Bad Bodendorf: Weinfest mit Beigeschmack

Bad Bodendorf : Weinfest mit Beigeschmack

Auf dem kleinsten Weinfest der Ahr gab es an Christi Himmelfahrt nur ein Gesprächsthema: Die drohende Aberkennung des Heilbad-Prädikats.

"Trotz der schlechten Nachrichten lassen wir uns die Laune nicht verderben." Bernhard Knorr, Vorsitzender des Heimat- und Bürgervereins Bad Bodendorf, gab bei der Begrüßung zum kleinsten Weinfest der Ahr an Christi Himmelfahrt das Tagesmotto aus. Denn der drohende Verlust des Heilbad-Prädikats und des Namenszusatzes Bad war Thema eins auf dem Festplatz am Bahnhof. Dort ging das Fest mit rekordverdächtigen Besucherzahlen in seine 19. Auflage.

"Wir werden uns die Millionen-Investitionen zum Erhalt des Heilbad-Prädikats nicht leisten können. Aber wir sollten uns über die Partei- und Ortsgrenzen hinweg für das Bad im Namen von Bad Bodendorf einsetzen", sprach Sinzigs Bürgermeister Wolfgang Kroeger bei der Eröffnung am Historischen Weinberg Klartext.

Unterdessen hat das Dorf schon reagiert. Helmut Weber, einer der ganz aktiven "alten Bad Bodendorfer", sammelte schon eifrig Unterschriften für einen Einwohnerantrag, der sich für die Erhaltung des Namens Bad Bodendorf ausspricht. "Das wird ein harter Kampf, der jetzt schon begonnen hat", zeigt sich Weber wie viele seiner Mitbürger entschlossen. Weber sah die Gesamtwicklung aber auch kritisch: "Bei der Suche nach dem neuen Schwimmbadpächter wurde 2009 das Leffeck-Konzept abgelehnt, das zumindest einige Voraussetzungen verbessert hätte."

Während die Goldbachmusikanten fröhlich aufspielten, quälte sich die Bad Bodendorfer Seele. Denn das unterhaltsame und erfolgreiche Weinfest rund um die 16 Rebstöcke im Historischen Wingert erinnert an den Verlust der Weinbautradition des Dorfes. Seit 1964 wird in Bad Bodendorf kein Wein mehr gekeltert.

Ausgerechnet eine Bürgerin der Stadt eröffnet das Aberkennungsverfahren

Und nicht nur die alteingesessen Bad Bodendorfer zitieren gern aus dem Vertrag mit der Stadt Sinzig, als das damalige Bodendorf im Zuge der Gebietsreform 1969 von Remagen nach Sinzig wechselte. Seinerzeit hatte die Stadt Sinzig versprochen, alles Notwendige für den Erhalt des Kurwesens zu tun. Der Bad-Titel kam erst im Mai 1972. Das Grundgefühl der "unterlassenen Hilfeleistung durch die Stadt" prägt die emotionale Grundlage vieler Bad Bodendorfer.

Sie zeigten beim Weinfest "herzlich wenig Verständnis" dafür, dass ausgerechnet Wirtschaftsministerin Eveline Lemke als Bad Bodendorfer Mitbürgerin "das Fass mit dem bitteren Inhalt Aberkennungsverfahren aufgemacht hat". Dafür gab's auch vom Kreisbeigeordneten Horst Gies Kopfschütteln. Er sagte dem General-Anzeiger: "Der Kreis wird alles tun, damit Bad Bodendorf seinen Namen behält." Gemeinsam mit seinem CDU-Landtagskollegen Guido Ernst will er die Bad-Frage auch in der CDU-Landtagsfraktion thematisieren.

Doch auch gefeiert wurde. Und auch das Rätsel um die große Besucherzahl wurde gelöst. Initiiert von Paul-Josef Schäfer vom Heppinger Weingut Burggarten und organisiert vom Verein Ahrwein gab es eine Wanderveranstaltung mit Ziel Weinfest Bad Bodendorf. Hunderte zusätzlicher Gäste kamen so zum Startpunkt des Rotweinwanderweges, dem Bad Bodendorfer Bahnhof.

An einem Stein prangt gemeißelt seit 1880 verheißungsvoll der Name: Bodendorf

Eröffnete wurde das Fest von Weinkönigin Alina Monreal aus Heimersheim. Der Heimat- und Bürgerverein hatte sich auf den Ansturm der Wanderer bestens vorbereitet.

Das Festgelände war vergrößert worden. Zahlreiche Vereine und der Ortsbeirat engagierten sich für das Gelingen des Festes, und auch die Gastronomie des Brunnenhofes war mit von der Partie. Die Dorffestküche brummte, und Wanderer von auswärts wurden flugs in die neue "Bad-Lage" einweiht.

Dabei warf mancher Einheimischer einen kummervollen Blick auf das Bahnhofsgebäude. Dort prangt in Stein gemeißelt seit 1880 schlicht der Name Bodendorf - angesichts der neuesten Entwicklungen fast schon eine Drohung für die nahe Zukunft.

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