Heimischer Sojaanbau in Niederkassel: Auf dem Rheidter Geflügelhof leben 10.000 Hennen

Heimischer Sojaanbau in Niederkassel : Auf dem Rheidter Geflügelhof leben 10.000 Hennen

Die Landwirte Franz-Josef Telohe und Bernd Bulich kooperieren auf eine ganz besondere Weise. Der eine braucht hochwertiges Futter für seine Tiere, der andere baut es an und liefert gentechnikfreies Soja.

„Wenn meine Hühner glücklich sind, bin ich es auch“, so Franz-Josef Telohe, der Betriebsleiter des Rheidter Geflügelhofs Wirtz über seine 10.000 eierlegenden Hennen. Der landwirtschaftliche Familienbetrieb ist seit 50 Jahren auf die Geflügelhaltung mit regionaler Direktvermarktung spezialisiert. Gemeinsam mit Ehefrau Astrid, beide staatlich geprüfte Landwirte, führt Telohe den Bauernhof in der dritten Generation. Sehr wichtig war schon für seinen Schwiegervater das richtige Futter für die Hühner, denn er entschied sich schon früh für den Bau einer eigenen Futtermittelfabrik.

„Damals wusste man nicht so genau, was dem Futter alles beigemischt war, wie zum Beispiel Fischmehl. Das machte sich im Geschmack bemerkbar und verärgerte die Kunden“, erinnert sich Telohe. Probleme hatte man auch mit der notwendigen Beigabe von Soja, denn diese Pflanze enthält viel Eiweiß und ist damit unverzichtbarer Bestandteil im Hühnerfutter. Soja wurde hier nicht angebaut und musste aus dem Ausland importiert werden.

Um das Problem in den Griff zu bekommen, wurde im Arbeitskreis „Drüber und Drunter“, dem Telohe angehört, die Idee geboren, Soja hier anzupflanzen. Mit Landwirt Bernd Bulich aus Köln-Porz fand man einen Mann der Tat. „Das hat nicht von Anfang an funktioniert, denn Soja ist eine sehr empfindliche Pflanze. Viele Kollegen haben mich belächelt, und ich habe auch Lehrgeld zahlen müssen. So konnte ich im ersten Jahr nur die Hälfte der Ernte einfahren“, so Bulich. Nach vier Jahren zog der Landwirt nun eine positive Bilanz. Auf insgesamt 25 Hektar hat er erfolgreich Soja angepflanzt. Die komplette Ernte geht Anfang Oktober an Landwirt Telohe vom Geflügelhof Wirtz.

Kein Transport um die halbe Welt

Ohne die Kooperation der Landwirte müsste Telohe die Hülsenfrucht im Handel ohne Herkunftsnachweis einkaufen. Die Handelsware enthält fast immer Soja von gentechnisch veränderten Pflanzen. Außerdem steht der Anbau in den Herkunftsländern wegen der Rodung klimarelevanter Regenwälder in der Kritik, und der Transport rund um den halben Globus, ist alles andere als klimafreundlich.

Die Hühner auf dem Bauernhof bekommen nun ein ausgewogenes Futter aus selbst angebautem Getreide wie Gerste, Hafer, Mais, Weizen, Sonnenblumenschrot, Kalk, Muschelkalk, Luzerneheu und Soja. So bleiben die Eier gentechnikfrei, was von Kunden und auch vom Handel gefordert wird. Martin Kaupe, Leiter Zentrale Aufgaben Wasserwirtschaft der RheinEnergie AG, unterstützt das Projekt mit Nachdruck. „Wir als Wasserversorger begrüßen die Eigeninitiative im Arbeitskreis ausdrücklich. Es ist ein Grund dafür, dass wir heute in der komfortablen Lage sind, unseren Kunden ein Trinkwasser von allerhöchster Qualität anbieten zu können. Trinkwassergewinnung vor Ort ist immer auch von globalen Trends anhängig. Die Entwicklung unseres Klimas durch die Schadstoffemissionen aus dem Transportsektor dürfen uns nicht gleichgültig sein“, so Kaupe.

Der Anbauerfolg hat sich schon herumgesprochen. „Es häufen sich die Anfragen, nach hier angebauter, gentechnikfreier Soja. Offensichtlich hat auch bei den weiterverarbeitenden Betrieben ein umdenken eingesetzt“, so Bulich.