmern stehen in Bonn die „Almost Famous Big Band“ des Amos-Comenius-Gymnasiums und die „B4 Big Band“ der Musikschule Bonn zum Üben zur Verfügung. „Es ist für uns eine Ehre, unter der Leitung von Jiggs Whigham an der Veranstaltung teilzunehmen“, sagt Musiklehrer und Big-Band-Leiter Christoph Müller. Auch seine Schüler sind begeistert. „Es macht viel Spaß, Neues auszuprobieren“, so die 15-jährige Hanna-Lotta Lehmann, die Waldhorn in der Band des Gymnasiums spielt.

„Die Dozenten geben wirklich gute Tipps“, resümiert Teilnehmer Matthias Strauch aus Schwerin. Er leitet dort seit drei Jahren eine Big Band. „Ich denke viel darüber nach, welche der hier gelernten Techniken ich bei meinem Orchester anwenden kann.“ Der Workshop läuft noch bis Sonntag, dann verabschieden sich die Dirigenten mit einem nicht öffentlichen Konzert aus Bonn.