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Siegtalradweg in Windeck: Streit um neue Radwegbrücke an der Sieg

Siegtalradweg in Windeck : Streit um neue Radwegbrücke an der Sieg

Der Siegtalradweg zwischen Windeck-Dreisel und Windeck-Schladern soll durch eine Brücke ergänzt werden. Der Landschaftsbeirat der Unteren Landschaftsbehörde hat davon abgeraten, dem Bau durch das Naturschutzgebiet Sieg zuzustimmen. Jetzt brodelt es zwischen Kreisverwaltung und Beirat.

Für Radfahrer ist er ein schöner Ausflugsort, für den Beirat der Unteren Landschaftsbehörde Siegburg ein Streitpunkt: der Abschnitt des Siegtalradweges zwischen den Windecker Ortsteilen Dreisel und Schladern. Der Rhein-Sieg-Kreis plant schon seit Jahren, den Weg zu optimieren. Bisher führt er über den Maueler Berg, künftig soll es eine Wegeführung mit neuer Siegbrücke geben. Das Problem ist, dass dieser Neubau im Naturschutzgebiet Sieg liegen würde. Dort gelten besonders strenge Regeln, da das Flussbett mitsamt angrenzendem Ufer unter den Flora-Fauna-Habitat-Richtlinien (FFH) der Europäischen Union steht. Der Landschaftsbeirat will die Planung nicht mitragen: Er macht der Kreisverwaltung Vorwürfe. Diese hält die Planung jedoch für verträglich.

Derzeit führt der Radweg hinter der Siegbrücke in Dreisel über den Maueler Berg und geht dann weiter bis nach Mauel. Der Kreis hält diese Wegeführung für unzumutbar, zumal er die Wege familienfreundlich gestalten will. Radfahrer müssen am Maueler Berg einen Höhenunterschied von 70 Metern und eine Steigung von bis zu zwölf Prozent überwinden. Das Planungsamt des Kreises setzt deshalb auf einen Lückenschluss zwischen den Straßen „Am Scheffenhof“ in Dreisel und der Schönecker Straße in Schladern. Dieser 1,1 Kilometer lange Weg soll über eine Spannbandbrücke in Holzbauweise führen, über die Radler die Sieg überqueren können.

Die ebenfalls beim Kreis angesiedelte Untere Landschaftsbehörde (ULB) muss zunächst eine Befreiung von den Naturschutz-Auflagen erteilen. Davon hat der Landschaftsbeirat, ein beratendes Gremium der ULB, in seiner jüngsten Sitzung abgeraten. Vorsitzender Siegfried Cunz sieht das größte Problem in der dadurch aufkommenden wilden Freizeitnutzung des Schutzgebietes – mit allen Konsequenzen wie „leeren Bierflaschen bis in die Sieg hinein“. Außerdem zweifelt er die Prüfungen hinsichtlich des Naturschutzes an, die der Kreis in Auftrag gegeben hat: „Die uns vorgelegte Artenschutz- und FFH-Untersuchung des Planungsbüros war dilettantisch, weil unwahrscheinlich viele Fragen offen blieben und eine Fischuntersuchung nicht stattgefunden hat“, so Cunz. Auf GA-Anfrage wies der Kreis die Vorwürfe zurück. „Ich bin nicht darauf erpicht, in Konfrontation mit den Naturschützern zu gehen“, so Verkehrsplaner Sven Habedank. Aus Sicht der Verwaltung ist verfahrenstechnisch alles sauber gelaufen, zudem liege die Brücke im „artenschutzrechtlich unkritischsten Bereich“. Eine genauere Untersuchung der Fischfauna sei nicht nötig, da die Brückenpfeiler außerhalb des Wassers stehen würden, so der Kreis in einer Stellungnahme auf Anfrage. Außerdem seien – nach einer Beschwerde des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) beim Umweltministerium – die gemachten Untersuchungen vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) geprüft worden. „Es wurden keine fachlichen Defizite bemängelt“, so der Kreis weiter. „Wir halten auch die wilde Freizeitnutzung für unwahrscheinlich“, sagt Kreisplanungsdezernent Michael Jaeger.

Den Vorwurf, die Notwendigkeit eines neuen Weges nicht ausreichend zu begründen, weist der Kreis ebenfalls zurück. Zwei voneinander unabhängige Befahrungen der Strecke seien zum Ergebnis gekommen, dass der Maueler Berg als „gravierender Engpass unstrittig“ sei, betont die Verwaltung. So hatten sich nicht nur der Kreis, die Gemeinde Windeck und Tourismusexperten, sondern auch der Allgemeine Deutsche Fahrradclub die Strecke angeschaut. Außerdem verweist der Kreis auf den Zuspruch in Windeck: Dort sei die Planung mit großer Mehrheit beschlossen worden. Auch hätten Bürgervereine im Jahr 2010 rund 4000 Unterschriften für die Umsetzung des Projekts gesammelt.

Die Stimmung zwischen Beirat und Kreis ist aufgeheizt, Vorwürfe gibt es auf beiden Seiten. Cunz: „Ich kann der Unteren Landschaftsbehörde nur wünschen, auch für die weitere gute Zusammenarbeit, die Genehmigung nicht zu erteilen.“ Die Entscheidung solle im Sinne des Naturschutzes und nicht des Tourismus' getroffen werden. Die Kreisverwaltung prüft indes, dem Kreisausschuss einen Beschlussvorschlag zu unterbreiten, der sich über die Haltung des Landschaftsbeirates hinwegsetzt.