Interview mit Pömpel-Weltmeister: Meckenheimer Aktionskünstler tritt im ZDF-Fernsehgarten auf

Interview mit Pömpel-Weltmeister : Meckenheimer Aktionskünstler tritt im ZDF-Fernsehgarten auf

Auf der Suche nach ungewöhnlichen Jonglierutensilien hat der Aktionskünstler Gerhard Donie aus Altendorf-Ersdorf "Pömpeldart" erfunden. Am Sonntag lässt er seine Pömpel durch den ZDF-Fernsehgarten fliegen. Mit dem 61-Jährigen sprach Mario Quadt.

Wie kommt ein Aktionskünstler auf die Idee, einen Pömpel auf einen Menschen zu werfen, respektive auf dessen Rücken?

Gerhard Donie: Der Pömpel hat bei mir zwei Geschichten. Ich habe in den 80er Jahren damit angefangen, mit Pömpeln zu jonglieren. Weil man damit sehr lustig jonglieren kann, habe ich Keulen nie wieder zur Jonglage gebraucht.

Wie lässt sich die Flugbahn so berechnen, dass die Seite mit dem Saugnapf am Ziel ankommt und nicht der Holzgriff?

Donie: Ich hatte sehr früh die Idee, mich so wie ein Messerwerfer im Zirkus mit dem Pömpel zu verhalten, also ihn auf eine Wand zu werfen und ihn zum Kleben zu bringen. Diese Analogie zum Messerwerfen gestaltete sich aber sehr schwierig. 2007 kam die Idee wieder hoch, als ich anfing, bei mir im Hof an einer hochgeklappten Tischtennisplatte zu üben. Ich hatte mir 50 Pömpel angeschafft.

Ist Pömpel gleich Pömpel?

Donie: Nein. Ich habe viele Modelle ausprobiert und mich dann für ein Modell entschieden, bei dem die Sauger aus Gummi sind und nicht aus Kunststoff. Die Länge der Stöcke habe ich ein wenig gekürzt, sodass sich dadurch das Drehmoment verbessert. Dass schließlich der Sauger und nicht der Stiel als Erstes ankommt, das muss man tatsächlich üben, bis man den Dreh raushat – im wahrsten Sinne. Nur wenn der Winkel stimmt, saugt der Pömpel sich auch fest.

Mit Ihren Pömpeln waren Sie bereits in Fernsehsendungen in China, Japan, Spanien, England oder Italien zu Gast. Wie reagieren die Menschen in fernen Ländern auf Ihre besondere Fähigkeit?

Donie: Die Japaner waren völlig aus dem Häuschen. Die hatten sogar eine komplette Fernsehsendung um diesen Weltrekord im Pömpeldart gemacht. Ich nahm an, meinen Weltrekordversuch zu machen und dann wieder weg zu sein. Die Leute, die sich für mich als Zielscheibe zur Verfügung gestellt haben, waren das Who is Who der japanischen Comedy-Elite. Tränen flossen, als ich aus 20 Humoristen zehn aussuchen musste. Daraufhin habe ich alle genommen.

Elf Millionen Fernsehzuschauer haben 2007 Ihren Auftritt bei „Wetten, dass ...?“ verfolgt. Warum ist Ihre Wette derart haften geblieben?

Donie: Der Kontext ist die Originalfunktion des Pömpels. Es ist ein Gegenstand, der im Sanitärbereich, auch in der Toilette, benutzt wird. Normalerweise würde man sagen, dass er im Alltäglichen nichts zu suchen hat. Der eigentliche Gag ist ja das Aufpfropfen und das Geräusch dazu. Die Leute haben angefangen zu toben, als in Basel bei „Wetten, dass ...?“ das erste 'Plopp' zu hören war, als der erste Pömpel sein Ziel traf. Ich dachte, es pfeift mir die Hose weg.

„Wetten, dass ...?“ war Jahrzehnte lang Quotengarant in der TV-Landschaft. Glauben Sie, ein Comeback der Sendung wäre möglich?

Donie: Ein Comeback würde ich eigentlich ausschließen. Wobei: Alles ist ja immer Wellenbewegungen unterworfen. Es gab ja eine Zeit lang die Guinness-Shows, mit denen ich auch durch die Welt getourt bin. Es gab einen großen Hype, und dann hat das wieder nachgelassen.

Diesmal werfen Sie die Gummisauger nicht auf Zielscheiben, sondern auf durchtrainierte Kraftpakete vom Kickboxverein Tomburg. Wie haben Sie die starken Kerle aus Wormersdorf überzeugt, sich mit Pömpeln bewerfen zu lassen?

Donie: Dieses Mal ist zu meiner großen Freude auch eine Frau dabei. Ich habe einfach gefragt. Ich bin dorthin gegangen, weil mein Sohn dort trainiert. Letztes Jahr brauchte ich für eine ZDF-Sendung, in der die Wette nachgestellt wurde, zehn Leute, die ich bepömpeln durfte. Der Chef des Kickboxvereins, Willi Zinken, hat mir das ermöglicht. Danach habe ich gefragt, ob ich dort das Pömpeln trainieren darf. Wenn ich viel pömpele, merke ich das in der Wurfqualität. Immer, wenn die Kickboxer mit dem Training fertig sind, darf ich dazukommen, und die stellen sich dann für mich auf. Als Kickboxer sind diese Jungs und Mädels an Abhärtungstraining gewöhnt.

In über 100 Sendungen wie „Jux und Dallerei“ und „Koffer Hoffer“ durften wir Sie an der Seite von Karl Dall als Butler Enno von Schwerin bewundern. Was muss das Fernsehen tun, um heute gegenüber Streamingdiensten und anderen digitalen Angeboten zu bestehen?

Donie: Bestehen kann nur, wer die Entwicklung mitgeht. Kommerzialisierung ist eine starke Triebfeder und nicht immer positiv zu sehen. Der Sport, vor allem der Fußball, geht aus dem frei empfangbaren Fernsehen raus und ins Bezahlfernsehen. Meine Generation, das Stammpublikum traditioneller TV-Sendungen, hält im Moment noch die TV-Landschaft stabil. Dass die Jugend sich ihre eigenen Stars schafft, ist nichts Neues. Stars, die einen großen Menschenauflauf verursachen, während die älteren Zuschauer diese nicht mal kennen. Wir erleben zum einen einen Trend hin zum individuellen Schauen, weg vom Fernseher hin zu den Kleingeräten, die jeder mit sich führen kann, und zum anderen den Gegentrend zum gemeinschaftlichen Erleben, wie das „Rudelgucken“.

Ihr Weltrekord im Guinnessbuch der Rekorde liegt bei 15 Treffern innerhalb von einer Minute. Ist das schon das Ende der Fahnenstange?

Donie: Ich brauche pro Pömpel zwischen zwei und drei Sekunden. Dann würde das Limit zwischen 20 und 30 Treffern pro Minute liegen. Letztlich hängt es davon ab, dass alle sitzen. Dann kann man an die 30 schaffen – das wäre eine ziemlich gute Nummer. Aber gerade der Umstand, dass man das Klebenbleiben der Pömpel auf dem Rücken nicht zu 100 Prozent kalkulieren kann, macht die Sache spannend und zu einem echten Sport. Ich möchte betonen, dass das Spiel Pömpeldart zunächst einmal daraus besteht, die Pömpel an eine Platte zu werfen und zum Haften zu bringen. Die 'Deluxe-Variante', der Wurf auf einen Rücken sollte erst probiert werden, wenn man in der Lage ist, den Pömpel vornehmlich mit dem Gummiteil an die Wand zu bringen.

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