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Existenzgründung mit Hindernissen: Schlaflose Nächte und ein Happy End

Existenzgründung mit Hindernissen : Schlaflose Nächte und ein Happy End

Diebe räumen die Oldtimerwerkstatt von Alexander vom Feld aus. Freunde und Familie helfen ihm, die Werkstatt neu aufzubauen und seine Firma zu gründen.

Selbstständigkeit heißt bekanntermaßen „selbst“ und „ständig“ arbeiten zu dürfen. Ebenso bekannt ist, dass „aller Anfang schwer“ ist. Doch was ist graue Theorie, wenn man tatsächlich den Schritt zum Aufbau einer beruflichen Existenz wagt? Ein echtes Abenteuer mit Höhen und Tiefen, schlaflosen Nächten und kleinen Glücksmomenten. Und zumindest für Alexander vom Feld hat das Abenteuer nun auch ein Happy End. Vor wenigen Tagen eröffnete der 25-Jährige in Troisdorf-Bergheim seine Young- und Oldtimer-Fachwerkstatt „Einsteins Garage“.

Mit aufwendigen Restaurierungen und Spezialumbauten von BMWs ist der junge Kfz-Meister in der nationalen Szene längst bekannt. Bundesweit gibt es nicht einmal eine Handvoll ähnlicher Anbieter, sagt vom Feld. „Der Wunsch zur Selbstständigkeit war immer da“, erklärt der Siegburger, dem das Schrauben an Motoren im Blut liegt: Im Alter von zwölf Jahren hatte er sich für 50 Euro ein gebrauchtes Mofa vom Schrottplatz zum Experimentieren gekauft, „natürlich hinter dem Rücken meiner später wenig begeisterten Eltern“. Es dauerte nicht lang, da wurde der Schüler als schraubender „Einstein“ bekannt und der Carport vor dem Elternhaus zum Rollertreff. Der Spitzname war geboren. „Meine Nachbarn fanden das nicht so toll“, erinnert sich vom Feld mit einem Schmunzeln.

Auf dem Schrottplatz lernte er das professionelle Schrauben, im Alter von 17 Jahren wurde das erste eigene Auto zum Aufmöbeln gekauft, nach der Schule gleich eine Kfz-Ausbildung gestartet. „Schon im ersten Lehrjahr hatte ich meine erste eigene Hobbywerkstatt, und mit 19 Jahren meinen ersten Spezialumbau gemacht. Jeder Cent vom Taschengeld floss ohne Umwege in Werkzeug und Autoteile. Und heute kenne ich wirklich jede einzelne Schraube am BMW E30 in- und auswendig.“

Drei Wochen vor der abschließenden Meisterprüfung in Koblenz dann der Rückschlag, der Alexander vom Feld bis heute nicht ruhen lässt. „Ich habe viel gelernt, war zu wenig in der Werkstatt. In der Zeit haben mich Einbrecher ausgekundschaftet.“ An einem Wochenende zerplatzte der Traum vom eigenen Unternehmen mit einem Einbruch: „Meine komplette Existenzgrundlage, alles was ich aufgebaut hatte, war weg.“ Sämtliche Spezialwerkzeuge, teure Felgen, drei Schweißgeräte, Werkzeugwagen, elektrische Geräte und zwölf komplette Radsätze von der Familie und Freunden sind bis heute nicht mehr aufgetaucht. Auf dem Schaden in Höhe von rund 50.000 Euro an seiner Hobbywerkstatt blieb vom Feld sitzen. Die Versicherung zahlte nur einen Bruchteil. „Auch ein von mir mühsam aufgebautes Fahrzeug, das kurz vor der Begutachtung durch den TÜV war, haben die Einbrecher schwer beschädigt.“

Seinen Meister machte der Siegburger dennoch. Doch ohne Geld und Material schien der Traum von der eigenen Werkstatt geplatzt, „und um einen Job hatte ich mich natürlich nicht gekümmert, weil ich ja ganz andere Pläne hatte.“ Neben der Wut und Enttäuschung kamen die Zukunftssorgen, aber es kamen auch die Familie und Freunde. Und die packten mit an, erinnert sich vom Feld heute noch gerührt: Mit einem privaten Darlehen, einem Ratschenkasten, etwas „Kleinkram“ und einer Hebebühne baute er sich Ende 2015 in einer kleinen Halle eine neue, kleine Hobbywerkstatt auf.

Sein Spezialgebiet sprach sich schnell herum. Kunden aus dem In- und Ausland riefen ihn an. Die Nachfrage ist heute derart groß, dass sich vom Feld am 1. Oktober den Traum vom richtigen Young- und Oldtimer-Betrieb erfüllte und seine „Einsteins Garage“ in Bergheim eröffnete. Die Auftragsbücher sind schon gut gefüllt, die ersten Spezialaufträge wie den Einbau von leistungsstärkeren und optimierten Motoren laufen auf Hochtouren. Einen Einbruchschutz hat vom Feld natürlich ebenso wie eine gute Versicherung. „Aber noch wichtiger sind echte Freunde und die Familie. Das darf man nie unterschätzen. Denn ohne diese Unterstützung wäre das alles nicht möglich gewesen.“