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50 Jahre Kreisarchiv: Geschichte am laufenden Meter

50 Jahre Kreisarchiv : Geschichte am laufenden Meter

Das Kreisarchiv feiert 50-jähriges Bestehen. Ausstellung zeigt die Entwicklung des Kreises mit Illustrationen, Ansichtskarten und Protokollen.

Blaue Pappkartons bis unter die Decke und das meterweit. Hinter diesen unscheinbaren Kisten verbirgt sich die Geschichte des Rhein-Sieg-Kreises: Seit 1989 besagt ein Gesetz, dass jeder Kreis in Nordrhein-Westfalen seine wichtigen Dokumente in einem Archiv aufbewahren muss. „Uns gab es schon früher. 50 Jahre Kreisarchiv, das ist schon eine ganze Menge“, sagt Kreisarchivarin Claudia Maria Arndt. Das Archiv des Rhein-Sieg-Kreises wurde bereits 1966 eingerichtet und sammelt seitdem alle den Kreis betreffenden relevanten Akten und sonstiges Archivgut. Am Freitag, 14. Oktober, feiert das Archiv sein 50-jähriges Bestehen.

Der Landkreis Bonn hat das hauptamtlich besetzte Kreisarchiv 1966 gegründet. Die Bestände und das Personal übernahm 1969 der Siegkreis, der im gleichen Jahr auch erweitert wurde und seinen heutigen Namen Rhein-Sieg-Kreis bekam. Der Standort blieb jedoch zunächst an der Bonner Mozartstraße. Dort war die Nebenstelle der Kreisverwaltung. Erst als das neue Siegburger Kreishaus 1981 fertiggestellt war, zog das Kreisarchiv allmählich dorthin.

Zum Jubiläum ist viel geplant: Manfred van Rey, der erste wissenschaftliche Archivar im Kreisarchiv, hält einen Vortrag zum Thema Sinn, Zweck und Nutzen von Archiven. Im Anschluss wird ein Imagefilm des Westdeutschen Werbefernsehens von 1972 gezeigt. Dieser porträtiert den damals noch jungen Rhein-SiegKreis.

Für Claudia Maria Arndt ist die geplante Gründung eines Fördervereins ein besonderer Höhepunkt der Veranstaltung. „Wir gehen schon ziemlich lange schwanger mit dieser Idee, und am Freitag ist eine gute Gelegenheit dafür“, sagt die Kreisarchivarin. Außerdem zeigen ausgestellte Illustrationen, Ansichtskarten und Protokolle die Geschichte des Kreises und dessen Entwicklung. „Wir haben zum Beispiel Fotos der einzelnen Landräte und Oberkreisdirektoren zusammengestellt. Man hat in der Regel nicht so den Überblick, wen es da alles gab“, so Arndt.

Archivalien gibt es aus jeder Ecke des Kreises. Pro Jahr werden rund 300 bis 400 Regalmeter Akten – es wird nicht in Stück gezählt – direkt aus dem Kreishaus an das Archiv abgegeben. Diese werden aufbewahrt und am Ende einer Frist nach Relevanz beurteilt. Nur etwa fünf bis zehn Prozent der Dokumente bleiben dann im Bestand erhalten. Dort gibt es keine Akte, die älter ist als 1816. Denn Kreise als untere staatliche Verwaltungsebene gab es erst, nachdem der Wiener Kongress das Rheinland und Westfalen dem Königreich Preußen zugesprochen hatte.

Neben Akten sammelt das Kreisarchiv auch andere Gegenstände und Abbildungen. „Wir kaufen mittlerweile nur sehr wenige Grafiken. Häufiger bekommen wir ein Depositum, eine Spende, beispielsweise von Vereinen. Diese nehmen wir dann, wenn sie später für die Kreisgeschichte relevant sein könnte“, so Arndt. Die promovierte Historikerin und ausgebildete Archivarin ist stolz auf die breite Sammlung des Archivs. So finden sich zum Beispiel Amtsblätter der königlichen Regierung zu Köln sowie Grafiken aus sämtlichen Städten und Gemeinden des Kreises in den klimatisierten Regalen im Keller des Kreishauses. Postkarten von 1898 zeigen den Margarethenhof in Königswinter und den Bahnhof Meckenheim. Auch die Burg Heimerzheim, der Brunnen in Roisdorf und der Wasemer Turm in Rheinbach zieren alte Illustrationen. Besondere Stücke der Sammlung sind die Kostüme eines Siegburger Karnevalsprinzenpaars aus den 70ern.

Alle Archivalien werden in eine Datenbank eingepflegt, normgerecht verpackt und klimatisiert aufbewahrt. „Während unserer Öffnungszeiten kann grundsätzlich jeder vorbeikommen. Die Beratung und Benutzung ist kostenlos“, so Arndt. Bei konkreten Themen ist aber eine kurze Vorankündigung nützlich, da die Archivmitarbeiter dann schon Archivalien heraussuchen können. „Hier ist es nicht wie bei einer Bibliothek, wo es einen Katalog gibt und man sich das Buch einfach aus dem Regal holt. Die Leute müssen beraten werden“, erklärt die Archivarin.