GA-Serie "Was steckt eigentlich dahinter...?: Der Heymershof in Hennef ist ein Schmuckstück mit Geschichte

GA-Serie "Was steckt eigentlich dahinter...? : Der Heymershof in Hennef ist ein Schmuckstück mit Geschichte

Die Hofanlage an der Frankfurter Straße war einst Landratsamt und Polizeistation. In den 1930er Jahren wurde der Hof zur Kreisschulungsburg für die Nationalsozialisten umfunktioniert. Der Architekt Michael Christian Deisenroth sanierte die Anlage nach dem Kauf 1986.

Er ist eines der architektonischen Schmuckstücke Hennefs – der Heymershof an der Frankfurter Straße. Noch heute ist jeder beeindruckt, der das schmiedeeiserne Tor passiert und auf den parkähnlichen Innenhof schaut. Der Hof wurde 1790 fertiggestellt und ist eine der malerischen Hofanlagen, die während des 18. Jahrhunderts entlang der damaligen Köln-Frankfurter Chaussee (später Frankfurter Straße) entstanden. Die dreiflügelige Gutshofanlage mit dem zurückversetztem Herrenhaus und den flankierenden, frei stehenden Fachwerkgebäuden strahlt Geschichte aus. Dass dieser Hof einst das Landratsamt war, später die NS-Kreisschulungsburg und nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1985 die Hennefer Polizeistation und die Gemeindebücherei beherbergte, dürften nicht viele wissen.

Laut dem Hennefer Heimatforscher Helmut Fischer beginnt die Geschichte des Heymershofes bereits 1733, als Katharine Kaufmann, die Witwe von Johann Wilhelm Kaufmann, die 1752 verstarb, ein Haus mit Hof, Garten und neuer Bitze errichtet haben soll. Die Tochter und Erbin Kaufmanns heiratete 1763 den bergischen Advokaten und Schultheiß des Kirchspiels Eigen, Wilhelm Scheven. Deren Sohn Franz Joseph (1767-1837) soll 1790 das Anwesen erweitert und die Kastanienallee nach Geistingen, die spätere Königstraße, angelegt haben. Scheven wird 1816 der erste Landrat des Kreises Uckerath sowie der nachfolgenden Kreise Siegburg-Uckerath und Sieg-Kreis. Bis zu seinem Tod im Jahre 1837 leitet er die Kreisverwaltung von seinem Wohnsitz aus, dem sogenannten „Landratsamt“ auf dem Heymershof.

Der Name Heymershof kam erst später

Bei einer Verwaltungsreform entstanden 1816 die Landkreise Uckerath und Siegburg. Bis 1818 wurden die jeweiligen Kreise von den kommissarisch ernannten Landräten Franz Josef Scheven und Eberhard von Hymmen geführt, der seine Büros und seine Wohnung im Kloster auf dem Michaelsberg eingerichtet hatte. Schevens Dienstsitz befand sich zunächst in einem Uckerather Fachwerkhaus, seine Wohnung in Hennef. 1817 zog Scheven in den Heymershof und richtete dort die Büros des Landratsamtes ein. Nach der Auflösung des Kreises Uckerath im Jahr 1820 und der Angliederung an den Kreis Siegburg wurde Scheven Landrat des neu gegliederten Kreises und übernahm das Büro auf dem Michaelsberg. Er verlegte aber bereits im November des gleichen Jahres seinen Dienstsitz eigenmächtig in seine Hennefer Wohnung. Nach einer Beschwerde des damaligen Siegburger Bürgermeisters von Ley bei der königlichen Regierung, dass Siegburg nicht zur Hauptstadt des Landkreises ernannt worden war, wurde dies 1825 nachgeholt. Siegburg war nun Hauptort des Siegkreises.

Nach Schevens Tod 1837 wurden die Amtsgeschäfte zunächst kommissarisch an den Kreisdeputierten Maximilian Freiherr von Loë übertragen. Obwohl er angewiesen war, seinen Wohn- und Arbeitsort nach Siegburg zu verlegen, wollte auch von Loë, der auf Schloss Allner lebte, unbedingt in Hennef bleiben. Der Innenminister verfügte schließlich 1838, dass von Loë zwar weiter auf Schloss Allner wohnen durfte, die Landratbüros allerdings nach Siegburg verlegen musste.

Den Namen Heymershof erhielt die Anlage erst später, als Schevens Enkelin 1857 Richter Franz Theodor Heymer heiratete, der den Hof als Sommersitz nutzte. Der einzige dunkle Fleck auf der Geschichte des Heymershofs sind die 1930er Jahre. Auf Veranlassung des damaligen Hennefer NS-Bürgermeisters Heinz Naas wurde der Heymershof „als neue Stätte der politischen Willensbildung“ zur NS-Kreisschulungsburg umfunktioniert. Nach dem Zweiten Weltkrieg beherbergte der Heymershof bis in die 80er Jahre die Hennefer Polizeistation und die Gemeindebücherei.

Zurück zum Originalzustand

Dass der denkmalgeschützte Heymershof wieder im Originalzustand zu bewundern ist, ist dem renommierten Architekten und Ingenieur Michael Christian Deisenroth zu verdanken, dessen Familie das Anwesen 1986 in einem erbärmlichen Zustand von der Stadt kaufte. Deisenroth (69), der einer der führenden Architekten Deutschlands für denkmalgeschützte Projekte ist und unter anderem mit der Restaurierung der Hirschburg in Königswinter, und der Hennefer Meys Fabrik große Projekte gestemmt hat, schaffte es innerhalb von nur zwei Jahren, den Heymershof zu sanieren. Seit der Fertigstellung 1988 lebt und arbeitet er dort. Ein Teil der Nebengebäude ist an ein Bauträger- und Immobilienbüro vermietet.

Stolz präsentiert er das Treppenhaus aus dem Jahr 1790, das er mit runden Spiegeln verziert hat, die einst als Muster für eines seiner Bauprojekte im Bonner Bundeskanzleramt dienten. „Von der Treppe haben wir insgesamt 18 Farbschichten entfernen müssen“, sagt Deisenroth. Der Raum, in dem einst das Büro von Landrat Scheven war, besticht durch einen schönen Kronleuchter. Der spendet bei den orange gestrichenen Wänden ein warmes Licht. Jeder der 18 Räume des Haupthauses ist in einem anderen Farbton gestaltet. „Auch die Anstriche stehen unter Denkmalschutz“, sagt Deisenroth. Schlimm fand er allerdings, was die Nazis mit dem Hof angerichtet hatten. „Der gesamte Stuck wurde von den Decken entfernt, und auch das Fachwerk an den Nebengebäuden wurde verändert“. Deisenroth hat den Heymershof allerdings wieder zu einem Schmuckstück werden lassen, er hofft, dass seine Nachfahren sich für den Erhalt der Anlage einsetzen werden.

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