Einkaufszentrum: Viele Roisdorfer befürchten Schleichverkehr und Lärm

Einkaufszentrum : Viele Roisdorfer befürchten Schleichverkehr und Lärm

Bei der Einwohnerversammlung zum Bebauungsplan für das neue Roisdorfer Einkaufszentrum machen die Anwohner ihrem Ärger Luft. Dabei beschweren sie sich auch über unangekündigte Rammarbeiten, die Schäden an umliegenden Häusern hinterlassen haben.

Auf die „Polemik“ und die „Unterstellungen“ der Anwohner rund um das neue Roisdorfer Einkaufszentrum (EKZ) wollten Bornheims Erster Beigeordneter Manfred Schier und der Leiter des Amtes für Stadtplanung, Andreas Erll, nicht eingehen. Zur Kenntnis nehmen mussten sie die teils emotionale, aber auch sachlich vorgetragene Kritik, die bei der Einwohnerversammlung im Ratssaal geäußert wurde, jedoch sehr wohl.

Dass die Bürger in Sachen EKZ überhaupt noch einmal ins Boot geholt wurden, ist ungewöhnlich: Der Grund liegt in einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster. Dieses hatte entschieden, dass die Stadt bei der ersten Aufstellung des Bebauungsplans kein beschleunigtes Verfahren hätte wählen und somit beispielsweise nicht auf eine detaillierte Umweltprüfung hätte verzichten dürfen.

Wie berichtet, muss nun das Bauplanverfahren Ro 17 und die damit verbundene Änderung des Flächennutzungsplans neu aufgerollt werden. Teil des Bauplanverfahrens ist immer eine Bürgerbeteiligung – auch dann, wenn die Bürger bereits vor vollendeten Tatsachen stehen: Der erste Teil des Roisdorfer Einkaufszentrums an der Bonner Straße ist samt Zufahrt über einen Kreisverkehr realisiert und seit vergangenen September in Betrieb. Am zweiten Bauabschnitt zwischen Schumacherstraße, Siegburger Straße, Bahngelände und Widdiger Weg wird fleißig gearbeitet. Laut Friederike Schweer vom Planungsbüro BKI kann das „Suti Center“ sein Angebot bald durch einen Discounter, einen Drogeriemarkt, ein Bekleidungsgeschäft und weitere Einzelhändler ergänzen.

Gesprächsangebot der Stadt

Zumindest auf einige Punkte der weiteren Planung versuchten rund 50 Betroffene im Ratssaal Einfluss zu nehmen: Die Anwohner der Mainzer Straße forderten etwa die Garantie, einen möglichen Schleichverkehr zum Einkaufszentrum zu unterbinden. Anwohner der Schumacherstraße fürchten Durchgangsverkehr vom Widdiger Weg um das EKZ herum zur Schumacherstraße. Darauf, wie dies zu unterbinden sei, zumal der Anlieferverkehr über die beiden Straßen erfolge, gab es noch keine schlüssige Antwort seitens der Verwaltung.

Die an vier unterschiedlichen Stellen befindlichen Anlieferzonen warfen außerdem Fragen zum Rangierverhalten der Lkw sowie zur damit verbundenen Lärmbelästigung auf. Ebenfalls noch nicht klar ist, was mit dem Teil der Schumacherstraße geschieht, der von der Stadt an den Investor verkauft wurde. Baurechtlich hätte der Investor die Möglichkeit, auch diese zu überdachen. Für das ebenfalls zum Bebauungsplan gehörende Areal, auf dem das Apothekengebäude steht, wurde bisher kein Bauantrag gestellt. Die Zufahrt zur Parkfläche auf dem Dach des noch zu errichtenden Gebäudekomplexes soll über den Widdiger Weg erfolgen. Insgesamt stehen dann für 13 500 Quadratmeter Einkaufsfläche 534 Stellplätze zur Verfügung.

Ortsvorsteherin Gabriele Kretschmer echauffierte sich als direkt betroffene Anwohnerin besonders über die Rammarbeiten, die den Anliegern im vergangenen Dezember nicht nur den Schlaf raubten, sondern offenbar auch Schäden an umliegenden Häusern hinterließen. „Wir wurden nicht über die Rammarbeiten informiert, es gab vorab keine gutachterliche Begehung. Somit sind die Anwohner in der Beweispflicht“, monierte sie.

Sie stellte die Frage, welchen Einfluss die Stadt auf das Gründungsverfahren hätte nehmen können. „Die Baugenehmigung wurde auf Basis gesetzlicher Vorgaben erteilt“, erklärte Schier. Kretschmer hielt entgegen, warum diese Vorgaben dann nicht überprüft würden. „Es waren die Bürger, die einschreiten mussten.“ Letzteres sei auch der Grund, warum die Roisdorfer so aufgebracht seien, sagte ein anderer Anwohner. „Man hat das Gefühl, das die Stadt eher im Interesse des Investors als im Interesse der Bürger handelt.“ Nun will sich Schier mit Ortsvorsteherin Kretschmer und einzelnen Anliegern zusammensetzen.

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