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Kulturgeschichte in Siegburg: Ein neuer Weg für den jüdischen Friedhof

Kulturgeschichte in Siegburg : Ein neuer Weg für den jüdischen Friedhof

Aus Sicherheitsgründen war die Ruhestätte in der Siegburger Innenstadt ein Jahr lang gesperrt. Führungen sind wieder möglich.

Mitten in der Stadt liegt er hinter Mauern verborgen, der jüdische Friedhof an der Heinrichstraße. Ein Ort der Ewigkeit, dessen Ursprünge bis ins Mittelalter reichen. Ein geschichtsträchtiger Ort mit 364 Grabsteinen, dessen Eingangsportal mehr als ein Jahr fest verschlossen war. Ein Unwetter hatte im Juli 2015 im bewaldeten Teil gewütet, die Verkehrssicherheit war nicht mehr gegeben. Die Stadt ließ den Friedhof in der Folge so herrichten, dass zumindest ein Teil wieder zugänglich ist. Die Arbeiten sind nun abgeschlossen. Die Friedhofspforte öffnet sich aber, wie in der Vergangenheit, nur für Führungen.

Das war ursprünglich anders gedacht. Mit dem Bau des Seniorenzentrums auf dem Nachbargrundstück war vor zwei Jahren der Gedanke gewachsen, den Friedhof zumindest für die Bewohner des Seniorenzentrums zu öffnen. Das etwa 14 000 Quadratmeter große Areal erhielt einen neuen Brunnen, der alte Bachlauf wurde wieder freigelegt, der Zaun zum Seniorenzentrum bekam zwei Tore. „Der Friedhof hat ab sofort immer eine offene Tür“, hatte Bürgermeister Franz Huhn bei der Einweihungsfeier Ende Juni 2015 versprochen. Nur wenige Tage später mussten die Türen aber schon wieder verschlossen werden.

Der heftige Hagelschauer am 5. Juli 2015 richtete auch auf dem jüdischen Friedhof, der viel alten Baumbestand hat, Schaden an. „Es lag Geäst kreuz und quer“, erinnerte sich Huhn am Freitag. Da die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet war, habe die Stadt vor einer schweren Entscheidung gestanden: „Entweder wir holzen viele Bäume ab, oder wir überlegen uns eine Alternative, um den Friedhof wenigstens partiell wieder öffnen zu können“, so Huhn.

Die Verwaltung entschied, den Wald bis auf wenige morsche Bäume zu erhalten und etwa ein Drittel des Geländes begehbar zu machen. In enger Abstimmung mit der städtischen Denkmalbehörde und der Jüdischen Gemeinde Nordrhein entstand ein neuer etwa 1,40 Meter breiter Weg, der in einem Bogen zum Hochplateau hinaufführt. Er ist mit „Müllerkalk“, einem hellbeigen Kalkschotter, befestigt und mit einem Holzgeländer gesichert. Vom Hochplateau aus blicken die Besucher auf ein Gräberfeld, aus der Nähe dürfen sie die Grabsteine indes nicht mehr betrachten. 10 400 Euro hat die Stadt investiert.

„Ich bin traurig, dass wir den jüdischen Friedhof nicht ganz öffnen können“, sagte Huhn. Aber immerhin bleibe er weiter erlebbar. „Damit setzen wir ganz bewusst ein Zeichen in Zeiten, in denen sich so viel auseinanderbewegt“, sagte der Bürgermeister. „Es geht auch miteinander.“

Die nächste Führung über den jüdischen Friedhof bietet Kreisarchivarin Claudia Maria Arndt am Mittwoch, 26. Oktober, ab 16.30 Uhr an. Der Eintritt ist frei. Männliche Besucher sollten eine Kopfbedeckung tragen.