Bürgerradio aus Bornheim: Studio Merten ist seit 25 Jahren auf Sendung

Bürgerradio aus Bornheim : Studio Merten ist seit 25 Jahren auf Sendung

Otto Ganser und sein Team vom Bürgerradio aus Bornheim feiern ein Vierteljahrhundert ehrenamtliche Rundfunkarbeit. Und Schluss soll noch lange nicht sein.

Es war der 12. März 1992, als Otto Ganser erstmals mit dem Bürgerradio Studio Merten auf Sendung ging. Die Vorbereitungen hatten bereits einige Monate vorher begonnen. 25 Jahre später nutzte Ganser genau diesen Umstand, um das Silberjubiläum des Bürgerradios mit der Feier seines 70. Geburtstags im Dezember zu verbinden. Neben vielen aktiven und ehemaligen Mitarbeitern, Gönnern und Unterstützern, Freunden, Nachbarn und Verwandten überbrachten in der Mertener Gaststätte „Zur Schmiede“ am Samstagabend auch zahlreiche Ehrengäste ihre Glückwünsche. Einige von ihnen hatten bereits selbst einmal Platz auf dem gemütlichen Sofa des Studios in Gansers Privathaus genommen – und konnten so von ihren eigenen Erfahrungen mit dem Bürgerradio berichten.

„Beeindruckt“ zeigte sich der ehemalige Bundesumweltminister und aktuelle Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags, Norbert Röttgen (CDU), von dem hohen Qualitätsanspruch, den sich das Studio Merten über die Jahre hinweg erhalten habe. Eine große Rolle spiele für ihn der Gedanke der Partizipation. „Die Bürger konsumieren nicht nur, sie können auch selbst produzieren und mitgestalten“, so Röttgen. Der Bundestagsabgeordnete Sebastian Hartmann (SPD) hob hervor, dass den Studiogästen Raum für ausführliche Antworten gegeben werde: „Auf manche Fragen gibt es einfach keine kurzen Antworten.“ Auch Bornheims Bürgermeister Wolfgang Henseler würdigte das Lebenswerk Gansers: „Wir können stolz sein, ein so tolles Studio in Bornheim zu haben.“

Tausende Hörer aus der Region verfolgen jeden Donnerstag und seit kurzem auch an jedem letzten Samstag im Monat ab 21.04 Uhr das Programm, das über Radio Bonn/Rhein-Sieg zu empfangen ist. Ganser und sein rund zehnköpfiges Team arbeiten ehrenamtlich, die Studioeinrichtung finanzierte der Studioleiter überwiegend aus privaten Mitteln.

Überhaupt möglich wurde das alles durch ein neues NRW-Landesrundfunkgesetz und den Start der ersten privaten Lokalsender im Jahr 1990. Eingebunden innerhalb des Programms der kommerziellen Lokalsender konnten nun die Bürgerradios bis zu 15 Prozent der täglichen Sendezeit ein eigenes, unabhängiges, nichtkommerzielles Programm gestalten.

Viele Radiowerkstätten hätten ihr Programm wieder einstellen müssen, berichtete der Vorsitzende der Veranstaltergemeinschaft von Radio Bonn/Rhein-Sieg, Franz Hofmann. „Aber Otto ist eine Marke – und die steht. Otto hat durchgehalten.“ Radio Bonn/Rhein-Sieg-Chefredakteur Jörg Bertram beneidete seine Kollegen vom Studio Merten gar um ihre Möglichkeiten. „Ihr könnt viel mehr in die Tiefe gehen und den Interviewpartnern mehr Zeit geben“, sagte Bertram. Dem pflichtete Ganser voll und ganz bei: „Bei uns können die Gäste aussprechen“, meinte er. So lange es seine Gesundheit zulasse und es ehrenamtliche Mitarbeiter gebe, wolle er das Bürgerradio weiter betreiben.

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