Politiker in sozialen Netzwerken: Markus Beckedahl: Wahlen gewinnt man nicht mit Bratwurstbildern

Politiker in sozialen Netzwerken : Markus Beckedahl: Wahlen gewinnt man nicht mit Bratwurstbildern

Der Social-Media-Experte Markus Beckedahl beobachtet die Aktivitäten von Parteien und Politikern in sozialen Netzwerken. Die Qualität des Auftritts sei entscheidend, sagt er.

Wie erreicht man als Politiker die Bürger? Eignet sich ein soziales Netzwerk besonders? Was sollte man über die digitalen Kanäle mitteilen? Als Gründer und Chefredakteur von netzpolitik.org, einer Plattform zu netzpolitischen Themen, beschäftigt sich der gebürtige Bonner Markus Beckedahl seit über 20 Jahren mit Politik in der digitalen Gesellschaft. Während der Bundestagswahl hat er die Social-Media-Aktivitäten der Parteien und ihrer führenden Köpfe verfolgt.

Seiner Ansicht nach ist es sinnvoll, nicht auf zu vielen Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen: „Wenn die Politiker überall unterwegs wären, dann hätten sie keine Zeit mehr für die eigentliche Arbeit.“ Es fielen ihm auch nur wenige Beispiele ein, bei denen sich etwa der Aufwand für neuere soziale Netzwerke wie Snapchat gelohnt hätte. „Facebook spielt für Politiker aller Couleur die größte Rolle, allein weil da die meisten Leute unterwegs sind“, sagt Beckedahl. Wer Multiplikatoren und die Netzöffentlichkeit erreichen wolle, müsse sich auch bei Twitter einbringen. „Hier sind viele Verbandsvertreter und Journalisten unterwegs. Dort wird man als relevante Stimme eher wahrgenommen.“ Was bei Facebook untergehe, werde dort öfter verbreitet.

Lieber Themen setzen als nur Fotos posten

Knackpunkt ist die Wahl der Inhalte. Das Problem sei, dass viele Politiker „eher Bratwurstbilder posten, statt Themen aufzugreifen, die sie für die Kommune vertreten“. Die Dokumentation von Veranstaltungen im Wahlkreis sei eher etwas wie ein Rechenschaftsbericht für die Parteimitglieder, die sie wiederwählen müssten. Für die Bürger habe sie keinerlei Mehrwert. Gerade auf lokaler Ebene, empfiehlt Beckedahl, sollten die Abgeordneten klarmachen, wofür sie stehen und für welche kommunalen Belange sie sich in Berlin einsetzen wollen.

„Wenn Politiker nur so eine Bratwurstberichterstattung machen, merken sie schnell, dass sich das nicht lohnt, weil es nicht zu neuen Fans oder Followern führt.“ Das sei auch der Grund, warum Politiker den persönlichen Kontakt zu den Menschen so wichtig einschätzen. Wahlkreispolitiker stünden zudem vor der besonderen Herausforderung, dass sie abwägen müssen, welche Fragen von Nutzern Priorität bekommen. Das führe soweit, dass Politiker, die nicht über die Landeslisten, sondern über das Direktmandat in den Bundestag einziehen wollen, nur noch Bürgeranfragen aus dem eigenen Wahlkreis beantworten.

Auf den Mix kommt es an

Er kenne nach wie vor kein Beispiel, bei dem ein Politiker online eine Wahl gewonnen habe, so Beckedahl. Eine digitale Strategie sei wichtig, aber nicht ausreichend. Am erfolgreichsten seien deutsche Politiker immer noch, wenn sie eine gute Mischung aus Wahlkampf offline vor Ort und online in sozialen Netzwerken betreiben.

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