Geplanter Abriss der Markuskapelle: Demo zum Abschied

Geplanter Abriss der Markuskapelle : Demo zum Abschied

Das Publikum war überschaubar bei der Demonstration, die am Donnerstagfrüh vor der Marienkirche zu beobachten war. Unklar blieb dabei, ob es am trüben Regenwetter oder am Thema lag.

Zehn Teilnehmer waren dem Aufruf der Wählervereinigung "Die Godesberger" gefolgt, die damit ihrem Protest gegen den geplanten Abriss der benachbarten Markuskapelle Ausdruck verleihen wollten, während sich im Inneren der Pfarrkirche rund 20 Gläubige zur Frühmesse versammelt hatten.

Am Abriss der Kapelle dürfte die Aktion indes nichts mehr ändern. Denn dass es gegen die Pläne der Katholischen Kirche keine politische Handhabe gibt, nahmen am Mittwochabend einmal mehr die Vertreter der Bezirksvertretung zur Kenntnis.

Dort war es mit Juppi Schaefer ebenfalls ein Vertreter der Wählerinitiative gewesen, der das Thema Markuskapelle mittels eines Bürgerantrags auf die Tagesordnung gesetzt hatte. Die Kapelle dürfe schon allein deshalb nicht abgerissen werden, weil sie eines der wenigen kulturellen Denkmäler sei, das die sogenannte Altstadtsanierung überstanden habe, so Schäfer.

Die Kapelle sei ein Kleinod, „sie wird genutzt und geliebt. Wir müssen zusammenhalten, um sie zu schützen“. Er forderte eine öffentliche Infoveranstaltung, in der der Bauherr seine Pläne den Bürgern vorstellen solle.

Das Ansinnen unterstützten die anderen Parteien. Sie beauftragten die Verwaltung einstimmig, den Bauherrn zu bitten, die Versammlung schnellstmöglich durchzuführen. Außerdem sollen die Pläne in den entsprechenden politischen Gremien vorgestellt werden - und zwar schnellstmöglich, bevor Genehmigungen erteilt werden.

"Die Markuskapelle ist kein Denkmal, aber für viele ein Stück Heimat", sagte Marcel Schmitt (Bürger Bund Bonn). Wenn man das Bauwerk nicht in Gänze erhalten könne, sollten wenigstens Teile in einen Neubau integriert werden. Er könne nachvollziehen, dass einige Godesberger mit Unverständnis auf die Abrissgenehmigung reagierten, sagte Ulli Hauschild (FDP). Schließlich handele es sich um eine intakte und eingerichtete Kapelle.

Wie berichtet, steht die Kapelle aus dem 19. Jahrhundert auf dem Teil eines Grundstücks, für das die Katholische Kirche umfassende Pläne hat. So soll die Baulücke zwischen City-Terrassen und dem CBT-Wohnhaus Markusstift geschlossen werden. Auf der gesamten Fläche, von der auch die Kapelle weichen soll, werden ein neuer Kindergarten der katholischen Kirchengemeinde Sankt Marien und ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt mit insgesamt 22 Wohnungen entstehen.

Auf die vereinzelten Proteste aus der Bürgerschaft hatten sowohl die Untere Denkmalbehörde als auch private Institutionen reserviert reagiert.

Die Baulücke soll stadtgestalterisch geschlossen werden

So hegt etwa Pitt Hoffmann als Vorsitzender des Vereins Haus & Grund Bad Godesberg keinen Zweifel daran, dass die Verweigerung der Denkmaleigenschaft rechtens sei und die Baulücke stadtgestalterisch geschlossen werden müsse. Zugleich rät er der Kirche als Bauherrin jedoch zu Fingerspitzengefühl.

Er schlägt deshalb konkret vor, nicht nur die zukünftige Gebäudewand mit dem Tuffstein der Erinnerung an die Kapelle wegen zu verkleiden, sondern die komplette, der Burgstraße zugewandte Wand der Kapelle inklusive Fenster in den neuen Bau zu integrieren. "Architekt Ralph Schweitzer sollte diese Idee auf ihre Machbarkeit hin überprüfen", so Hoffmann.

Auch nach Auffassung der städtischen Denkmalschützer erfüllt die Kapelle die Voraussetzungen einer Unterschutzstellung nicht. Allerdings ist die Abrissgenehmigung mit Auflagen verbunden. Dazu zählt, dass die Kapelle von außen und innen zu dokumentieren ist, dass gestaltete Architekturteile wie Säulen und Kapitelle zu sichern und die Abbrucharbeiten von einem Archäologen zu überwachen sind.

Beim Abbruch könnten nämlich Reste des Vorläufers der jetzigen Kapelle aus dem zwölften Jahrhundert zutage kommen. Seitens der Kommunalpolitik hatte sich neben den "Godesbergern" lediglich der Bürger Bund Bonn entschieden gegen den Abriss gewandt.

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